CDU Sachsen-Anhalt, AfD-MinisterprÀsidentenwahl

CDU verlÀsst Magdeburger Landtag bei AfD-MinisterprÀsidentenwahl

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 19:06 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt will bei einer Wahl des AfD-Kandidaten zum MinisterprĂ€sidenten geschlossen den Plenarsaal verlassen. GrĂŒnen-Politikerin Irene Mihalic wertet den Schritt als falsches Signal im Umgang mit der AfD.

GrĂŒne kritisieren CDU-Plan fĂŒr Auszug aus Magdeburger Landtag
Irene Mihalic (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

CDU-Fraktion plant Auszug vor AfD-Wahl

  • Die CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt nahm am Dienstag den Vorschlag fĂŒr einen geschlossenen Auszug aus dem Plenarsaal an.
  • Der Schritt soll bei der Wahl eines AfD-Kandidaten zum MinisterprĂ€sidenten erfolgen.
  • Hintergrund sind vier zusĂ€tzliche Stimmen fĂŒr Tobias Rausch bei dessen Wahl zum LandtagsprĂ€sidenten.

Die GrĂŒnen werfen der CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt vor, mit dem geplanten Auszug vor der AfD einzuknicken. ParlamentsgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Irene Mihalic sagte der „Rheinischen Post“, dies komme einer Kapitulation vor der AfD gleich.

Mihalic forderte die CDU auf, bei der Wahl im Plenarsaal zu bleiben. Das Parlament eigenstÀndig zu rÀumen, sende in der Auseinandersetzung mit Verfassungsfeinden ein schlimmes Signal, sagte sie.

Mihalic fordert ErklÀrung von Merz

Die GrĂŒnen-Politikerin verlangte zudem, CDU-Chef Friedrich Merz mĂŒsse klarstellen, dass ein solcher Schritt nicht der Haltung einer demokratischen Partei entsprechen könne, die sich in der Mitte des Parlaments sehe.

Dem sachsen-anhaltischen CDU-Fraktionschef Sven Schulze warf Mihalic vor, seine Fraktion nicht zu kontrollieren. Aus Angst vor Abweichlern sehe er den Auszug offenbar als einzigen Ausweg.

Fraktion stimmt Vorschlag fĂŒr Wahl zu

Die CDU-Fraktion hatte zuvor angekĂŒndigt, bei der Wahl eines AfD-Kandidaten zum MinisterprĂ€sidenten geschlossen den Plenarsaal zu verlassen. Einen entsprechenden Vorschlag des geschĂ€ftsfĂŒhrenden Fraktionsvorstands nahm die Fraktion am Dienstag an.

Der Plan folgt auf Spekulationen ĂŒber das Abstimmungsverhalten bei der Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum LandtagsprĂ€sidenten und von Hans-Thomas Tillschneider zu dessen Stellvertreter. Rausch konnte mit den 44 Stimmen von AfD und BSW rechnen, erhielt aber vier Stimmen mehr aus anderen Fraktionen.

Differenz bei den Enthaltungen

Die CDU-Fraktion hatte sich bei der konstituierenden Sitzung eigentlich geschlossen enthalten wollen. Acht CDU-Abgeordnete erklĂ€rten laut „taz“ im Nachgang, sie hĂ€tten dies getan.

TatsĂ€chlich wurden bei der Wahl jedoch nur fĂŒnf Enthaltungen gezĂ€hlt. Die Differenz nĂ€hrte Spekulationen darĂŒber, ob CDU-Abgeordnete Rausch oder Tillschneider unterstĂŒtzt haben könnten.

Der Streit dreht sich um den Umgang der CDU mit einer möglichen Wahl des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zum MinisterprĂ€sidenten von Sachsen-Anhalt. Die CDU-Fraktion verfĂŒgt im Landtag ĂŒber 15 Abgeordnete und will durch den gemeinsamen Auszug verhindern, dass einzelne Mitglieder in einer geheimen Abstimmung fĂŒr Siegmund stimmen oder anschließend unter entsprechenden Verdacht geraten.

Auslöser war die Wahl des LandtagsprÀsidiums

Hintergrund ist die konstituierende Sitzung des Landtags. Tobias Rausch wurde dort mit 48 Stimmen zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt, obwohl AfD und BSW zusammen ĂŒber 44 Mandate verfĂŒgen. Bei der Wahl des AfD-Abgeordneten Hans-Thomas Tillschneider zum VizeprĂ€sidenten gab es ebenfalls mehr Stimmen, als AfD und BSW allein sicher beisteuern konnten.

Die CDU hatte fĂŒr die Wahl des PrĂ€sidiums eine geschlossene Enthaltung angekĂŒndigt. Nach Angaben der dts-Meldung erklĂ€rten acht CDU-Abgeordnete spĂ€ter, sie hĂ€tten sich enthalten; tatsĂ€chlich wurden jedoch nur fĂŒnf Enthaltungen gezĂ€hlt. Aus dieser Differenz entstand der Verdacht, dass einzelne Abgeordnete ihre Stimme anders abgegeben haben könnten.

Signalwirkung ĂŒber Sachsen-Anhalt hinaus

Der geplante Auszug verschĂ€rft damit eine grundsĂ€tzliche Debatte ĂŒber die sogenannte Brandmauer zur AfD. BefĂŒrworter können ihn als technische Absicherung gegen eine geheime Zustimmung verstehen; Kritiker sehen darin einen RĂŒckzug aus der parlamentarischen Verantwortung. FĂŒr die CDU auf Bundesebene erhöht der Vorgang den Druck, ein einheitliches Verfahren im Umgang mit AfD-Kandidaturen zu erklĂ€ren.

FĂŒr die MinisterprĂ€sidentenwahl im Dezember bleibt entscheidend, ob Siegmund im ersten Wahlgang die erforderliche Mehrheit erreicht. Der CDU-Schritt soll die Stimmen ihrer Fraktion aus dem Verfahren herausnehmen, verhindert aber nicht grundsĂ€tzlich, dass andere Abgeordnete fĂŒr den AfD-Kandidaten stimmen. Zugleich dĂŒrfte die Entscheidung das VerhĂ€ltnis zwischen CDU, SPD und den ĂŒbrigen Fraktionen im Magdeburger Landtag weiter belasten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDFheute: „Sachsen-Anhalt: CDU könnte Saal bei Siegmund-Wahl verlassen“ (13.10.2026)

Der Beitrag bestĂ€tigt den geplanten Auszug der CDU vor der MinisterprĂ€sidentenwahl und ordnet ihn als Reaktion auf den Verdacht geheimer CDU-Stimmen fĂŒr die AfD ein. Im Mittelpunkt stehen zusĂ€tzlich die nötige Mehrheit von 42 Stimmen und die Frage, ob Siegmund im ersten Wahlgang genĂŒgend UnterstĂŒtzung erhĂ€lt.

Deutschlandfunk: „Sachsen-Anhalt VerlĂ€sst die CDU bei der MinisterprĂ€sidentenwahl den Saal?“ (13.10.2026)

Deutschlandfunk berichtet ebenfalls ĂŒber den Vorschlag, die 15 CDU-Abgeordneten geschlossen aus dem Saal zu fĂŒhren. Der Schwerpunkt liegt auf dem Ziel, den Verdacht möglicher CDU-Stimmen fĂŒr Siegmund oder andere AfD-Kandidaten bei einer geheimen Wahl auszurĂ€umen; offen bleibt der endgĂŒltige Fraktionsbeschluss.

Einigkeit besteht ĂŒber den Zusammenhang mit der Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum LandtagsprĂ€sidenten und den zusĂ€tzlichen Stimmen außerhalb von AfD und BSW. Unterschiedlich gewichten die BeitrĂ€ge die innerparteiliche Absicherung und die rechnerischen Voraussetzungen fĂŒr Siegmunds mögliche Wahl.

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