Tankrabatt, Spritpreisdeckel

Neuer Tankrabatt: Bund und LĂ€nder beschließen Entlastung und Spritpreisdeckel bis 2027

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 21:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bund und LÀnder wollen Autofahrer wegen der rekordhohen Spritpreise mit einem neuen Tankrabatt und einem spÀteren Spritpreisdeckel entlasten. Das Paket umfasst ein Volumen von 2,5 Milliarden Euro und soll kurzfristig wirksam werden.

Es gibt eine grundsÀtzliche Einigung auf einen Tankrabatt und einen Spritpreisdeckel. - Bild: Robert Michael/dpa
Es gibt eine grundsÀtzliche Einigung auf einen Tankrabatt und einen Spritpreisdeckel. - Bild: Robert Michael/dpa

Bund und LÀnder haben sich auf einen neuen Tankrabatt und einen spÀteren Spritpreisdeckel zur Entlastung bei hohen Spritpreisen geeinigt.

Neuer Tankrabatt bis Ende des Jahres

Autofahrer in Deutschland sollen angesichts der stark gestiegenen Kraftstoffpreise kurzfristig einen Tankrabatt erhalten, der bis Ende des Jahres gelten soll. Nach Angaben der Bundesregierung wird angestrebt, den Rabatt Anfang Oktober umzusetzen. Wird die Entlastung vollstÀndig an die Kunden weitergegeben, könnte sie 17 Cent pro Liter betragen.

Die Bundesregierung erklĂ€rte, Bund und LĂ€nder wĂŒrden BĂŒrgerinnen und BĂŒrger sowie Unternehmen gemeinsam angesichts der hohen Spritpreise entlasten. Die Einigung erfolgte kurz vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Entlastungen angekĂŒndigt hatte, deren konkrete Ausgestaltung zunĂ€chst offen geblieben war.

Spritpreisdeckel als Kriseninstrument ab 2027

SpĂ€testens ab Januar 2027 ist zusĂ€tzlich ein Spritpreisdeckel geplant, der als Kriseninstrument und nicht dauerhaft angelegt ist. In einem Beschlusspapier heißt es, der Bund werde in regelmĂ€ĂŸige GesprĂ€che mit der Mineralölwirtschaft eintreten und einen nicht dauerhaften, krisenbedingten Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens frĂŒhestmöglich, spĂ€testens aber zum 1. Januar 2027, einfĂŒhren.

Zum Preisdeckel wird betont, dass die Versorgungssicherheit gewĂ€hrleistet sein mĂŒsse und missbrĂ€uchliche PreisaufschlĂ€ge unterbunden werden sollen. Die SPD fordert einen solchen Spritpreisdeckel seit lĂ€ngerem und sieht in der Einigung einen Erfolg, weil damit das Abkassieren der Mineralölkonzerne begrenzt werde. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte sich zuvor gegen einen Deckel ausgesprochen und vor negativen Folgen fĂŒr die mittelstĂ€ndische Raffineriewirtschaft gewarnt.

Finanzierung und Umfang des Entlastungspakets

Das Entlastungsvolumen der beschlossenen Maßnahmen liegt nach Angaben der Bundesregierung bei 2,5 Milliarden Euro. Die LĂ€nder sollen sich mit 50 Prozent an den Kosten beteiligen. FĂŒr den Bundesanteil sollen laut Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) Ausgabenreste aus dem Haushalt 2026 genutzt werden. Damit bleibt der regulĂ€re Haushalt weitgehend unangetastet.

Wie die Bundesregierung weiter mitteilte, sollen die Steuern auf Benzin und Diesel bis Ende 2026 um faktisch 17 Cent gesenkt werden. Bereits von Anfang Mai bis Ende Juni hatte ein erster Tankrabatt auf Benzin und Diesel mit Entlastungen in Ă€hnlicher GrĂ¶ĂŸenordnung gegolten. Klingbeil erklĂ€rte am Rande eines Finanzministertreffens in Dublin, er könne kein konkretes Datum nennen, die Senkung solle aber so schnell wie möglich kommen.

Reaktionen aus Bund und LĂ€ndern

Bundeskanzler Merz betonte, viele Menschen, die tĂ€glich auf das Auto angewiesen seien, kĂ€men an ihre Belastungsgrenze. Die Einigung solle zeigen, dass man in der Krise widerstandsfĂ€hig sei und den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern helfe. Finanzminister Klingbeil sprach davon, man werde die Spritpreise senken, die Menschen entlasten und die Abzocke an den ZapfsĂ€ulen beenden.

Auch die LĂ€ndervertreter zeigten sich zufrieden mit dem Kompromiss. Niedersachsens MinisterprĂ€sident Olaf Lies (SPD) erklĂ€rte, die Spritpreise seien derzeit völlig außer Kontrolle, mit der Einigung handele man endlich entschlossen. Der rheinland-pfĂ€lzische MinisterprĂ€sident Gordon Schnieder (CDU) bezeichnete die Vereinbarung als wichtiges Signal, dass Bund und LĂ€nder trotz angespannter Haushaltslagen schnell einen gemeinsamen Weg gefunden hĂ€tten.

Weitere zielgerichtete Entlastungen in Aussicht

Ein Tankrabatt steht zugleich in der Kritik, weil er nicht zielgenau wirkt und alle Autofahrer unabhĂ€ngig von Einkommen und Bedarf entlastet. Die Bundesregierung stellte deshalb zusĂ€tzliche, zielgenauere Maßnahmen in Aussicht. Mit Blick auf den Iran-Krieg heißt es im Beschlusspapier, die Preisentwicklung und mögliche wirtschaftliche Folgen wĂŒrden weiterhin eng beobachtet.

Auf dieser Grundlage sollen zu Beginn des Jahres 2027 weitere zielgerichtete Maßnahmen fĂŒr von der Krise betroffene BĂŒrgerinnen und BĂŒrger mit kleinen und mittleren Einkommen sowie fĂŒr Unternehmen identifiziert und, falls nötig, umgesetzt werden. Zudem will der Bund Voraussetzungen fĂŒr einen einkommensbezogenen Direktauszahlungsmechanismus schaffen, um Hilfen kĂŒnftig direkter steuern zu können.

Rekordhohe Spritpreise

Die Krise im Nahen Osten treibt die Kraftstoffpreise in Deutschland immer weiter nach oben. Der Dieselpreis stieg am Donnerstag auf einen weiteren Höchstwert. Nach Auswertung des ADAC kostete ein Liter Diesel im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,471 Euro, knapp zwei Cent mehr als am Vortag. Super E10 verbilligte sich nach mehreren Preisrekorden in Folge dagegen geringfĂŒgig auf 2,308 Euro.

Entlastung in einer angespannten Lage

Der neue Tankrabatt fĂ€llt in eine Phase außergewöhnlich hoher Kraftstoffpreise, die viele Haushalte und Betriebe unmittelbar spĂŒren. Gerade Pendler, Handwerksbetriebe und Speditionsunternehmen sind auf das Auto oder den Lkw angewiesen und können kurzfristig kaum auf andere Verkehrsmittel ausweichen. Entlastungen an der ZapfsĂ€ule wirken fĂŒr sie unmittelbar, zumal Dieselpreise derzeit besonders stark gestiegen sind.

Die Maßnahme knĂŒpft an frĂŒhere Versuche an, ĂŒber steuerliche VergĂŒnstigungen direkt auf die Preise einzuwirken. Kritiker bemĂ€ngeln, dass ein solcher Rabatt alle Nutzer gleich behandelt und damit auch Viel- und Luxusfahrer unterstĂŒtzt, wĂ€hrend Menschen ohne Auto leer ausgehen. Die Bundesregierung stellt deshalb ergĂ€nzende, zielgenauere Hilfen in Aussicht, die insbesondere kleinere und mittlere Einkommen sowie betroffene Unternehmen stĂ€rker in den Blick nehmen sollen.

Politische Dimension und Streit um den Preisdeckel

Politisch ist die Einigung auch vor dem Hintergrund der bevorstehenden Landtagswahlen von Bedeutung. Sie zeigt, dass sich Bund und LĂ€nder trotz angespannter Haushalte auf ein gemeinsames Vorgehen verstĂ€ndigen. Der geplante Spritpreisdeckel ab 2027 als Kriseninstrument markiert zugleich eine Verschiebung: Der Staat will im Ernstfall stĂ€rker direkt in die Preisbildung eingreifen, orientiert an Modellen aus anderen EU-LĂ€ndern. Dies stĂ¶ĂŸt in Teilen der Wirtschaft auf Widerstand, weil Eingriffe in Marktpreise als Risiko fĂŒr Investitionen und Versorgungssicherheit gesehen werden.

Perspektiven fĂŒr Verbraucher und Unternehmen

FĂŒr Verbraucher bedeutet der Tankrabatt zunĂ€chst eine spĂŒrbare Senkung der Kosten pro Liter, sofern die Mineralölwirtschaft die Entlastung vollstĂ€ndig weitergibt. Langfristig deutet die Debatte jedoch darauf hin, dass Energie- und MobilitĂ€tskosten ein politisches Dauerthema bleiben. Geplante einkommensbezogene Direktauszahlungen könnten kĂŒnftige Hilfspakete stĂ€rker nach sozialer BedĂŒrftigkeit staffeln. Unternehmen mĂŒssen sich darauf einstellen, dass staatliche Eingriffe in den Kraftstoffmarkt in Krisenzeiten wahrscheinlicher werden – mit Chancen auf Entlastung, aber auch mit zusĂ€tzlicher Regulierung.

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