Bundeswehr startet Hotline HELP fĂŒr Opfer sexuellen Fehlverhaltens
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 16:18 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSSoldaten erhalten Hilfe auĂerhalb der Befehlskette
- Generalinspekteur Carsten Breuer ordnete Ende Oktober die Einrichtung der Hotline HELP an.
- Die AbkĂŒrzung steht fĂŒr Hilfestellung, Erstberatung, Lotsenfunktion und PrĂ€ventionsunterstĂŒtzung.
- HELP soll seit dem 1. November rund um die Uhr erreichbar sein.
- 2023 wurden 402 Meldungen registriert, 2025 waren es 469.
Bundeswehr startet Hotline fĂŒr Betroffene und Zeugen
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat eine telefonische Hilfs-Hotline fĂŒr Soldaten eingerichtet, die Opfer oder Zeuge von sexualisiertem Fehlverhalten in der Truppe geworden sind. Die Hotline mit dem Namen HELP soll seit dem 1. November rund um die Uhr erreichbar sein.
UnabhĂ€ngige Beratung auĂerhalb der Hierarchie
Generalinspekteur Carsten Breuer ordnete die Einrichtung Ende Oktober an. HELP steht fĂŒr Hilfestellung, Erstberatung, Lotsenfunktion und PrĂ€ventionsunterstĂŒtzung.
Betroffene und Zeugen können sich an eine unabhĂ€ngige Stelle wenden, statt zunĂ€chst einen Vorgesetzten einzuschalten. Geschultes Personal soll frĂŒhzeitig und diskret UnterstĂŒtzung leisten und ĂŒber mögliche weitere Verfahrensschritte informieren.
Meldungen nehmen zu
Nach Angaben der dts-Meldung wurden 2023 insgesamt 402 FĂ€lle sexualisierten Fehlverhaltens gemeldet. 2025 stieg die Zahl auf 469 Meldungen.
FĂŒr 2026 wird dem Bericht zufolge ein deutlich höherer Wert erwartet. Im Verteidigungsministerium sorgen zudem erste Zahlen aus einer sogenannten Dunkelfeldstudie fĂŒr Aufregung.
Dunkelfeldstudie bleibt geheim
Mehr als 70 Prozent der aktiven und ehemaligen Soldatinnen, die sich anonym an der Studie beteiligten, sollen von sexualisiertem Fehlverhalten wÀhrend ihrer Dienstzeit berichtet haben. Die Studie wird bislang geheim gehalten.
Die Hotline HELP soll eine LĂŒcke zwischen dem Erkennen eines Vorfalls und einer möglichen formellen Meldung schlieĂen. Entscheidend ist dabei, dass Betroffene und Zeugen nicht zwingend den unmittelbaren Dienstweg ĂŒber Vorgesetzte wĂ€hlen mĂŒssen, sondern zunĂ€chst auĂerhalb der eigenen Hierarchie Beratung erhalten.
Der Bedarf steht im Zusammenhang mit steigenden Meldungszahlen. Nach den Angaben der dts-Meldung wurden 2023 insgesamt 402 FĂ€lle registriert, 2025 waren es 469. Ein Anstieg kann auf mehr VorfĂ€lle, eine höhere Bereitschaft zur Meldung oder beides zurĂŒckgehen. Die Hotline ist deshalb nicht nur als Beratungsangebot, sondern auch als Zugang zu weiteren Verfahrensschritten angelegt.
UnabhÀngige Anlaufstelle und Aufarbeitung
Besondere Bedeutung hat das Angebot vor dem Hintergrund der laufenden Debatte ĂŒber Machtmissbrauch in militĂ€rischen Hierarchien. Aktuelle Ermittlungen gegen fĂŒnf Soldaten des SanitĂ€tsregiments 1 in WeiĂenfels betreffen VorwĂŒrfe sexualisierten Fehlverhaltens sowie mögliche VerstöĂe gegen das Arzneimittelgesetz; die Verfahren befinden sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch am Anfang.
FĂŒr die Bundeswehr hĂ€ngt die Wirkung der Hotline davon ab, ob sie bekannt ist, vertraulich arbeitet und Betroffene tatsĂ€chlich zu Schutz, Beratung und nachvollziehbaren Verfahren fĂŒhrt. Die angekĂŒndigten Ergebnisse einer geheim gehaltenen Dunkelfeldstudie könnten den politischen und organisatorischen Druck zusĂ€tzlich erhöhen, falls sie das AusmaĂ bislang nicht gemeldeter VorfĂ€lle bestĂ€tigen.
