CDU-Kanzler Friedrich Merz: Ministerpräsidenten stärken ihm den Rücken vor Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 07:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Unionsfraktionschef Thorsten Frei hat Zweifeln an der Position der CDU-Ministerpräsidenten in der Debatte um Kanzler Friedrich Merz widersprochen und die gemeinsame Erklärung der Länderchefs als klare Unterstützung für den Regierungschef gewertet.
Frei verteidigt Erklärung der Ministerpräsidenten
Frei sagte am Mittwochabend in der ARD-Sendung "Maischberger", es sei "Haarspalterei", der Erklärung vorzuwerfen, Merz werde nicht namentlich erwähnt. Es gebe nur einen Bundeskanzler, und dieser sei mit der Formulierung in dem Schreiben eindeutig adressiert. Die acht CDU-Ministerpräsidenten hatten den Kanzler in einer abgestimmten Erklärung gestützt, ohne seinen Namen zu nennen.
In dem Text heißt es, die Menschen könnten darauf vertrauen, dass die Verantwortlichen ihre Probleme angingen. Die Ministerpräsidenten kündigen an, sie wollten und würden gemeinsam mit dem Bundeskanzler ihren Beitrag dazu leisten. Nach Informationen des Politikdienstes "Table.Briefings", die in Parteikreisen bestätigt wurden, war es der ausdrückliche Wunsch einzelner Länder, Merz' Namen nicht zu erwähnen.
Innerparteilicher Druck nach Wahldebakel in Sachsen-Anhalt
Hintergrund der Erklärung ist ein Wahldebakel der CDU in Sachsen-Anhalt, bei dem die AfD deutlich gewonnen hatte. Das schwache Abschneiden hatte Merz innerparteilich stark unter Druck gesetzt. Seit Tagen wird darüber spekuliert, ob er sich als Kanzler halten kann. Frei betonte, der Brief der Ministerpräsidenten sei nicht bestellt worden, sondern deren eigene Entscheidung.
Mit Blick auf die Lage der Union sprach Frei von einer "sehr schwierigen Phase". Auf die Frage, ob auch die Unionsfraktion Merz ausdrücklich Unterstützung signalisieren solle, sagte der Fraktionsvorsitzende, dies sei nicht notwendig. Er äußerte sich überzeugt, dass Merz auch im Fall eines sehr schlechten Ergebnisses der CDU bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern Bundeskanzler bleiben werde.
Merz sagt UN-Reise ab und konzentriert sich auf Berlin
Frei begrüßte zugleich die Entscheidung des Kanzlers, eine geplante Reise zu den Vereinten Nationen nach New York abzusagen. Es sei wichtig, dass Merz in der kommenden Woche komplett in Berlin sei, sagte er mit Blick auf die Sitzungswoche des Bundestags. Es werde außerdem eine wichtige Fraktionssitzung erwartet.
Inmitten der Debatte um seine politische Zukunft tritt Merz am Donnerstag im Wahlkampf für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus auf. Sein Auftritt in der CDU-Bundesgeschäftsstelle ist für 17.00 Uhr angesetzt. Bei einer Veranstaltung mit dem Berliner Spitzenkandidaten Stefan Evers werden vor allem Parteimitglieder erwartet; die Teilnahmeplätze waren nach CDU-Angaben kurz nach der Ankündigung ausgebucht.
Wahlen mit Signalwirkung in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
Die Wahlkampfbühne in Berlin steht unter dem Motto "Extremisten von der Macht fernhalten. Lösungen aus der Mitte". In der Hauptstadt wird an diesem Sonntag ebenso wie in Mecklenburg-Vorpommern ein neues Landesparlament gewählt. Jüngste Umfragen sehen in Berlin ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und der Linken um Platz eins.
In Mecklenburg-Vorpommern liegt die CDU in Umfragen deutlich zurück und kommt nur auf etwa sieben Prozent. Das Ergebnis dort dürfte für die bundespolitische Bewertung der Lage der Union von großer Bedeutung sein. Parteivertreter betonen zugleich, dass es bei den derzeitigen Herausforderungen vor allem um gemeinsame Verantwortung und Vertrauensgewinn gehe.
Kritik an Regierungsstreit und Ruf nach mehr Geschlossenheit
Der frühere Grünen-Chef Omid Nouripour mahnte die schwarz-rote Bundesregierung, interne Konflikte zu begrenzen und persönliche Streitigkeiten nicht öffentlich auszutragen. Die Regierung müsse sich "am Riemen reißen", sagte er mit Blick auf die Erfahrungen seiner Partei mit der gescheiterten Ampel-Koalition mit SPD und FDP.
Nouripour erklärte, das Land könne sich nicht leisten, dass keine Regierung mehr eine volle Legislaturperiode durchhalte. Die Koalitionspartner müssten aus den Fehlern früherer Bündnisse lernen und ihre Auseinandersetzungen so austragen, dass Handlungsfähigkeit und Vertrauen erhalten bleiben.
Wüst warnt vor Personaldebatten
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst äußerte sich im Regionalprogramm Sat.1 NRW zurückhaltend zu Personalfragen. Auf die Frage, ob Merz für ihn noch der richtige Kanzler sei und ob die jüngsten Umfragewerte für die CDU nicht ein Desaster seien, verwies Wüst auf die gemeinsame Verantwortung der Partei, um neues Vertrauen zu werben.
Diese Verantwortung müsse jeder an seiner Stelle wahrnehmen, sagte Wüst. Personaldebatten würden im Moment nicht weiterhelfen und seien nicht die schnelle Antwort, die alle Probleme löse. Damit unterstrich er den Kurs, vor den Wahlen Geschlossenheit zu zeigen und die inhaltliche Arbeit in den Vordergrund zu stellen.
CDU in der Defensive nach Wahlschlappe
Die deutliche Niederlage der CDU in Sachsen-Anhalt mit einem klaren Sieg der AfD hat die Christdemokraten in eine defensive Lage gebracht. Innerhalb weniger Tage hat sich die Frage nach der Zukunft von Kanzler Friedrich Merz zu einem zentralen Thema der Bundespolitik entwickelt. Die Partei steht vor der Herausforderung, einerseits Geschlossenheit zu demonstrieren und andererseits auf sichtbar schwindendes Vertrauen bei Teilen der Wählerschaft zu reagieren. Die Erklärung der acht CDU-Ministerpräsidenten ist vor diesem Hintergrund ein Signal der Unterstützung, das jedoch bewusst nüchtern gehalten bleibt.
Bundespolitische Bedeutung der Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
Die anstehenden Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wirken über die Landesgrenzen hinaus. In Berlin entscheidet sich, ob die CDU nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Linken stärkste Kraft werden kann. Ein gutes Ergebnis würde Merz im Kanzleramt politisch stärken und innerparteiliche Diskussionen zumindest vorübergehend dämpfen. In Mecklenburg-Vorpommern drohen der CDU hingegen sehr schwache Werte. Bleiben die dortigen Prognosen mit nur wenigen Prozentpunkten für die Partei Realität, könnte dies die Debatte über Kurs und Führung der Union erneut anheizen, auch wenn führende CDU-Vertreter betonen, Personalfragen seien derzeit nicht zielführend.
Spannungsfeld zwischen Geschlossenheit und Kursdebatte
Die jüngsten Stellungnahmen aus der CDU zeigen ein Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Geschlossenheit und der Notwendigkeit, strategische Fragen offen zu diskutieren. Unionsfraktionschef Thorsten Frei stellt sich klar hinter Merz und betont, eine ausdrückliche Unterstützungsbekundung der Fraktion sei nicht nötig. Gleichzeitig unterstreicht NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, dass die Verantwortung für Vertrauen in die Politik gemeinschaftlich getragen werde und Personaldebatten allein keine Probleme lösten. Für Leserinnen und Leser wird damit deutlich, dass die kommenden Wahlergebnisse über die Zukunft des Regierungschefs hinaus zu einem Prüfstein für die strategische Ausrichtung der CDU insgesamt werden könnten.
