Bundeswehr zieht letzte Soldaten aus Irak ab â Zusammenarbeit mit Peschmerga geplant
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 17:11 Uhr | dpa, AD HOC NEWS28 Soldatinnen und Soldaten des letzten Bundeswehr-Kontingents aus dem nordirakischen Erbil sind nach Deutschland zurĂŒckgekehrt.
PrÀsenz endet nach mehr als zehn Jahren
Bei einem feierlichen Appell am Fliegerhorst Wunstorf bei Hannover sagte Generalleutnant GĂŒnter Katz, mit der RĂŒckkehr ende nach mehr als einem Jahrzehnt die aktuelle deutsche PrĂ€senz in der Region Kurdistan-Irak.
Der Einsatz hatte 2015 mit dem Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat begonnen. SpĂ€ter unterstĂŒtzten Bundeswehrangehörige die Stabilisierung der Region, unter anderem durch die Beratung der Peschmerga, der StreitkrĂ€fte der autonomen Region Kurdistan.
Angriffe erschwerten den Abzug
Nach Angaben von StaatssekretÀr Nils Hilmer war die Sicherheitslage in den vergangenen Monaten angespannt. Seit MÀrz habe es verstÀrkt Angriffe in der gesamten Region gegeben, auch auf die Airbase, auf der die deutschen Soldatinnen und Soldaten weitgehend untergebracht waren.
Der Abzug sei deshalb wiederholt von PlanÀnderungen geprÀgt gewesen. Das deutsche Engagement im Nordirak endete in Absprache mit der irakischen Regierung zum 30. September.
Neue Zusammenarbeit geplant
Hilmer sagte, die irakische Regierung habe beschlossen, die Sicherheit des Landes wieder vollstĂ€ndig selbst zu ĂŒbernehmen. Die Bundesregierung respektiere diese Entscheidung, arbeite aber bereits an den Grundlagen fĂŒr eine kĂŒnftige Zusammenarbeit mit den irakischen Streit- und SicherheitskrĂ€ften, ausdrĂŒcklich auch mit den Peschmerga.
AuĂenminister Johann Wadephul hatte im Juli erklĂ€rt, Deutschland wolle grundsĂ€tzlich mit der Bundeswehr in Erbil engagiert bleiben. Er bezeichnete dies als auĂenpolitisch richtig und geboten.
Feldlager an Irak ĂŒbergeben
Seit 2015 beteiligt sich die Bundeswehr am internationalen Einsatz gegen den IS im Irak und in Syrien. Dazu gehörten BeitrĂ€ge zur US-gefĂŒhrten Anti-IS-Koalition Operation Inherent Resolve sowie zur StĂ€rkung des irakischen Sicherheitssektors im Rahmen der 2018 begonnenen Nato-Mission Irak.
Nach Angaben der Bundeswehr verlagerte sich der Schwerpunkt der Operation Inherent Resolve inzwischen vom Irak nach Syrien. Die deutschen Strukturen in Erbil wurden zurĂŒckgebaut und das multinationale Feldlager an irakische Sicherheitsorgane ĂŒbergeben.
Am Mittwoch war auch das US-MilitĂ€r vollstĂ€ndig aus dem Irak abgezogen. Damit endete eine Phase teils heftig umstrittener US-MilitĂ€reinsĂ€tze, die zunĂ€chst zum Sturz des frĂŒheren Machthabers Saddam Hussein und spĂ€ter zum Kampf gegen den IS gefĂŒhrt hatten.
Vom Anti-IS-Einsatz zur Eigenverantwortung
Der deutsche Einsatz begann 2015 als Teil der internationalen Antwort auf den Vormarsch des Islamischen Staates. MilitĂ€risch verlor die Organisation ihre groĂen Herrschaftsgebiete im Irak und in Syrien; einzelne Zellen sind jedoch weiterhin aktiv. Damit verschiebt sich die Aufgabe von der UnterstĂŒtzung einer internationalen MilitĂ€rmission hin zur StĂ€rkung irakischer Sicherheitsstrukturen.
Der Abzug des letzten deutschen Kontingents fĂ€llt in eine umfassendere Neuordnung. Mit dem Ende der US-MilitĂ€rprĂ€senz muss die irakische Regierung die Sicherheitsverantwortung stĂ€rker selbst tragen. Zugleich bleiben bewaffnete, teils eng mit Iran verbundene Milizen ein eigenstĂ€ndiger Machtfaktor. Die geplante Entwaffnung dieser Gruppen wurde verschoben, wodurch die staatliche Kontrolle ĂŒber Waffen und Sicherheitsentscheidungen politisch umkĂ€mpft bleibt.
Bedeutung fĂŒr die Kurdenregion
FĂŒr die autonome Region Kurdistan ist besonders die Zukunft der Peschmerga-UnterstĂŒtzung relevant. Die Bundeswehr hat sie beraten und ausgebildet; das Verteidigungsministerium stellt eine weitere Zusammenarbeit grundsĂ€tzlich in Aussicht. Praktisch wird entscheidend sein, ob diese Kooperation kĂŒnftig auĂerhalb einer groĂen internationalen MilitĂ€rprĂ€senz organisiert werden kann und welche Sicherheitsgarantien fĂŒr Erbil bestehen.
Die Angriffe der vergangenen Monate auf Einrichtungen in der Region zeigen, dass der Abzug nicht nur eine administrative Ăbergabe ist. FĂŒr Deutschland bedeutet er das Ende einer direkten militĂ€rischen PrĂ€senz vor Ort, nicht zwingend das Ende sicherheits- oder auĂenpolitischer Kontakte mit Irak und Kurdistan.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: âUS-Truppen ziehen ab - Im Irak beginnt eine neue Ăraâ (30.09.2026)
Der Bericht ordne den deutschen Abzug in das Ende der US-MilitĂ€rprĂ€senz im Irak ein und schreibe, das Feldlager in Erbil sei bereits gerĂ€umt. Anders als die dpa-Meldung richte er den Schwerpunkt auf die politischen Folgen fĂŒr die irakische Regierung, die Milizen und die Peschmerga sowie auf die weiterhin bestehende IS-Gefahr.
Tagesspiegel: âUS-MilitĂ€r in Nahost: USA ziehen letzte Soldaten aus Irak ab â Machtvakuum drohtâ (30.09.2026)
Der Artikel bestĂ€tige den zeitgleichen vollstĂ€ndigen Abzug der US-Truppen und hebe hervor, die irakische Regierung trage nun die Hauptverantwortung fĂŒr die Sicherheit. Er betone stĂ€rker als die dpa-Meldung die Risiken durch verbliebene IS-Strukturen, bewaffnete Milizen und die verschobene Entwaffnung, wĂ€hrend die kĂŒnftige deutsche Zusammenarbeit mit den Peschmerga offenbleibe.
Beide Berichte stellten den deutschen RĂŒckzug in einen gröĂeren Ăbergang von internationaler MilitĂ€rprĂ€senz zu stĂ€rkerer irakischer Eigenverantwortung. Unterschiede gebe es vor allem beim Schwerpunkt: WĂ€hrend die tagesschau die politische Neuordnung und die Lage der Kurdenregion hervorhebe, konzentriere sich der Tagesspiegel stĂ€rker auf Machtkonflikte und mögliche Sicherheitsrisiken.
