Briefporto 2027: Deutsche Post kann Preise um 20,35 Prozent erhöhen
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 12:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPostpreise für 2027 und 2028
- Die Bundesnetzagentur veröffentlichte in Bonn einen Entwurf für den Preis-Erhöhungsspielraum.
- Für Privatkunden- und Geschäftskundenbriefe sind jeweils 20,35 Prozent vorgesehen.
- Pakete könnten um 10,72 Prozent teurer werden.
Die Bundesnetzagentur hat der Deutschen Post für Briefe ab Januar 2027 einen Preis-Erhöhungsspielraum von 20,35 Prozent vorgeschlagen.
Standardbrief könnte 1,14 Euro kosten
Derzeit kostet ein Standardbrief bis 20 Gramm im Inland 95 Cent. Würde die Post den Spielraum gleichmäßig auf diese Briefart anwenden, läge das Porto künftig bei 1,14 Euro.
Die Post könnte die Preise jedoch auch in 5-Cent-Schritten festlegen. Dann wären für den Standardbrief 1,10 oder 1,15 Euro möglich; die endgültigen Tarife für die einzelnen Briefarten stehen noch nicht fest.
Höchster bisheriger Spielraum
Der vorgeschlagene Wert übertrifft den bisherigen Höchstwert von 10,48 Prozent aus dem Jahr 2025 deutlich. 2022 hatte der durchschnittliche Preisaufschlag 4,6 Prozent betragen.
Seit 2012 würde sich das Standardbriefporto damit ungefähr verdoppeln. Damals kostete die Sendung 55 Cent.
Briefmengen sinken weiter
Die Zahl der Briefe in Deutschland geht seit Jahren zurück. 2005 wurden noch 16,9 Milliarden Sendungen verschickt, 2025 waren es knapp 9,4 Milliarden.
Für die Post steigen gleichzeitig die Kosten für Löhne, Energie und Materialien. Der Konzern muss zudem ein dichtes Netz für die Briefzustellung vorhalten.
Post kündigt ausgewogene Preisgestaltung an
Die Deutsche Post erklärte, sie wolle mit dem eingeräumten Spielraum verantwortungsvoll umgehen. Zu große Preissteigerungen könnten Kunden belasten und die Briefmengen weiter drücken.
Der Sozialverband Deutschland warnte vor Nachteilen für ältere, kranke und mobilitätseingeschränkte Menschen. Sie könnten häufig nicht auf digitale Kommunikationswege ausweichen.
Entscheidung folgt nach Konsultation
Die Post kann das Porto nicht allein festlegen. Nach dem veröffentlichten Entwurf werden zunächst die betroffenen Unternehmen und Verbände angehört.
Anschließend legt die Bundesnetzagentur den verbindlichen Rahmen fest. Die Post bestimmt darin die Preise der einzelnen Briefarten; diese Tarife prüft die Behörde und gibt sie für 2027 frei.
Auch Pakete sollen teurer werden
Für Pakete sieht der Entwurf einen Erhöhungsspielraum von 10,72 Prozent vor. Bei Geschäftskunden-Sendungen sind ebenfalls 20,35 Prozent vorgesehen.
Die neuen Preisvorgaben sollen für die Jahre 2027 und 2028 gelten. Die Deutsche Post ist bei Briefen und Paketen in Deutschland Marktführerin.
Weniger Briefe, höhere Stückkosten
Die geplante Erhöhung fällt in eine grundlegende Veränderung des Postmarktes. Briefe verlieren seit Jahren an Bedeutung, weil Behörden, Unternehmen und private Haushalte viele Mitteilungen digital versenden. Gleichzeitig muss die Deutsche Post ein flächendeckendes Netz aus Briefkästen, Filialen und Zustellung aufrechterhalten.
Für die Preisbildung bedeutet das einen Zielkonflikt: Sinkende Mengen verteilen Personal-, Energie- und Infrastrukturkosten auf weniger Sendungen. Eine Portoerhöhung kann die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Universaldienstes stützen, birgt aber zugleich das Risiko, dass weitere Kunden auf digitale Alternativen ausweichen. Dadurch könnte sich der Mengenrückgang verstärken.
Besondere Bedeutung für nicht-digitale Kommunikation
Betroffen wären nicht nur Menschen, die privat Briefe verschicken. Auch kleine Unternehmen, Vereine, Kanzleien und Steuerberater nutzen frankierte Standardsendungen. Für ältere, kranke und mobilitätseingeschränkte Menschen bleibt der Brief zudem ein wichtiger Zugang zu Behörden und anderen Dienstleistungen.
Die endgültige Belastung hängt deshalb von der späteren Preisentscheidung der Post ab. Der von der Bundesnetzagentur vorgeschlagene Spielraum ist noch kein verbindlicher Einzelpreis. Nach der Konsultation soll die Behörde den Rahmen festlegen; anschließend bestimmt die Post die Tarife der einzelnen Briefarten und legt sie erneut zur Prüfung vor.
