Bundespolizei-Bilanz: Weniger Straftaten - mehr Gewalt
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 05:00 Uhr, dpa.deDie Bundespolizei hat im vergangenen Jahr mehr Gewaltdelikte an Bahnhöfen und anderen Orten, wo sie fĂŒr die Sicherheit zustĂ€ndig ist, festgestellt. Wie aus ihrem Jahresbericht fĂŒr 2025 hervorgeht, stieg die Zahl der Gewaltdelikte im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent auf rund 35.400 FĂ€lle.
GemÀà der Eingangsstatistik der Bundespolizei zĂ€hlen zur GewaltkriminalitĂ€t sĂ€mtliche Körperverletzungs- und Raubdelikte, Straftaten gegen das Leben, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Straftaten gegen die persönliche Freiheit sowie Taten, die sich gegen die öffentliche Ordnung richten. Sexualdelikte werden separat erfasst.Â
Bei Gewaltdelikten mit bekannten TatverdĂ€chtigen lag der Anteil deutscher Staatsangehöriger demnach bei 53 Prozent. Ein Messer wurde bei 3,9 Prozent aller Gewaltdelikte mitgefĂŒhrt.
3.185 EinsatzkrĂ€fte der Bundespolizei wurden den Angaben nach angegriffen - ein Anstieg um 7,4 Prozent. Dabei schlugen, traten, bissen oder bespuckten Angreifer die Beamten. Verletzt wurden den Angaben zufolge 818 Polizistinnen und Polizisten - ein Anstieg um 1,7 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. 53 Prozent derjenigen, die EinsatzkrĂ€fte angriffen, standen laut Bundespolizei unter dem Einfluss berauschender Mittel.
Weniger VerstöĂe gegen Aufenthaltsgesetz
Dass die Zahl der im ZustĂ€ndigkeitsbereich der Bundespolizei - also vor allem auf dem Gebiet der Bahnanlagen, an 13 FlughĂ€fen und an den Grenzen - registrierten Straftaten 2025 insgesamt um 5,8 Prozent auf rund 604.700 Straftaten gesunken ist, hat vor allem damit zu tun, dass weniger VerstöĂe gegen das Aufenthaltsgesetz festgestellt wurden.Â
An allen deutschen Landesgrenzen gibt es seit dem 16. September 2024 Grenzkontrollen bei Einreisen, zuvor war das bereits teilweise der Fall. Die Zahl der Menschen, die in Deutschland erstmals Asyl beantragt haben, ist seit 2023 deutlich gesunken. Im Mai 2025 wurden die Grenzkontrollen intensiviert. Seither werden - abgesehen von Ausnahmen etwa fĂŒr Kranke und Schwangere - auch Asylsuchende zurĂŒckgewiesen.Â
Werden die Grenzkontrollen weiter verlÀngert?
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat in Aussicht gestellt, die Binnengrenzkontrollen zu lockern, sollte die Reform des Gemeinsamen EuropĂ€ischen Asylsystems (Geas) so funktionieren, wie erhofft. Kern der Reform, deren Regeln seit dem 12. Juni gelten, ist eine Registrierungspflicht fĂŒr alle Asylsuchenden an den AuĂengrenzen. Menschen, die aus Staaten stammen, bei denen eine Anerkennung als schutzbedĂŒrftig wenig wahrscheinlich ist, sollen dort ein schnelles Asylverfahren durchlaufen.Â
Im Schengen-Raum sind Kontrollen an den Binnengrenzen eigentlich nicht vorgesehen. Wenn Mitgliedstaaten sie dennoch vorĂŒbergehend einfĂŒhren, mĂŒssen sie die EU-Kommission darĂŒber vorab informieren und die MaĂnahme begrĂŒnden. Die Kontrollen an den deutschen Landgrenzen gelten bis September 2026.Â
Der innenpolitische Sprecher der GrĂŒnen-Bundestagsfraktion, Marcel Emmerich, plĂ€diert fĂŒr ein Ende der festen Kontrollen. «Die Bundespolizei Ă€chzt unter einer Dauerbelastung, die politisch verursacht ist.» Indem Dobrindt die Bundespolizei zur «Migrationspolizei» mache, fehlten die Beamtinnen und Beamten andernorts, fĂŒr Sicherheit an Bahnhöfen, FlughĂ€fen und im Kampf gegen Organisierte KriminalitĂ€t.
Aus Sicht von BundespolizeiprĂ€sident Dieter Romann erfĂŒllen sie jedoch ihren Zweck. Er sagt der Deutschen Presse-Agentur: «Die flexiblen und smarten Grenzkontrollen haben auch 2025 ihre Wirkung gezeigt.» Ob und wie lange sie fortgesetzt wĂŒrden, hĂ€nge auch vom Gelingen und der Wirkung der Geas-Reform ab.Â
In den ersten Wochen nach Inkrafttreten der Reform hat die Bundespolizei zwar etliche unerlaubte Einreisen festgestellt, die an den AuĂengrenzen nicht registriert worden waren. Jedoch ist gut möglich, dass die Menschen bereits vor dem 12. Juni in die EU gekommen waren.
GrĂŒnde fĂŒr den RĂŒckgang irregulĂ€rer MigrationÂ
Die Bundespolizei fĂŒhrt den RĂŒckgang der irregulĂ€ren Migration auf mehrere Faktoren zurĂŒck. Zum einen habe die geĂ€nderte ZurĂŒckweisungspraxis eine «Signalwirkung» gehabt, zum anderen kĂ€men weniger Migranten aus wichtigen HerkunftslĂ€ndern wie Afghanistan, Syrien, der TĂŒrkei und der Ukraine nach Deutschland.Â
Viele RĂŒckfĂŒhrungen scheitern
Von den 58.795 RĂŒckfĂŒhrungen, die im vergangenen Jahr geplant wurden, scheiterten 34.848 - in mehr als 33.000 FĂ€llen bereits vor der Ăbergabe der Ausreisepflichtigen durch die LĂ€nder an die Bundespolizei.Â
In 1.353 FĂ€llen seien RĂŒckfĂŒhrungen nach Ăbernahme durch die Bundespolizei abgesagt worden, vor allem weil Transportunternehmen die Beförderung verweigerten, sich der Zielstaat querstellte, der Abzuschiebende passiven Widerstand leistete oder wegen eines Verwaltungsgerichtsbeschlusses in letzter Minute.
Mehr Personal
Wie bereits in den Jahren zuvor stieg die Zahl der BeschÀftigten der Bundespolizei 2025 an - um 0,7 Prozent auf 55.369 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Stichtag 31. Dezember). Neue Aufgaben kamen etwa bei der Drohnenabwehr hinzu.
Die Zahl der Einsatzstunden sank laut Jahresbericht im gleichen Zeitraum um rund 6,4 Prozent - die fĂŒr Grenzschutz-Aufgaben stieg jedoch um 5,2 Prozent. In seinem GruĂwort im Jahresbericht dankt Dobrindt den Bundespolizistinnen und Polizisten fĂŒr ihren Einsatz an den Grenzen. Dieser trage dazu bei, «dass wir das Migrationsgeschehen neu ordnen konnten». Seit Mai 2025 seien Â«ĂŒber 32.000 illegale Einreisen unmittelbar verhindert, SchleuserkriminalitĂ€t eingedĂ€mmt und das Asylsystem entlastet worden».
