Copernicus, 1,5-Grad-Ziel

Copernicus: 2026 überschreitet fast sicher 1,5-Grad-Marke

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 10:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der EU-Klimawandeldienst erwartet für 2026 das zweite Kalenderjahr mit mehr als 1,5 Grad Erwärmung seit vorindustrieller Zeit. Ein besonders warmer Oktober und ein starker El Niño prägen die aktuelle Entwicklung.

Copernicus erwartet zweiten Überschreitungsfall

  • Copernicus rechnet 2026 mit dem zweitwärmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.
  • Für 2026 besteht eine 20-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass der Rekord von 2024 übertroffen wird.
  • Der Zeitraum 2023 bis 2026 dürfte im Vier-Jahres-Durchschnitt über 1,5 Grad liegen.
  • 2026 war ein Jahr der Klima-Extreme: Auch Deutschland hatte mit Hitze, Dürre und Waldbränden zu kämpfen. - Bild: Andreas Arnold/dpa
  • In diesem Jahr litt Deutschland an vielen Orten unter Dürre. - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
  • In Nepal richteten Sturzfluten große Zerstörung an. - Bild: Rajesh Kumar Singh/AP/dpa
  • Ein Außenthermometer vor einem wolkenlosen blauen Himmel - Bild: Jens Büttner/dpa
2026 war ein Jahr der Klima-Extreme: Auch Deutschland hatte mit Hitze, Dürre und Waldbränden zu kämpfen.  - Bild: Andreas Arnold/dpa In diesem Jahr litt Deutschland an vielen Orten unter Dürre.  - Bild: Julian Stratenschulte/dpa In Nepal richteten Sturzfluten große Zerstörung an.  - Bild: Rajesh Kumar Singh/AP/dpa Ein Außenthermometer vor einem wolkenlosen blauen Himmel - Bild: Jens Büttner/dpa

Copernicus erwartet Überschreitung im Jahr 2026

Das Jahr 2026 wird nach Angaben des EU-Klimawandeldienstes Copernicus fast sicher die Marke von 1,5 Grad globaler Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit überschreiten. Es wäre nach 2024 das zweite Kalenderjahr mit diesem Wert, während für die offizielle Bewertung der mehrjährige Durchschnitt maßgeblich ist.

2026 wahrscheinlich zweitwärmstes Jahr

Copernicus schätzt, dass 2026 höchstwahrscheinlich das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen wird. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent könnte die globale Temperatur sogar den Rekordwert von 2024 übertreffen.

Vierjahresmittel über der Zielmarke

Auch der Durchschnitt der Jahre 2023 bis 2026 dürfte nach Einschätzung des Klimawandeldienstes über 1,5 Grad liegen. Die Weltgemeinschaft wollte die Erwärmung im Pariser Klimaabkommen auf diese Marke begrenzen, um besonders schwere Folgen der Klimakrise zu vermeiden.

Oktober bricht weltweiten Temperaturrekord

Der vergangene Oktober war laut Copernicus der wärmste Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen. Die durchschnittliche weltweite Oberflächentemperatur lag 1,75 Grad über dem vorindustriellen Niveau; zugleich war es der dritte Monat in Folge über der 1,5-Grad-Marke.

El Niño verstärkt die Erwärmung

Samantha Burgess vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage erklärte, ein außergewöhnlich starker El Niño heize das bereits durch menschliche Aktivitäten erwärmte Klima weiter an. Besonders bedeutsam sei, dass voraussichtlich auch der Vierjahresdurchschnitt über 1,5 Grad liege.

UN spricht von Overshoot

Die Vereinten Nationen gehen inzwischen davon aus, dass das im Pariser Klimaabkommen angestrebte 1,5-Grad-Ziel überschritten wird. Diese Phase wird als Overshoot bezeichnet und soll nach Möglichkeit kurz und begrenzt bleiben, weil Risiken und Auswirkungen mit jedem zusätzlichen Bruchteil eines Grades zunehmen.

Rockström warnt vor weiterem Temperaturanstieg

Der Klimaforscher Johan Rockström fordert, die Überschreitung durch eine rasche Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre möglichst gering und kurz zu halten. Dass die Erwärmung in den nächsten fünf Jahren offiziell über 1,5 Grad liegen werde, sei mittlerweile unvermeidbar, sagte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

Rockström warnte zudem vor einem Pfad in eine unbeherrschbare Zukunft. Die aktuellen Copernicus-Daten erhöhen damit den Druck, Emissionen zu senken und die Folgen der Erwärmung durch Anpassungsmaßnahmen zu begrenzen.

Die Copernicus-Prognose beschreibt nicht, dass das Pariser Abkommen mit einem einzelnen Kalenderjahr rechtlich oder politisch automatisch als gescheitert gilt. Das dort verankerte Ziel bezieht sich auf die langfristige Erwärmung, während einzelne Jahre durch natürliche Schwankungen zusätzlich geprägt werden können. Für die Bewertung der Entwicklung ist deshalb der mehrjährige Durchschnitt entscheidend.

Die Meldung verweist zugleich auf einen außergewöhnlich starken El Niño. Dieses natürliche Klimaphänomen kann die globale Durchschnittstemperatur vorübergehend erhöhen. Es erklärt jedoch nicht den langfristigen Erwärmungstrend, der durch den vom Menschen verursachten Ausstoß von Treibhausgasen bestimmt wird. Dass auch der Zeitraum 2023 bis 2026 voraussichtlich über 1,5 Grad liegt, macht die anhaltende Erwärmung besonders deutlich.

Folgen für Anpassung und Klimapolitik

Mit jedem zusätzlichen Zehntelgrad steigen die Risiken für Hitzewellen, Dürren, Starkregen, Überschwemmungen und Schäden an Ökosystemen. Der Begriff Overshoot bezeichnet dabei eine Phase, in der die 1,5-Grad-Marke überschritten wird; politisch geht es darum, Dauer und Ausmaß dieser Überschreitung zu begrenzen. Parallel müssen Staaten ihre Anpassung an bereits unvermeidbare Folgen ausbauen.

Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet die Entwicklung vor allem eine wachsende Bedeutung von Hitzeschutz, Hochwasservorsorge und resilienter Infrastruktur. International verschärft sich zudem die Frage, wie besonders betroffene ärmere Länder bei Anpassung und beim Umgang mit Klimaschäden unterstützt werden. Die Temperaturdaten erhöhen damit den Druck auf Emissionsminderungen und konkrete Vorsorge zugleich.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Was das Ende von 1,5 Grad für die Welt im Klimawandel bedeutet“ (06.11.2026)

Der Beitrag ordnet die Überschreitung des 1,5-Grad-Ziels mit Blick auf mögliche Folgen für das Leben und eine Erwärmung von bis zu 2,8 Grad ein. Damit setzt er einen breiteren Zukunftsschwerpunkt als die Copernicus-Meldung, die vor allem die Messwerte und die Prognose für 2026 behandelt.

n-tv: „UN warnt vor Milliardenlücke im Kampf gegen die Klimakrise“ (04.11.2026)

Der Artikel behandelt den UNEP-Bericht zur Finanzierung der Anpassung und nennt einen jährlichen Bedarf von 305 Milliarden US-Dollar bis 2035. Er bestätigt den Zusammenhang zwischen steigenden Klimarisiken und wachsendem Anpassungsbedarf, verschiebt den Schwerpunkt aber von Temperaturdaten auf internationale Finanzhilfen.

Gemeinsam ist den Beiträgen die Erwartung weiterer Belastungen durch die Erwärmung. Unterschiede bestehen vor allem bei der Perspektive: Copernicus liefert aktuelle Klimadaten, während die anderen Beiträge Folgen, Zukunftsszenarien und Finanzierung in den Mittelpunkt stellen.

Disclaimer...
de | politik | 70468726 |