Bundeswehr: Nur drei Frauen fliegen mehr als 200 Kampfjets
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 15:21 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSKommandofunktionen bleiben männlich geprägt
- Bei mehr als 200 Bundeswehr-Kampfflugzeugen fliegen derzeit drei Frauen als Pilotinnen.
- Zwölf Frauen steuern Hubschrauber bei knapp 300 Helikoptern in der Bundeswehr.
- Neun ausgebildete Panzerkommandantinnen führen Einheiten in sechs Panzerbataillonen.
- Fünf Frauen versuchten die KSK-Auswahl, bisher bestand keine das Verfahren.
Frauen führen nur selten große Waffensysteme
Auch 25 Jahre nach der Öffnung der Kampftruppen für Frauen haben in der Bundeswehr weitgehend Männer das Kommando über Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Panzerbesatzungen. Bei mehr als 200 Kampfflugzeugen gibt es derzeit drei Pilotinnen, bei den neuen F-35 befindet sich keine Frau in der Ausbildung.
Kaum Pilotinnen bei Jets und Hubschraubern
In der Luftwaffe sind aktuell zwölf Frauen als Hubschrauber-Pilotinnen im Einsatz. Ihnen stehen knapp 300 Helikopter in der Bundeswehr gegenüber.
Auch bei der Marine sind Frauen nur vereinzelt in Führungspositionen vertreten. Erstmals kommandiert eine Frau eine der elf Fregatten; jeweils eine weitere Offizierin führt eines von zehn Minenabwehrbooten und eines von sechs U-Booten.
Korvetten bleiben ohne Kommandantin
Die Korvetten werden derzeit ausschließlich von männlichen Offizieren kommandiert. Im Heer sind zwei Frauen als Leopard-2-Kommandantinnen im Einsatz, obwohl die Bundeswehr rund 300 Kampfpanzer dieses Typs besitzt.
Neun Panzerkommandantinnen als Einheitsführerinnen
In den sechs Panzerbataillonen dienen nach Bundeswehrangaben neun Frauen, die zur Panzerkommandantin ausgebildet sind und Einheiten führen. Zwölf weitere Soldatinnen mit dieser Qualifikation sind an anderer Stelle eingesetzt.
KSK-Auswahl bleibt bislang ohne erfolgreiche Bewerberin
Im Spezialkräfteverband KSK hat bisher keine Frau das körperlich besonders anspruchsvolle Auswahlverfahren für den Einsatz als Kommandosoldatin bestanden. Fünf Frauen haben es versucht.
Bundeswehr verweist auf gleiche Möglichkeiten
Eine Sprecherin der Bundeswehr erklärte, Soldatinnen seien im täglichen Dienst sowie in allen Laufbahn- und Dienstgradgruppen angekommen. Mit Blick auf den angestrebten personellen Aufwuchs sei eine weitere Stärkung des Frauenanteils unverzichtbar und klares Ziel der Bundeswehr.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) bezeichnete die Entwicklung als langsam und verwies auf die weiterhin stark männerdominierte Struktur der Bundeswehr. Die Grünen-Verteidigungspolitikerin Jeanne Dillschneider forderte mehr weibliche Vorbilder, weil es außerhalb des Unterstützungsbereichs weiterhin zu wenige gebe.
Alle Laufbahnen seit 2001 geöffnet
Frauen konnten ab 1975 zunächst freiwillig im Sanitäts- und Militärmusikdienst tätig werden. Seit einem wegweisenden Gerichtsurteil aus dem Jahr 2001 stehen ihnen sämtliche Laufbahnen offen, darunter auch die Kampftruppen.
Die Zahlen zeigen, dass die formale Öffnung aller militärischen Laufbahnen nicht automatisch zu einer gleichmäßigen Besetzung von Führungs- und Spezialverwendungen geführt hat. Zwischen dem Zugang zu einer Laufbahn und dem tatsächlichen Erreichen einer Kommandofunktion liegen Ausbildung, Auswahlverfahren, Dienstzeit, Verwendungsplanung und die Zahl verfügbarer Dienstposten.
Besonders deutlich wird der Unterschied bei den großen Waffensystemen. Drei Kampfflugzeugpilotinnen bei mehr als 200 Jets, zwei Leopard-2-Kommandantinnen bei rund 300 Panzern dieses Typs und eine Fregattenkommandantin stehen einer stark männlich geprägten Personalstruktur gegenüber. Bei den U-Booten und im Bereich der Minenabwehr gibt es ebenfalls einzelne Frauen in Kommandofunktionen, während die Korvetten derzeit ausschließlich von Männern geführt werden.
Ausbildung als entscheidende Hürde
Die geringe Zahl bei den F-35-Pilotinnen verweist zugleich auf die lange Aufbauphase neuer Fähigkeiten: Die Ausbildung für ein neues Waffensystem beginnt mit einem kleinen Personalkörper und wird erst schrittweise ausgeweitet. Beim Kommando Spezialkräfte verschärft das körperlich anspruchsvolle Auswahlverfahren die Zugangshürde zusätzlich.
Personalbedarf erhöht den Druck
Für die Bundeswehr ist der Frauenanteil nicht nur eine Gleichstellungsfrage, sondern auch eine Frage der Personalgewinnung. Der angestrebte Aufwuchs vergrößert den Bedarf an geeigneten Bewerbern und Bewerberinnen. Weibliche Vorbilder können die Attraktivität militärischer Laufbahnen erhöhen, ersetzen aber weder langfristige Ausbildungskapazitäten noch verlässliche Karrierewege. Für die Öffentlichkeit sind die Zahlen deshalb ein Gradmesser dafür, wie weit die Integration in den operativen Kern der Streitkräfte tatsächlich reicht.
