Klaus Ernst, BSW

BSW: Klaus Ernst droht wegen AfD-Kurs mit Austritt

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Klaus Ernst verbindet seine weitere Mitgliedschaft im BSW mit einer eindeutigen Abgrenzung von der AfD. Hintergrund sind Entscheidungen und Kontakte der Partei in Sachsen-Anhalt.

Der bisherige Landesvorsitzende des BSW in Bayern stemmt sich gegen NĂ€he zur AfD. (Archivbild) - Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Der bisherige Landesvorsitzende des BSW in Bayern stemmt sich gegen NĂ€he zur AfD. (Archivbild) - Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Ernst fordert klare Parteigrenze

  • Klaus Ernst macht seinen Verbleib im BSW von einer KlĂ€rung des VerhĂ€ltnisses zur AfD abhĂ€ngig.
  • Der Politiker war bis zum Wochenende Co-Landesvorsitzender des BSW in Bayern und gehört dem Bundesvorstand an.
  • Auslöser sind die Wahl von Tobias Rausch zum LandtagsprĂ€sidenten und ein Treffen mit AfD-Politikern beim Magazin Compact.

Klaus Ernst droht dem BĂŒndnis Sahra Wagenknecht mit dem Austritt, falls die Partei ihr VerhĂ€ltnis zur AfD nicht klĂ€rt.

Forderung nach Abgrenzung

Ernst verlangt eine klare Grenze zur rechten Partei. Die schleichende Verschiebung des BSW nach rechts widerspreche aus seiner Sicht dem GrĂŒndungskonsens der Partei.

Der Politiker erklĂ€rte, eine Mitgliedschaft im BSW hĂ€nge fĂŒr ihn von der KlĂ€rung des AfD-VerhĂ€ltnisses ab. Eine Tolerierung von Absprachen mit der AfD sei nie vom Bundesvorstand beschlossen worden.

Streit ĂŒber Entscheidungen in Sachsen-Anhalt

Ernst kritisiert besonders, dass das BSW in Sachsen-Anhalt die Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum LandtagsprĂ€sidenten unterstĂŒtzt hat. Die Wagenknecht-Partei hatte zuvor angekĂŒndigt, fĂŒr Rausch zu stimmen.

Nach Ernsts Darstellung dĂŒrfe das BSW der AfD keine Ämter und Verantwortung verschaffen, wenn sich dies verhindern lasse. Damit richtet sich seine Kritik nicht nur gegen einzelne Sachentscheidungen, sondern gegen die politische Linie der Partei.

Auch Compact-Treffen sorgt fĂŒr Kritik

ZusÀtzlich beanstandet Ernst, dass BSW-Politiker an einer Feier des rechten Magazins Compact in Magdeburg teilnahmen. Bei der Veranstaltung waren auch AfD-Politiker zu Gast.

Ernst sagte, Treffen der BSW-Fraktion in den RĂ€umen des Magazins könne er niemandem mehr erklĂ€ren. Dies fĂŒhre zu Austritten und gehe ĂŒber die Zustimmung zu einzelnen AntrĂ€gen weit hinaus.

Ein Konflikt ĂŒber den Parteikurs

Der Streit im BSW verbindet zwei Ebenen: die parlamentarische Zusammenarbeit mit der AfD und den persönlichen Umgang zwischen Politikern beider Parteien. Klaus Ernst zieht daraus nun eine Konsequenz fĂŒr seine Mitgliedschaft. Damit wird aus der Debatte ĂŒber einzelne Abstimmungen eine Grundsatzfrage ĂŒber die politische IdentitĂ€t des BSW.

In Sachsen-Anhalt hat die UnterstĂŒtzung fĂŒr Tobias Rausch gezeigt, dass das BSW der AfD zu einem wichtigen Amt verhelfen kann. Zugleich weist die Partei eine dauerhafte Partnerschaft zurĂŒck. Diese Spannung erschwert eine klare Abgrenzung: Sachbezogene Mehrheiten lassen sich politisch anders bewerten als gemeinsame öffentliche Auftritte oder Treffen im Umfeld des rechtsextremen Magazins Compact.

Folgen fĂŒr das BSW

Der Vorgang erhöht den Druck auf den Bundesvorstand, verbindliche Regeln fĂŒr den Umgang mit AfD-AntrĂ€gen, Personalentscheidungen und Veranstaltungen festzulegen. Ohne eine solche KlĂ€rung drohen weitere Austritte und neue Konflikte zwischen Mitgliedern mit gewerkschaftlich oder links geprĂ€gtem Hintergrund und KrĂ€ften, die eine offenere Zusammenarbeit befĂŒrworten.

FĂŒr die politische Bedeutung des BSW ist entscheidend, ob die Partei ihre Rolle als eigenstĂ€ndige Kraft behaupten kann. In Parlamenten mit knappen Mehrheiten können ihre Stimmen den Ausschlag geben. Jede solche Entscheidung wird deshalb nicht nur an ihrem Sachinhalt, sondern auch an ihrer Wirkung auf die Abgrenzung zur AfD gemessen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

FOCUS online: „„Es reicht!“: Im BSW tobt eine Schlammschlacht nach Dinner mit rechtem „Compact“-Magazin“ (11.10.2026)

Der Bericht beschreibe das Treffen von BSW- und AfD-Politikern beim Compact-Magazin als Auslöser einer öffentlichen innerparteilichen Auseinandersetzung. Er setze den Schwerpunkt auf die unterschiedlichen Lager im BSW und ordne den Konflikt als Teil frĂŒherer Richtungsstreitigkeiten ein.

n-tv: „BSW-Fraktionsvize Wittig rudert nach "Compact"-Treffen zurĂŒck“ (11.10.2026)

Der Artikel bestĂ€tige die Kritik am gemeinsamen Abendessen und berichte, Wittig habe ihre ursprĂŒngliche Verteidigung spĂ€ter zurĂŒckgenommen. Anders als der FOCUS-Bericht richte er den Schwerpunkt stĂ€rker auf die Vorgeschichte der Kontakte und auf geplante gemeinsame parlamentarische Vorhaben. Beide Berichte ließen offen, wie der Bundesvorstand den Kurs verbindlich festlegen werde.

Über beide Darstellungen hinweg bestehe Einigkeit ĂŒber den Auslöser des Streits und die wachsende Distanzierungsdebatte. Unterschiede gebe es bei der Gewichtung von Parteikonflikt, persönlicher NĂ€he und parlamentarischer Zusammenarbeit.

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