Spritpreise, Übergewinnsteuer

Spritpreise: Merz kündigt schnelle Entlastung an – Streit um Übergewinnsteuer und Tankrabatt

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 17:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bundeskanzler Friedrich Merz kündigt angesichts rekordhoher Spritpreise eine schnelle Entlastung der Verbraucher an, ohne sich auf ein konkretes Instrument festzulegen. In Regierung und Opposition gibt es Streit über Übergewinnsteuer, Tankrabatt und Direktzahlungen.

Bundeskanzler Friedrich Merz kündigt Entlastungen für Autofahrer an. - Bild: Britta Pedersen/dpa
Bundeskanzler Friedrich Merz kündigt Entlastungen für Autofahrer an. - Bild: Britta Pedersen/dpa

Angesichts rasant steigender Spritpreise hat Bundeskanzler Friedrich Merz eine schnelle Entlastung der Verbraucher angekündigt, konkrete Maßnahmen bleiben jedoch vorerst offen.

Bundesregierung sucht Instrumente gegen hohe Spritpreise

Die Bundesregierung plant kurzfristige finanzielle Hilfen, um die Rekordpreise an den Tankstellen abzufedern. Zwar sei der Wille zum Handeln vorhanden, doch über das geeignete Instrumentarium werde in der schwarz-roten Koalition noch gestritten. Besonders umstritten ist die Frage, ob eine Übergewinnsteuer auf Gewinne der Mineralölkonzerne eingeführt werden soll.

Nach Angaben aus Regierungskreisen liegen verschiedene Vorschläge auf dem Tisch, die von Steueränderungen bis zu direkten Zahlungen reichen. Ein konkreter Gesetzentwurf wurde bislang nicht vorgestellt.

Merz verspricht Vorschlag und kritisiert Preistreiberei

Merz erklärte bei einem Unternehmertag in Berlin, die Regierung werde auf Preistreiberei reagieren und er sehe die Notwendigkeit schnellen Handelns. Das genaue Instrument sei noch nicht entschieden, die Koalition wolle aber zeitnah einen Vorschlag vorlegen. Für viele Menschen, die täglich auf das Auto angewiesen seien, sei nach seiner Darstellung eine Belastungsgrenze erreicht.

Der Kanzler verwies darauf, dass das Bundeskartellamt bereits mit einer Missbrauchsaufsicht für den Kraftstoffmarkt ausgestattet worden sei. Aus Sicht der Verbraucher reiche dies jedoch nicht aus, um die aktuellen Preissteigerungen abzufedern.

Rekordniveau an der Zapfsäule

Zuletzt stieg der Preis für einen Liter Super E10 im Bundesdurchschnitt auf 2,286 Euro. Diesel kostete am Montag 2,412 Euro pro Liter und liegt damit nur noch wenige Cent unter früheren Rekordmarken. Die hohen Kosten treffen Pendlerinnen und Pendler ebenso wie kleinere Betriebe, die auf Fahrzeugflotten angewiesen sind.

Die Entwicklung an den Tankstellen heizt zugleich die politische Debatte über staatliche Eingriffe in den Markt an. Während Teile der Koalition auf zielgenaue Unterstützung drängen, werden auch allgemeine Steuersenkungen diskutiert.

Klingbeil dringt auf Übergewinnsteuer

Finanzminister Lars Klingbeil begrüßte, dass sich nun auch führende Unionspolitiker zu zusätzlicher Entlastung bekennen. Er verwies darauf, seine Ideen lägen bereits seit Wochen vor und forderte, die Koalitionspartner müssten nun rasch zusammenkommen.

Klingbeil macht sich in der Bundesregierung für eine Übergewinnsteuer stark, die zusätzliche Profite der Mineralölkonzerne in der Krise abschöpfen und Hilfen für Verbraucher finanzieren soll. Er warf den Unternehmen vor, die Lage auszunutzen und eine Abzocke voranzutreiben.

Merz lehnt Übergewinnsteuer ab

Merz erteilte der Übergewinnsteuer eine klare Absage. Aus seiner Sicht fehlt derzeit sowohl eine ausreichende faktische Grundlage als auch eine belastbare rechtliche Basis, um sogenannte Übergewinne zu besteuern. Er kündigte an, die Koalition müsse sich einfachere und andere Maßnahmen einfallen lassen.

Zur Begründung führte der Kanzler an, der Staat könne nur Unternehmen mit Sitz in Deutschland besteuern und habe ein hohes Interesse daran, Raffinerien im Land zu halten. Eine zusätzliche Belastung von Unternehmen, die selbst unter schwierigen Marktbedingungen arbeiten, berge aus seiner Sicht Risiken für die Versorgung. Merz verwies zudem darauf, dass zu einer bereits 2022 erhobenen Übergewinnsteuer weiterhin Gerichtsverfahren anhängig seien.

Direktzahlungen als mögliche Entlastung

Nach Angaben des Kanzlers arbeitet das Finanzministerium an einem Mechanismus für Direktzahlungen an private Haushalte. Bis zu einer möglichen Einführung dieses Instruments will die Regierung weitere Optionen diskutieren. Zur Auswahl stünden mehrere Varianten, bei denen bestimmte Steuern und Abgaben überprüft werden sollen, um Verbraucher kurzfristig zu entlasten.

Auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche brachte gezielte Direktzahlungen für bestimmte Bevölkerungsgruppen ins Gespräch. Die praktische Umsetzung ist jedoch schwierig: Nach Angaben des Finanzministeriums liegen bislang nur für rund 19 Prozent der Steuerpflichtigen die erforderlichen Kontodaten vor.

Skepsis in der Opposition

Die Opposition kritisiert die Ankündigungen als zu vage. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Janine Wissler, erklärte, allein Versprechen reichten nicht aus, die Bundesregierung müsse konkrete Schritte beschließen. Sie bemängelte, dass Merz trotz zahlreicher Vorschläge, die seit Monaten diskutiert würden, keinen detaillierten Plan vorlegen könne.

Die Linke dringt ebenfalls auf eine Übergewinnsteuer und lehnt eine Senkung der Energiesteuer ab. Nach ihrer Auffassung würden niedrigere Energiesteuern vor allem Vielverbraucher begünstigen und die Finanzierung des Staates belasten.

Tankrabatt 2026 und Positionen der Umweltverbände

Vor der aktuellen Debatte hatten Politiker von AfD und CDU bereits erneut Steuersenkungen ins Spiel gebracht. Ein solcher Schritt wurde in Deutschland von Anfang Mai bis Ende Juni 2026 bereits mit dem sogenannten Tankrabatt erprobt. Damals senkte der Staat die Energiesteuer auf Kraftstoffe, sodass Autofahrer an der Zapfsäule rund 17 Cent pro Liter sparen sollten. Den Bund kostete diese Maßnahme etwa 1,6 Milliarden Euro.

Umweltverbände wie Greenpeace, BUND und der Naturschutzbund lehnen neue pauschale Steuersenkungen ab. Sie plädieren für direkte Pro-Kopf-Beihilfen, um vor allem Haushalte mit niedrigen Einkommen zu entlasten. Die Allianz pro Schiene fordert ein Mobilitätsgeld, das Anreize für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs setzen soll; Greenpeace brachte zudem eine erneute deutliche Vergünstigung des Deutschlandtickets ins Gespräch, ähnlich wie 2022 mit dem Neun-Euro-Ticket.

Explodierende Spritpreise als politische Belastungsprobe

Die angekündigte schnelle Entlastung bei Spritpreisen fällt in eine Phase, in der die Kosten für Mobilität für viele Haushalte spürbar steigen. Wer täglich pendelt oder beruflich auf das Auto angewiesen ist, trifft ein Preisniveau von über zwei Euro pro Liter direkt im Alltag. Vor allem ländliche Regionen mit schwachem ÖPNV sind betroffen, weil Alternativen zum Auto fehlen und die hohen Kosten kaum vermeidbar sind. Die Debatte über Gegenmaßnahmen ist damit auch eine Frage sozialer Gerechtigkeit.

Übergewinnsteuer, Tankrabatt und Direktzahlungen im Vergleich

Im Zentrum der politischen Auseinandersetzung stehen drei Instrumente: eine Übergewinnsteuer auf Krisenprofite der Mineralölkonzerne, erneute Steuersenkungen wie der frühere Tankrabatt und gezielte Direktzahlungen. Eine Übergewinnsteuer soll überdurchschnittliche Unternehmensgewinne abschöpfen und Entlastungen finanzieren, gilt aber als rechtlich und praktisch komplex. Steuersenkungen wirken schnell an der Zapfsäule, können jedoch auch Viel- und Großverbraucher überproportional entlasten und damit klima- und verteilungspolitische Fragen aufwerfen. Direktzahlungen ermöglichen eine stärkere Konzentration auf Haushalte mit niedrigem Einkommen, sind aber technisch anspruchsvoll, solange nicht für alle Steuerpflichtigen Kontodaten vorliegen.

Klimaziele, Mobilität und mögliche Folgen

Die Auseinandersetzung über Spritpreis-Entlastungen berührt unmittelbar die deutschen Klimaziele im Verkehrssektor. Umweltverbände warnen davor, durch pauschale Steuersenkungen zusätzliche Anreize für mehr Autoverkehr zu schaffen. Stattdessen setzen sie auf Unterstützung für ärmere Haushalte und eine Stärkung von Bus, Bahn und Angeboten wie dem Deutschlandticket. Für Leserinnen und Leser bedeutet die aktuelle Debatte, dass mögliche Entlastungen sehr unterschiedlich ausfallen können: von wenigen Cent je Liter über pauschale Zahlungen bis hin zu Vergünstigungen im öffentlichen Verkehr. Die anstehende Entscheidung der Koalition dürfte daher nicht nur die kurzfristigen Kosten an der Zapfsäule beeinflussen, sondern auch, wie Mobilität und Klimaschutz in den kommenden Monaten politisch austariert werden.

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