BundesprÀsidentenwahl 2027, Friedrich Merz

BundesprÀsidentenwahl 2027: Merz will eine Frau vorschlagen

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 21:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Friedrich Merz will der CDU eine gemeinsame Kandidatin aus der politischen Mitte vorschlagen. Über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier entscheidet die Bundesversammlung am 30. Januar 2027.

Bundesversammlung entscheidet im Januar

  • Friedrich Merz will der CDU eine gemeinsame Kandidatin aus der politischen Mitte vorschlagen.
  • Die Bundesversammlung wĂ€hlt am 30. Januar ĂŒber die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier.
  • Union und SPD verfĂŒgen zusammen ĂŒber eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.
  • Bundeskanzler Merz hat sich auf eine Frau im höchsten Staatsamt festgelegt. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Aigner oder nicht Aigner, das ist jetzt die Frage. - Bild: Sven Hoppe/dpa
  • Hier tagen heute die Kreisvorsitzenden. - Bild: Michael Kappeler/dpa
Bundeskanzler Merz hat sich auf eine Frau im höchsten Staatsamt festgelegt. - Bild: Kay Nietfeld/dpa Aigner oder nicht Aigner, das ist jetzt die Frage. - Bild: Sven Hoppe/dpa Hier tagen heute die Kreisvorsitzenden. - Bild: Michael Kappeler/dpa

Merz legt sich auf Kandidatin fĂŒr Steinmeier-Nachfolge fest

Bundeskanzler Friedrich Merz will der CDU eine Frau als gemeinsame Kandidatin fĂŒr die Nachfolge von BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier vorschlagen. Bei einer CDU-Kreisvorsitzendenkonferenz in Berlin legte er sich erstmals auf diese Richtung fest und nannte eine Kandidatin aus der politischen Mitte.

CDU und CSU ringen um Personalvorschlag

Die CSU unterstĂŒtzt die bayerische LandtagsprĂ€sidentin Ilse Aigner fĂŒr das Amt. Aus der CDU werden außerdem BundestagsprĂ€sidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien, die frĂŒhere Parteichefin und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und die hessische Fraktionsvorsitzende Ines Claus genannt.

Als mögliche mĂ€nnliche Kandidaten waren zuvor unter anderem Hessens MinisterprĂ€sident Boris Rhein, der PrĂ€sident des Bundesverfassungsgerichts Stephan Harbarth und dessen frĂŒherer PrĂ€sident Udo di Fabio im GesprĂ€ch. Nach Merz’ Festlegung auf eine Frau dĂŒrften sie keine Chance mehr haben.

Wahltermin steht fest

Die Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar ĂŒber die Nachfolge Steinmeiers. Sie besteht aus den 630 Mitgliedern des Bundestags und ebenso vielen Wahlleuten der LĂ€nder.

Union und SPD haben in dem Gremium gemeinsam eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen. Merz will auch die GrĂŒnen in die Kandidatensuche einbeziehen, pocht aber darauf, dass das Vorschlagsrecht bei der CDU als stĂ€rkster Kraft in der Bundesversammlung liegt.

Vorentscheidung soll nÀchste Woche fallen

Eine Vorentscheidung könnte bei der Sitzung der CDU-Gremien am kommenden Montag fallen. Zuvor will Merz mit den CDU-Landesvorsitzenden und der CSU sprechen, um möglichst einen gemeinsamen Vorschlag der Unionsparteien zu erreichen.

Auch die SPD soll in die Abstimmung einbezogen werden, weil sie fĂŒr eine Mehrheit benötigt wird. Einzelne CDU-Kreisvorsitzende signalisierten bereits Sympathien fĂŒr Aigner.

Erstmals Frau an der Staatsspitze möglich

In der 77-jÀhrigen Geschichte der Bundesrepublik gab es bisher keine BundesprÀsidentin. Alle zwölf bisherigen StaatsoberhÀupter waren MÀnner.

Merz hatte sich bereits im August 2025 grundsĂ€tzlich offen fĂŒr eine Frau an der Staatsspitze gezeigt, sich danach aber monatelang nicht festgelegt. Die Personaldebatte nahm Fahrt auf, nachdem CSU-Chef Markus Söder Aigner im April ins GesprĂ€ch gebracht hatte.

CDU-Basis diskutiert auch ĂŒber Koalition

Bei der Kreisvorsitzendenkonferenz ging es neben der BundesprĂ€sidentenwahl auch um den Zustand der Koalition und das VerhĂ€ltnis zur SPD. Teilnehmer berichteten von Kritik an nicht eingehaltenen Wahlversprechen und an der Kommunikation der ParteifĂŒhrung.

Zu einem Aufstand der Parteibasis kam es nach den Teilnehmerangaben nicht. Merz nahm sich fĂŒr die Diskussion drei Stunden Zeit statt der ursprĂŒnglich vorgesehenen 90 Minuten.

Merz bekrÀftigt Abgrenzung zur AfD

Mit Blick auf die politische Positionierung der CDU sagte Merz nach Teilnehmerangaben, die Partei werde ihr Koordinatensystem nicht verĂ€ndern. Zur Koalition erklĂ€rte er, die SPD sei in großen Fragen anderer Meinung, die gemeinsame Schnittmenge reiche aber aus, um das Land zu fĂŒhren.

Die Festlegung von Friedrich Merz verschiebt die bisher offene Suche nach der Nachfolge Frank-Walter Steinmeiers in eine konkrete Richtung. Erstmals gibt der Kanzler damit öffentlich vor, dass die CDU eine Frau aus der politischen Mitte vorschlagen soll. Das schließt mĂ€nnliche Bewerber aus, die zuvor ebenfalls als mögliche Kandidaten genannt worden waren.

Besondere Bedeutung hat die Aussage fĂŒr das VerhĂ€ltnis zwischen CDU und CSU. Die CSU unterstĂŒtzt Ilse Aigner, die als PrĂ€sidentin des Bayerischen Landtags ĂŒber ein hohes staatspolitisches Amt verfĂŒgt. In der CDU werden dagegen mehrere Politikerinnen aus den eigenen Reihen genannt. Damit ist die Grundsatzfrage zugunsten einer Frau beantwortet, die Personalentscheidung innerhalb der Union aber weiterhin offen.

Mehrheit verlangt Abstimmung

FĂŒr die Wahl am 30. Januar 2027 benötigen Union und SPD eine gemeinsame Lösung. Beide Parteien verfĂŒgen in der Bundesversammlung rechnerisch ĂŒber eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen. Merz will zusĂ€tzlich die GrĂŒnen in die GesprĂ€che einbeziehen, obwohl die Union das Vorschlagsrecht fĂŒr sich reklamiert.

FĂŒr die politische Debatte bedeutet die Kandidatinnen-Festlegung zugleich einen Einschnitt: Seit GrĂŒndung der Bundesrepublik standen ausschließlich MĂ€nner an der Staatsspitze. Eine erfolgreiche Wahl einer Frau wĂŒrde diese personelle KontinuitĂ€t beenden. Bis zur erwarteten Beratung der CDU-Gremien in der kommenden Woche bleibt vor allem offen, ob sich die CDU hinter Aigner versammelt oder eine eigene Kandidatin nominiert.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Merz legt sich fest: Steinmeiers Nachfolge soll eine Frau werden – Bahn frei fĂŒr Ilse Aigner?“ (02.11.2026)

Der Beitrag bestĂ€tige Merz’ Festlegung auf eine Kandidatin aus der politischen Mitte und richte den Schwerpunkt auf die möglichen Chancen Ilse Aigners. Offen bleibe demnach, ob die CDU den Vorschlag der CSU ĂŒbernehme.

tagesschau: „Merz spricht sich bei Steinmeier-Nachfolge fĂŒr Frau aus“ (02.11.2026)

Der Bericht bestĂ€tige die Aussage des Kanzlers bei der CDU-Kreisvorsitzendenkonferenz und ordne sie in die Nachfolge Steinmeiers ein. Anders als die Frankfurter Rundschau stelle er die Personalfrage weniger auf Aigner, sondern auf Merz’ grundsĂ€tzliche Festlegung ab.

Übereinstimmend werde die Entscheidung fĂŒr eine Frau als neue politische Vorgabe beschrieben. Unterschiede gebe es beim Schwerpunkt: WĂ€hrend ein Beitrag Aigners mögliche Rolle hervorhebe, konzentriere sich der andere auf den Schritt des Kanzlers und das weitere Verfahren.

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