CDU-Abgeordneter Tobias Krull kündigt Enthaltung bei möglicher Siegmund-Wahl an
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 17:55 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer CDU-Landtagsabgeordnete Tobias Krull hat laut eines Medienberichts als erster Abgeordneter seiner Fraktion angekündigt, bei einer möglichen Wahl des AfD-Politikers Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt nicht gegen dessen Kandidatur zu stimmen. Krull soll dem Redaktionsnetzwerk Deutschland für dessen Mittwochausgaben gesagt haben: „Ich werde mich enthalten“.
Krull grenzt sich von Koalition mit AfD ab
Auf die Nachfrage, ob er eine Zusammenarbeit mit der AfD auf Landesebene grundsätzlich ausschließe, soll Krull laut Bericht betont haben: „Eine Koalition mit der AfD schließe ich aus.“ Zuvor war spekuliert worden, dass Siegmund mit Unterstützung aus der CDU-Fraktion zum neuen Regierungschef gewählt werden könnte. Noch am Wahlabend hatte der amtierende Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) erklärt, er erwarte keine Abweichler in den Reihen der CDU-Abgeordneten.
CDU hatte bislang Zusammenarbeit mit AfD ausgeschlossen
Die CDU in Sachsen-Anhalt hatte sich bislang klar von der AfD abgegrenzt und eine Zusammenarbeit ausgeschlossen. Krull ist seit 2010 Kreisvorsitzender der CDU Magdeburg und sitzt seit zehn Jahren für die Partei im Landtag. Bei der Landtagswahl am Sonntag zog er über Platz 5 der Landesliste erneut in das Parlament ein.
Rolle von BSW und Enthaltungen im dritten Wahlgang
Zuvor hatte das BSW angekündigt, sich in einem möglichen dritten Wahlgang zu enthalten. In Kombination mit der angekündigten Enthaltung Krulls könnte Ulrich Siegmund so ins Amt gelangen, ohne von diesen Abgeordneten direkt gewählt zu werden. In den ersten beiden Wahlgängen benötigt ein Kandidat 42 Stimmen, um gewählt zu werden. Kommt diese Mehrheit jeweils nicht zustande, muss der Landtag entscheiden, ob die Wahlperiode beendet wird.
Mehrheitserfordernisse bei der Ministerpräsidentenwahl
Wird die Wahlperiode nicht beendet, erfolgt ein dritter Wahlgang, in dem die Mehrheit der abgegebenen Stimmen ausreicht. Enthaltungen senken dabei die Zahl der für eine erfolgreiche Wahl notwendigen Ja-Stimmen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Stimmen der AfD-Fraktion zur Wahl Ulrich Siegmunds zum Ministerpräsidenten genügen könnten, sofern sich andere Abgeordnete enthalten oder fehlend sind.
Die Ankündigung des CDU-Landtagsabgeordneten Tobias Krull, sich bei einer möglichen Wahl des AfD-Politikers Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten zu enthalten, fällt in eine politisch hoch sensible Lage in Sachsen-Anhalt. Nach der Landtagswahl steht das Bundesland vor schwierigen Mehrheitsverhältnissen, bei denen rechnerisch auch Konstellationen ohne klare Regierungsmehrheit diskutiert werden. Vor diesem Hintergrund wird jede Abweichung von der bislang geschlossenen Abgrenzung der CDU gegenüber der AfD genau beobachtet.
Parlamentslogik und strategische Enthaltungen
Die Besonderheit des vom Landtag vorgesehenen dritten Wahlgang liegt darin, dass dort nicht mehr eine feste absolute Mehrheit der Mandate erforderlich ist, sondern nur die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Enthaltungen wirken damit faktisch wie eine Senkung der Hürde. Wenn sich Abgeordnete enthalten, steigt die Chance, dass ein Kandidat allein mit den Stimmen seiner eigenen Fraktion gewählt wird. Genau deshalb sind strategische Enthaltungen in Ministerpräsidentenwahlen in den vergangenen Jahren in mehreren Ländern immer wieder Gegenstand heftiger Diskussionen gewesen.
Im vorliegenden Fall könnte eine Enthaltung Krulls gemeinsam mit den angekündigten Enthaltungen des BSW dazu führen, dass Ulrich Siegmund ohne zusätzliche Ja-Stimmen aus anderen Fraktionen ins Amt kommt. Politisch stellt sich damit die Frage, ob eine solche Enthaltung als reine Gewissensentscheidung oder als indirekte Unterstützung einer AfD-Regierung gewertet wird. Für die CDU, die sich bundesweit auf eine klare Abgrenzung zur AfD festgelegt hat, bedeutet der Schritt des Abgeordneten erheblichen Rechtfertigungsdruck – sowohl gegenüber der eigenen Parteibasis als auch gegenüber möglichen Koalitionspartnern im Landtag.
Signalwirkung über Sachsen-Anhalt hinaus
Die Personalie hat auch bundespolitische Bedeutung. Sollte ein AfD-Politiker mit Hilfe von Enthaltungen anderer Parteien zum Ministerpräsidenten gewählt werden, wäre dies ein Präzedenzfall, der die gesamte bisherige Strategie der demokratischen Parteien gegenüber der AfD in Frage stellt. Die Debatte um Sachsen-Anhalt dürfte daher aufmerksam in anderen Ländern verfolgt werden, in denen ähnlich komplizierte Mehrheiten entstehen könnten. Für Wählerinnen und Wähler ist entscheidend, dass sie erkennen können, ob ihre Stimme am Ende zu einer direkten oder indirekten Machtoption für die AfD beiträgt.
