Brasilien-Wahl: Lula und Bolsonaro-Sohn Flávio müssen in die Stichwahl
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 02:02 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Präsidentenwahl in Brasilien wird in einer Stichwahl zwischen dem linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und dem rechten Senator Flávio Bolsonaro entschieden.
Keiner erreicht absolute Mehrheit
Nach Auszählung von 97 Prozent der Stimmen kam Lula nach vorläufigen Angaben der Wahlbehörde auf rund 44,6 Prozent. Flávio Bolsonaro lag demnach bei etwa 47,4 Prozent.
Damit verfehlten beide Kandidaten die absolute Mehrheit, die für einen Sieg bereits im ersten Wahlgang erforderlich gewesen wäre. Die Entscheidung über das Präsidentenamt fällt nun in einer zweiten Runde.
Zweikampf mit politischer Signalwirkung
Lula bewirbt sich um eine weitere Amtszeit. Der 80-Jährige steht für die linke Arbeiterpartei und einen Regierungskurs mit Sozialprogrammen sowie einer stärkeren Rolle des Staates.
Flávio Bolsonaro ist Senator und der Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro. Der 45-Jährige tritt für das rechte Lager an und setzt im Wahlkampf insbesondere auf ein härteres Vorgehen gegen Kriminalität.
Stichwahl am 25. Oktober
Die Stichwahl ist für den 25. Oktober angesetzt. Bis dahin müssen beide Lager weitere Wähler mobilisieren und um die Stimmen der unterlegenen Kandidaten werben.
Das Ergebnis des ersten Wahlgangs zeigt ein enges Rennen zwischen zwei politisch stark polarisierten Lagern. Der Ausgang der zweiten Runde wird deshalb nicht nur ĂĽber die kĂĽnftige Regierung, sondern auch ĂĽber den politischen Kurs Brasiliens entscheiden.
Richtungsentscheidung fĂĽr Brasilien
Die Stichwahl stellt zwei gegensätzliche politische Angebote gegenüber. Lula steht für Sozialprogramme, öffentliche Investitionen und eine stärkere Rolle des Staates. Flávio Bolsonaro verbindet seine Kandidatur mit einer harten Sicherheitslinie, Haushaltsdisziplin und der politischen Tradition seines Vaters.
Die Entscheidung reicht über die Person des künftigen Präsidenten hinaus. Brasilien ist die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas und spielt eine wichtige Rolle in den Brics sowie bei Fragen des Amazonas-Schutzes. Ein Sieg Lulas würde die politische Linke in der Region stärken; ein Erfolg Bolsonaros könnte den zuletzt erkennbaren Rechtsruck in mehreren lateinamerikanischen Staaten weiter verstärken.
AuĂźenpolitik und Institutionen im Fokus
Auch das Verhältnis zu den USA gehört zu den zentralen Streitpunkten. Während Lula auf staatliche Souveränität und Distanz zu Washington setzt, steht Flávio Bolsonaro dem Lager seines Vaters und damit US-Präsident Donald Trump näher. Für Europa wären mögliche Veränderungen bei Handel, Klima- und Außenpolitik deshalb von Bedeutung.
Innenpolitisch dürfte zudem die Zusammensetzung der Institutionen eine Rolle spielen. Neben dem Präsidenten wurden Kongress, Gouverneure und Parlamente der Bundesstaaten gewählt. Der künftige Präsident kann außerdem Kandidaten für den Obersten Gerichtshof nominieren, deren Bestätigung durch den Senat erforderlich ist. Die Stichwahl am 25. Oktober entscheidet damit auch über den politischen Kurs und das institutionelle Kräfteverhältnis Brasiliens.
