Chemie-Nobelpreis 2026, Henri Kagan

Chemie-Nobelpreis 2026 geht an Henri Kagan und Kenso Soai

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 11:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Chemie-Nobelpreis geht an den Franzosen Henri Kagan und den Japaner Kenso Soai. Ausgezeichnet werden ihre Beiträge zum Verständnis nichtlinearer Effekte und der Autokatalyse in der asymmetrischen organischen Synthese – Grundlagen für die Entwicklung von Arzneimitteln.

Die Rückseite der Nobel-Medaille für Chemie stellt die Natur in Form einer Göttin dar, die aus den Wolken auftaucht. (Illustration) - Bild: Stefanie Loos/AP-Pool/dpa
Die Rückseite der Nobel-Medaille für Chemie stellt die Natur in Form einer Göttin dar, die aus den Wolken auftaucht. (Illustration) - Bild: Stefanie Loos/AP-Pool/dpa

Der Chemie-Nobelpreis geht in diesem Jahr an den Franzosen Henri Kagan und den Japaner Kenso Soai für die Entdeckung nichtlinearer Effekte und der Autokatalyse in der asymmetrischen organischen Synthese.

Grundlagen für neue Arzneimittel

Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften teilte die Entscheidung in Stockholm mit. Kagan von der Université Paris-Sud und Soai von der Tokyo University of Science werden für Arbeiten geehrt, die für Chemiker bei der Entwicklung von Grundlagen zur Herstellung von Arzneimitteln von Bedeutung sind.

Einige Moleküle, darunter Aminosäuren, existieren in zwei Varianten, die jeweils das Spiegelbild der anderen sind. Lebende Organismen enthalten jedoch häufig nur eine dieser Formen. Wie solche chemische Asymmetrie entstehen kann, war lange ein ungelöstes Problem.

Preisgeld auf zwölf Millionen Kronen erhöht

Die Auszeichnung ist in diesem Jahr mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet rund einer Million Euro. Die Nobelstiftung hatte das Preisgeld anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Nobelpreise um eine Million Kronen angehoben.

Nach Angaben der Stiftung werden die Namen der Nobelpreisträger in den Kategorien Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften erstmals von einer Frau verkündet. Die gebürtige Belgierin Ellen Moons trat zum Jahresbeginn 2026 als Generalsekretärin der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften an. Sie ist die erste Frau in diesem Amt seit der Gründung der Akademie im Jahr 1739.

Auszeichnung folgt auf Medizin- und Physikpreis

Im vergangenen Jahr war der Chemie-Nobelpreis an Susumu Kitagawa, Richard Robson und Omar Yaghi für die Entwicklung metallorganischer Gerüstverbindungen gegangen. Diese Strukturen können unter anderem Wasser aus Wüstenluft gewinnen, Kohlendioxid abscheiden, giftige Gase speichern und chemische Reaktionen katalysieren.

Seit 1901 wurde der Chemie-Nobelpreis an 198 verschiedene Forscher vergeben; zwei Preisträger erhielten ihn zweimal. Bislang wurden acht Frauen ausgezeichnet, darunter Marie Curie sowie Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna.

Weitere Nobelpreise folgen

Die Nobelpreiswoche hatte am Montag mit der Medizin-Auszeichnung für Peter Hegemann, Georg Nagel und Karl Deisseroth begonnen. Am Dienstag ging der Physik-Nobelpreis an den belgisch-amerikanischen Forscher Francis Halzen für seine Beiträge zum Neutrino-Observatorium IceCube in der Antarktis.

Am Donnerstag und Freitag folgen die Bekanntgaben der Nobelpreise für Literatur und Frieden. Die Reihe endet am kommenden Montag mit dem von der schwedischen Reichsbank gestifteten Preis für Wirtschaftswissenschaften. Die feierliche Verleihung findet traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, statt.

Grundlagenforschung mit Arzneimittelbezug

Die ausgezeichnete Arbeit betrifft ein Kernproblem der organischen Chemie: Viele Moleküle treten in zwei spiegelbildlichen Formen auf, die sich chemisch ähnlich verhalten, biologisch aber sehr unterschiedlich wirken können. Bei Arzneimitteln ist deshalb entscheidend, möglichst gezielt nur die benötigte Variante herzustellen.

Henri Kagan und Kenso Soai stehen für zwei wichtige Schritte auf diesem Weg. Kagan trug dazu bei, asymmetrische Synthesen mit geeigneten Katalysatoren gezielt in eine Richtung zu lenken. Soais Arbeiten zur Autokatalyse zeigten, wie Reaktionsprodukte den weiteren Reaktionsverlauf beeinflussen und dadurch eine zunächst geringe chemische Asymmetrie verstärken können.

Bedeutung für die Wirkstoffentwicklung

Solche Verfahren schaffen keine fertigen Medikamente, liefern aber ein wichtiges Werkzeug für deren Entwicklung. Eine kontrollierte Herstellung bestimmter Molekülvarianten kann Wirkstoffe präziser machen und die aufwendige Trennung unerwünschter Varianten verringern. Das ist besonders relevant für die pharmazeutische Forschung, in der kleine Strukturunterschiede über Wirkung und Nebenwirkungen entscheiden können.

Nobelpreiswoche mit breitem Forschungsspektrum

Die Chemie-Auszeichnung folgt in diesem Nobelpreisjahr auf die Würdigung optogenetischer Forschung in der Medizin und der Neutrino-Forschung in der Physik. Damit rückt die Preiswoche nacheinander biologische Steuerung, kosmische Teilchen und molekulare Selbstverstärkung in den Mittelpunkt. Die feierliche Verleihung ist traditionell für den 10. Dezember vorgesehen.

Disclaimer...

de | politik | 70254678 |