BundesprÀsidentenwahl: Midyatli kritisiert spÀte Kandidatensuche
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 06:28 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDelegiertenlisten und offene Personalfrage
- Die CDU-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein will zwölf Wahlleute fĂŒr die Bundesversammlung entsenden.
- Angela Merkel steht auf Platz eins der Delegiertenliste der schleswig-holsteinischen Landes-CDU.
- Auch in Niedersachsen gibt es Sorgen ĂŒber die UnterstĂŒtzung des CDU-Vorschlags durch zusĂ€tzliche Wahlleute.
LĂ€nder bestimmen Wahlleute trotz offener Kandidatenfrage
Die langwierige Suche nach einem Kandidaten oder einer Kandidatin fĂŒr das Amt des BundesprĂ€sidenten sorgt in den BundeslĂ€ndern fĂŒr Unmut, wĂ€hrend dort bereits die Nominierung der Wahlleute fĂŒr die Bundesversammlung lĂ€uft. Serpil Midyatli, Vize-Bundeschefin der SPD und schleswig-holsteinische Fraktionsvorsitzende, kritisierte, dass die LĂ€nder ihre Entscheidungen treffen mĂŒssten, obwohl in Berlin weiterhin offen sei, wer kandidieren solle.
Midyatli sieht Merz in besonderer Verantwortung
Die AblĂ€ufe bei der Wahl seien unglĂŒcklich aufeinander abgestimmt, sagte Midyatli den âKieler Nachrichtenâ, die zum Redaktionsnetzwerk Deutschland gehören. Bundeskanzler Friedrich Merz trage eine besondere Verantwortung fĂŒr die politische Abstimmung auf Bundesebene, weil die CDU das Vorschlagsrecht fĂŒr einen Koalitionskandidaten beanspruche.
Es liege deshalb an Merz, den Abstimmungsprozess so zu organisieren, dass die AblÀufe besser ineinandergreifen, sagte Midyatli. Einen abgestimmten Vorschlag der schwarz-roten Koalition gibt es bislang nicht.
Merkel fĂŒhrt schleswig-holsteinische Delegiertenliste an
Zur zwölfköpfigen Delegiertenliste der CDU-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein gehört auch Altkanzlerin Angela Merkel. Sie steht auf Platz eins der Liste fĂŒr die Wahl des BundesprĂ€sidenten im kommenden Januar.
GrĂŒne fordern ĂŒberparteiliche Persönlichkeit
Auch die GrĂŒnen in Schleswig-Holstein kritisieren die Dauer der Suche. Vize-Fraktionschefin Silke Backsen sagte, fĂŒr die Spitze des Staates brauche es eine Persönlichkeit, die auf Ăberparteilichkeit und Integration setze und in schwierigen Zeiten Orientierung gebe.
Nach ihren Worten sollte die gesuchte Person die Demokratie entschlossen verteidigen. Zudem sei es an der Zeit, dass eine Frau das höchste Amt an der Spitze des Staates einnehme.
Sorge ĂŒber Abstimmungsverhalten in Niedersachsen
Unmut ĂŒber die spĂ€te Kandidatenbenennung gibt es auch in Niedersachsen. Dort besteht nach Informationen der âHannoverschen Allgemeinen Zeitungâ unter anderem in der CDU-Landtagsfraktion die Sorge, dass Prominente oder andere von den Landtagen nominierte Personen im Januar nicht fĂŒr den CDU-Vorschlag stimmen könnten.
Die Bundesversammlung soll im Januar das deutsche Staatsoberhaupt wĂ€hlen. Nach der dts-Meldung treffen die LĂ€nder bereits Vorbereitungen fĂŒr die Entsendung ihrer Wahlleute, wĂ€hrend die Koalition auf Bundesebene noch keinen gemeinsamen Personalvorschlag prĂ€sentiert hat.
Die Suche konzentriert sich damit nicht nur auf geeignete Persönlichkeiten, sondern auch auf das Verfahren innerhalb der schwarz-roten Koalition. Die CDU beansprucht das Vorschlagsrecht; zugleich wird in der politischen Debatte ĂŒber mehrere mögliche Kandidatinnen und Kandidaten sowie ĂŒber eine stĂ€rkere ReprĂ€sentation von Frauen im höchsten Staatsamt gesprochen.
Wahlleute werden vor der Entscheidung nominiert
Die zeitliche Spannung entsteht, weil die LĂ€nder ihre Delegierten bestimmen mĂŒssen, bevor die parteipolitische Abstimmung in Berlin abgeschlossen ist. Das kann die Planung der Landtagsfraktionen erschweren, insbesondere wenn neben Abgeordneten auch gesellschaftlich bekannte Persönlichkeiten als Wahlleute vorgesehen sind.
FĂŒr Schleswig-Holstein erhĂ€lt die Debatte durch die Nominierung Angela Merkels zusĂ€tzliches Gewicht. Ihre Aufnahme in die zwölfköpfige Delegiertenliste der Landes-CDU macht die Bundesversammlung auch regional sichtbar. Politisch entscheidend bleibt jedoch, ob die Koalition rechtzeitig einen Namen festlegt und damit den Wahlleuten eine klare Orientierung gibt.
Ăberparteilichkeit prĂ€gt die Erwartungen
Die Kritik aus SPD und GrĂŒnen verweist auf Anforderungen, die ĂŒber die bloĂe Mehrheitsbildung hinausgehen: Das Staatsoberhaupt soll integrieren, Orientierung geben und die Demokratie verteidigen. Eine verspĂ€tete Nominierung kann deshalb nicht nur organisatorische, sondern auch politische Kosten verursachen, weil sie den Eindruck einer vor allem parteiinternen Personalentscheidung verstĂ€rkt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesschau: âSteinmeier-Nachfolge: Die Kandidatensuche wird zur ...â (29.10.2026)
Der Beitrag ordnet die Nachfolgesuche als unĂŒbersichtlich und parteipolitisch aufgeladen ein. Er bestĂ€tigt den offenen Auswahlprozess und setzt den Schwerpunkt auf die Debatte innerhalb von CDU und CSU.
WDR 5: âSteinmeier-Nachfolge: Parteipolitik bestimmt die Sucheâ (29.10.2026)
Der WDR hebt den Zeitdruck vor der Wahl der Bundesversammlung am 30. Januar hervor. Gemeinsam ist beiden BeitrÀgen die EinschÀtzung, dass die Entscheidung noch aussteht; unterschiedlich ist der Fokus auf das Verfahren beziehungsweise die parteipolitische Auseinandersetzung.
Offen bleibt damit vor allem, wann die Koalition einen abgestimmten Vorschlag vorlegt und welche Persönlichkeit schlieĂlich die UnterstĂŒtzung der Wahlleute erhĂ€lt.
