Scholz, Tempo

Scholz will mehr Tempo bei Asylverfahren

08.07.2024 - 15:30:46 | dpa.de

Bundeskanzler Olaf Scholz besucht das Bundesamt fĂŒr Migration. Die Mitarbeiter haben viel GesprĂ€chsbedarf.

Bundeskanzler Scholz hat BemĂŒhungen der Bundesregierung zugesagt, das Dublin-Verfahren zur RĂŒcknahme von FlĂŒchtlingen zu verbessern. - Foto: Daniel Löb/dpa Pool/dpa

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) will mehr Tempo bei der Entscheidung ĂŒber AsylantrĂ€ge. Bei einem Besuch des Bundesamtes fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (Bamf) hat er aber auch politische BemĂŒhungen zugesagt, etwa zur Verbesserung der RĂŒcknahme von Asylbewerbern im Zuge des sogenannten Dublin-Verfahrens auf europĂ€ischer Ebene. «Es muss so sein, dass wir da eine verĂ€nderte Praxis erreichen», sagte Scholz in NĂŒrnberg. Er sei mit seinem Kollegen in mehreren LĂ€ndern Europas im «DauergesprĂ€ch». 

Zuvor hatten Mitarbeiter des Bundesamtes dem Kanzler ihre Unzufriedenheit mit der bisherigen Praxis zum Ausdruck gebracht. Einige LĂ€nder, darunter Italien, akzeptieren derzeit keine oder nur eine geringe Zahl von FlĂŒchtlingen, zu deren Aufnahme sie aber nach dem Dublin-Abkommen verpflichtet wĂ€ren. Der Dublin-Verordnung zufolge ist immer nur ein EU-Staat fĂŒr die PrĂŒfung und Abwicklung von Asylverfahren zustĂ€ndig - in der Regel jenes Land, auf dessen Boden der Schutzsuchende zuerst europĂ€ischen Boden betreten hat. 

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte eine hĂ€rtere Gangart gegenĂŒber LĂ€ndern wie Italien. «Seit Jahren weigert sich insbesondere Italien Asylbewerber zurĂŒckzunehmen, die im Dublin-Verfahren sind. Das ist ein dauerhafter eklatanter Verstoß gegen geltendes europĂ€isches Recht», sagte er. «Scholz muss jetzt endlich handeln statt reden», sagte der CSU-Politiker. Die Bundesregierung mĂŒsse die bestehenden Grenzkontrollen solange aufrecht erhalten, bis die EU-Außengrenzen nachhaltig gesichert sind und die FunktionsfĂ€higkeit des Dublin-Systems nachhaltig verbessert sei. «Und die Bundesregierung muss die Bundespolizei endlich anweisen, Personen auch dann an den Binnengrenzen zurĂŒckzuweisen, wenn sie ein Asylersuchen Ă€ußern». Denn FlĂŒchtlinge an den deutschen Landgrenzen kĂ€men ausnahmslos aus sicheren Transitstaaten.

Scholz mahnte seinerseits mehr Tempo bei der Bearbeitung von AsylantrĂ€gen an. Dies sei entscheidend, auch fĂŒr die Akzeptanz in der Bevölkerung. «Wir mĂŒssen dafĂŒr Sorge tragen, dass wir State of the Art sind», sagte der Kanzler mit Blick auf die Digitalisierung. Es mĂŒsse dafĂŒr Sorge getragen werden, dass die digitale Geschwindigkeit hoch bleibe, auch kĂŒnstliche Intelligenz spiele eine Rolle. Eine entscheidende Frage sei die Ausstattung des Bundesamtes mit ausreichend Personal. Sowohl im zurĂŒckliegenden Bundeshaushalt als auch im neuen Haushalt sei dies berĂŒcksichtigt worden. 

Scholz: Bei Gerichtsverfahren muss das Tempo von Rheinland-Pfalz das Ziel sein

Wichtig sei auch, dass AsylantrĂ€ge auf Ebene der BundeslĂ€nder noch in den Erstaufnahmeeinrichtungen gestellt wĂŒrden - vor der Verteilung auf die Kommunen. «Dass das flĂ€chendeckend so gelingt, ist ganz entscheidend», sagte Scholz. Dies könne eine «dramatische Beschleunigung» des Verfahrens zur Folge haben. Er sprach sich auch fĂŒr mehr Tempo bei den Verwaltungsgerichtsverfahren aus. In Rheinland-Pfalz sei die erste Instanz bei solchen Verfahren in weniger als sechs Monaten abgeschlossen. Der bundesweite Schnitt liege jedoch bei 20 Monaten. «Das Ziel muss sein, dass ganz Deutschland die Geschwindigkeit bei den Gerichtsverfahren hat, die in Rheinland-Pfalz jetzt Praxis ist.»

Die Zahl der AsylantrĂ€ge ist in Deutschland im laufenden Jahr wieder rĂŒcklĂ€ufig, allerdings auf hohem Niveau. Von Januar bis Juni wurden 121.000 AntrĂ€ge auf Asyl gestellt – knapp 20 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die meisten kamen aus Syrien, Afghanistan und der TĂŒrkei. 

Entschieden wurde in diesem Jahr bereits ĂŒber 150.000 AntrĂ€ge. Die Schutzquote lag bei 47 Prozent. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 351.000 ErstantrĂ€ge gestellt. Die PersonalstĂ€rke des Bundesamtes von derzeit 8.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist auf 230.000 AntrĂ€ge ausgelegt. Im vergangenen Haushalt wurde bereits eine temporĂ€re Aufstockung um 1.000 Personen bewilligt. Die Rekordzahl an AntrĂ€gen stammt infolge des BĂŒrgerkriegs in Syrien aus dem Jahr 2016 mit 745.000. 

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