CDU Merz Krise, Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern

CDU Landtagswahlen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin: Geschlossenheits-Appell an Kanzler Merz vor entscheidendem Stimmungstest

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 13:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin werben führende Unionspolitiker für Geschlossenheit und einen fortgesetzten Reformkurs unter Kanzler Friedrich Merz. Die Abstimmungen gelten als entscheidender Stimmungstest für die CDU nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt.

  • In Berlin wird am Sonntag das Abgeordnetenhaus gewählt. (Archivbild) - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa
    In Berlin wird am Sonntag das Abgeordnetenhaus gewählt. (Archivbild) - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa
  • Kanzler und CDU-Chef Merz trat im Wahlkampf lieber in der Parteizentrale als in der Öffentlichkeit auf. - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Kanzler und CDU-Chef Merz trat im Wahlkampf lieber in der Parteizentrale als in der Öffentlichkeit auf. - Bild: Michael Kappeler/dpa
In Berlin wird am Sonntag das Abgeordnetenhaus gewählt. (Archivbild) - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa Kanzler und CDU-Chef Merz trat im Wahlkampf lieber in der Parteizentrale als in der Öffentlichkeit auf. - Bild: Michael Kappeler/dpa

Vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben führende Unionspolitiker die CDU zu Geschlossenheit und die schwarz-rote Koalition zum Festhalten am eingeschlagenen Reformkurs aufgerufen.

Appelle aus der Bundesregierung und der Partei

Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) betonte, es sei gerade jetzt wichtig, dass die Regierung stabil bleibe und Reformen vorantreibe. Friedrich Merz stehe als Kanzler entschlossen für diesen Kurs, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Linnemann, der bis zum Sommer CDU-Generalsekretär war, verwies dabei auf die Bedeutung eines starken Sozialsystems und einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft.

Der frühere CDU-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Armin Laschet hob die internationale Dimension hervor. Es gehe um die Unterstützung der Ukraine, den wirtschaftlichen Druck aus China und die europäische Finanzplanung für die kommenden sechs Jahre, bei der der Bundeskanzler eine zentrale Rolle als Chefverhandler spiele. Ein Kanzlerwechsel „aus dem Nichts“ wäre in dieser Lage aus seiner Sicht extrem schädlich, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Spannende Ausgangslage in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin

Am Sonntag werden in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin neue Landesparlamente gewählt. Nach Umfragen wird in beiden Ländern ein sehr knappes Ergebnis erwartet. In Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und der AfD ab. Die CDU liegt dort mit nur noch sechs Prozent gefährlich nahe an der Fünf-Prozent-Hürde.

In Berlin sieht eine ZDF-Erhebung die Linke mit 22 Prozent knapp vor der regierenden CDU, die auf 20 Prozent kommt. Dahinter folgen AfD mit 18 Prozent, Grüne mit 15 Prozent und SPD mit 12 Prozent. Damit sind in beiden Ländern mehrere Koalitionsvarianten denkbar, während die CDU sowohl um ihre Rolle im Parteiensystem als auch um ihre Regierungsverantwortung in der Hauptstadt bangen muss.

Druck auf Merz nach CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt

Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz hatte sich im Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin weitgehend zurückgehalten und Auftritte in der breiten Öffentlichkeit gemieden. Der Parteivorsitzende steht seit dem 17,2-Prozent-Debakel der CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen massiv unter Druck. Seine Beliebtheits- und Kompetenzwerte gelten als niedrig.

Zuletzt sprangen ihm die acht CDU-Ministerpräsidenten mit einer gemeinsamen Erklärung bei. Offen bleibt jedoch, wie lange diese Solidarität trägt, falls die CDU an diesem Sonntag erneut schwere Verluste erleidet. Im extremen Szenario würde die Partei in Schwerin den Wiedereinzug in den Landtag verfehlen und in Berlin die Regierungsverantwortung verlieren.

Debatte über Kanzlerwechsel und Alternativen

Merz hat für den Wahlabend das CDU-Präsidium in Berlin einberufen. Präsidiumsmitglied Mathias Middelberg wies Spekulationen über einen möglichen Kanzlertausch nach den Wahlen zurück. Die Bundespolitik und das Ansehen des Kanzlers spielten bei den schlechten Landtagswahlergebnissen zwar eine Rolle, ein reiner Personalwechsel sei aber keine Lösung, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Middelberg verwies darauf, dass jeder andere geeignete Bewerber, und er nannte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst als Beispiel, vor denselben strukturellen Problemen stehen würde und ebenso an die bestehende Koalition gebunden wäre wie Merz. Damit stellt er die Debatte eher als eine Frage des politischen Kurses denn als reine Personalfrage dar.

Wirtschaft fordert Verlässlichkeit beim Reformkurs

Auch die Wirtschaft verfolgt den Wahlsonntag aufmerksam. SAP-Chef Christian Klein sagte der Deutschen Presse-Agentur, er glaube nicht, dass Probleme in der Koalition durch Veränderungen an der Spitze verschwinden würden. Merz befinde sich zwar in keiner einfachen Lage, bei ihm erkenne er aber die Einsicht und Klarheit zu handeln.

Viele Reformen seien überfällig und schwer zu vermitteln, betonte Klein. Dennoch müsse die Koalition es schaffen, Bevölkerung und Unternehmen mitzunehmen. Sollten die angestoßenen Reformen nun erneut infrage gestellt werden, drohe der Bundesregierung insgesamt ein Glaubwürdigkeitsproblem. Vor diesem Hintergrund sehen politische Beobachter den Wahlabend auch als Test für die Stabilität des Regierungsbündnisses und die Durchsetzungsfähigkeit seines Kanzlers.

Schlüsselwahlen mit Signalwirkung für Kanzler Merz

Die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gelten als wichtiger Stimmungstest für Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz. Beide Urnengänge fallen in eine Phase, in der die CDU nach dem Debakel in Sachsen-Anhalt und schwachen bundesweiten Umfragewerten um ihre Rolle im Parteiensystem ringt. Zugleich steht der Reformkurs der schwarz-roten Koalition im Bund im Zentrum der innenpolitischen Debatte, etwa bei Sozialstaat, Standortpolitik und Haushaltsfragen.

Verschärfter Wettbewerb mit AfD und Linker

In Mecklenburg-Vorpommern ist die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig laut aktueller Umfrage wieder knapp vor der AfD, während die CDU an der Fünf-Prozent-Grenze kratzt und um den Einzug in den Landtag kämpfen muss. In Berlin liegt die Linkspartei mit Spitzenkandidatin Elif Eralp in Erhebungen knapp vor der regierenden CDU von Stefan Evers, während AfD und BSW zusätzlich Druck auf das etablierte Parteiensystem ausüben. Damit verdichten sich in beiden Ländern Trends einer fragmentierten Parteienlandschaft und eines schwierigen Umfelds für die CDU.

Innerparteiliche Debatte und wirtschaftspolitische Dimension

Für Merz geht es neben der Kanzlerfrage um die Autorität innerhalb der Union: Ministerpräsidenten und führende CDU-Politiker plädieren öffentlich für Geschlossenheit, zugleich laufen Diskussionen über mögliche Alternativen im Hintergrund. Ein weiterer Wahlabend mit Verlusten könnte Forderungen nach personellen und strategischen Konsequenzen verstärken. Die Wirtschaft verfolgt die Abstimmungen aufmerksam, weil zentrale Reformprojekte zu Digitalisierung, Fachkräftesicherung und Haushaltskonsolidierung von einer stabilen Regierungsführung abhängen. Für Bürgerinnen und Bürger steht damit nicht nur die Zusammensetzung zweier Landtage, sondern auch die Frage im Raum, wie verlässlich die Bundespolitik ihren derzeitigen Kurs hält.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

fr.de: „Letzte Umfrage zur Wahl in Mecklenburg-Vorpommern: SPD vor AfD – CDU steht am Abgrund“ (17.09.2026)

Der Bericht hebt hervor, die SPD liege in der letzten ZDF-Umfrage knapp vor der AfD, während die CDU mit sechs Prozent nahe an der Fünf-Prozent-Hürde und hinter der Linken gesehen werde. Die Analyse stelle heraus, dass die bisherige Koalition aus SPD und Linken keine sichere Mehrheit habe und betone, wie offen der Wahlausgang bleibe, da viele Wahlberechtigte noch unentschlossen seien. Die Lage der CDU werde als besonders kritisch beschrieben und als weiterer Test für die Zukunft von Kanzler Merz eingeordnet.

fr.de: „Letzte ZDF-Umfrage vor Wahl in Berlin: Die Linke liegt knapp vor CDU“ (17.09.2026)

Nach Darstellung des Artikels führe die Linke mit Elif Eralp in einer aktuellen ZDF-Erhebung knapp vor der regierenden CDU mit Spitzenkandidat Stefan Evers. Der Bericht ordne die Zahlen als Momentaufnahme ein, verweise auf die hohe Zahl sicherer und unsicherer Wählerinnen und Wähler und skizziere mehrere mögliche Dreierkoalitionen unter Führung von Linker oder CDU. Die bisherige CDU-SPD-Koalition in Berlin werde als Ausgangspunkt beschrieben, deren Fortbestand jedoch als keineswegs garantiert dargestellt.

Medienübergreifend werde betont, dass beide Wahlen von ungewöhnlicher Unsicherheit geprägt seien und für die CDU ein hohes Risiko bergen. Während die Berichte die geschwächte Ausgangslage der Partei in Mecklenburg-Vorpommern in den Mittelpunkt stellen, werde in Berlin vor allem das knappe Rennen zwischen Linker und CDU sowie die komplizierte Koalitionsbildung hervorgehoben.

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