CDU Sachsen-Anhalt streitet ĂŒber ErklĂ€rung nach AfD-Wahl
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 15:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDezemberwahl stellt CDU vor neue Probe
- Tobias Rausch erhielt Anfang Oktober mehr Stimmen, als die AfD Abgeordnete im Landtag hat.
- Die CDU-Fraktion verwarf den Vorschlag fĂŒr eine ErklĂ€rung nach einer internen Diskussion.
- Ulrich Siegmund benötigt in den ersten beiden WahlgĂ€ngen mindestens drei Stimmen auĂerhalb der AfD.
CDU-Fraktion streitet ĂŒber ErklĂ€rung nach AfD-Wahl
In der CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt sorgt eine geplante eidesstattliche Versicherung fĂŒr Streit. Abgeordnete sollten darin erklĂ€ren, weder Tobias Rausch zum LandtagsprĂ€sidenten noch Hans-Thomas Tillschneider zum VizeprĂ€sidenten gewĂ€hlt zu haben.
Vorschlag aus der Fraktion
Mehrere CDU-Parlamentarier bestĂ€tigten der Deutschen Presse-Agentur, dass ihnen das Dokument vorgelegt worden sei. Zuvor hatte das Nachrichtenportal âNiusâ darĂŒber berichtet.
Rausch und Tillschneider waren Anfang Oktober mit mehr Stimmen gewĂ€hlt worden, als die AfD Sitze im neuen Landtag von Sachsen-Anhalt hat. Seitdem wird darĂŒber diskutiert, ob Stimmen aus der CDU gekommen sein könnten. Die Fraktion hat dies stets zurĂŒckgewiesen.
Schulze weist Verantwortung zurĂŒck
CDU-Fraktions- und Parteichef Sven Schulze erklĂ€rte, weder er noch der geschĂ€ftsfĂŒhrende Fraktionsvorstand hĂ€tten die ErklĂ€rung vorgelegt. Der Vorschlag sei aus der Fraktion heraus in die Sitzung eingebracht, diskutiert und verworfen worden.
Der frĂŒhere CDU-Landtagsabgeordnete Alexander RĂ€uscher forderte Schulzes RĂŒcktritt, falls dieser die ErklĂ€rung vorgelegt habe. Auch die neu in den Landtag eingezogene BSW-Fraktion verlangt, dass Schulze seine Ămter niederlegt.
AfD plant MinisterprÀsidentenwahl
Bei der Landtagswahl im September verlor die CDU deutlich, wÀhrend die AfD 43,8 Prozent erreichte. Mit 39 Abgeordneten verfehlt sie jedoch die absolute Mehrheit von 42 Stimmen.
Die AfD will im Dezember ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zum MinisterprĂ€sidenten wĂ€hlen lassen. Die CDU-Fraktion hatte angekĂŒndigt, in den ersten beiden WahlgĂ€ngen den Saal zu verlassen. Der CDU-Abgeordnete Guido Heuer will dagegen an der Wahl teilnehmen. Auch der frĂŒhere Innenminister Holger Stahlknecht kritisierte den angekĂŒndigten RĂŒckzug aus dem Plenum.
Der Streit berĂŒhrt zwei Ebenen: die geheime, freie Abstimmung der Abgeordneten und die politische Verantwortung einer Fraktion, wenn ein AfD-Kandidat mit Stimmen ĂŒber die StĂ€rke seiner eigenen Fraktion hinaus gewĂ€hlt wird. Die CDU-Fraktion weist weiterhin zurĂŒck, dass eigene Abgeordnete Tobias Rausch oder Hans-Thomas Tillschneider unterstĂŒtzt hĂ€tten. Zugleich zeigt der Vorgang, wie stark die Frage nach dem Umgang mit der AfD die neue Landespolitik prĂ€gt.
Die Wahl Rauschs zum LandtagsprĂ€sidenten und Tillschneiders zum VizeprĂ€sidenten hatte Anfang Oktober besondere Bedeutung, weil Rausch damit der erste AfD-LandtagsprĂ€sident in Deutschland ist. FĂŒr die CDU verschĂ€rft sich der Konflikt zusĂ€tzlich durch die bevorstehende MinisterprĂ€sidentenwahl: Die AfD verfĂŒgt ĂŒber 39 Sitze und verfehlt damit die absolute Mehrheit von 42 Stimmen in den ersten beiden WahlgĂ€ngen.
Belastungsprobe vor der MinisterprÀsidentenwahl
Die angekĂŒndigte Abwesenheit der CDU bei den ersten beiden WahlgĂ€ngen soll eine direkte UnterstĂŒtzung des AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund vermeiden. Dass Guido Heuer im Plenum bleiben will, macht zugleich sichtbar, dass diese Linie innerhalb der Partei nicht geschlossen getragen wird. FĂŒr die CDU geht es damit nicht nur um die Aufarbeitung eines einzelnen Fraktionsvorschlags, sondern auch um ihre HandlungsfĂ€higkeit und ihr VerhĂ€ltnis zur AfD.
RĂŒcktrittsforderungen aus dem BSW und von frĂŒheren CDU-Politikern erhöhen den Druck auf Sven Schulze. Politisch offen bleibt, ob die Debatte die CDU-Fraktion vor der Wahl des MinisterprĂ€sidenten weiter spaltet und ob Siegmund Stimmen auĂerhalb der AfD gewinnen kann.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Beitrag bestÀtigt den vorgelegten Entwurf und stellt stÀrker die innerparteiliche Machtfrage in den Mittelpunkt. ZusÀtzlich beleuchtet er den politischen Druck auf Sven Schulze und die rechtliche Bewertung des Dokuments.
taz: âUmgang mit der AfD in Sachsen-Anhalt: CDU streitet um eidesstattliche Versicherungâ (28.10.2026)
Die taz bestĂ€tigt den Vorgang und konzentriert sich auf die RĂŒcktrittsforderungen gegen Schulze. Anders als die Frankfurter Rundschau stellt sie die politischen Folgen fĂŒr den Umgang mit der AfD und die innerparteiliche Demokratie in den Vordergrund.
Beide BeitrĂ€ge stimmen beim Kern des Fraktionsstreits und bei der ZurĂŒckweisung der Verantwortung durch Schulze ĂŒberein. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: WĂ€hrend die Frankfurter Rundschau zusĂ€tzlich die rechtliche Einordnung hervorhebt, betont die taz die politischen Konsequenzen und die Forderungen nach einem personellen Neuanfang.
