Union, MĂ€ngel

Union kritisiert schwerwiegende MĂ€ngel in Wehrdienst-Entwurf

10.08.2025 - 12:28:37 | dts-nachrichtenagentur.de

Der fĂŒr Verteidigungs- und Außenpolitik zustĂ€ndige Unions-Fraktionsvize im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), kritisiert schwerwiegende MĂ€ngel im Entwurf zum Wehrdienstgesetz von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und verlangt substanzielle Verbesserungen.

Bundeswehrsoldaten fahren Bahn (Archiv) - Foto: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
"Es geht um ein bedeutsames Gesetz fĂŒr die VerteidigungsfĂ€higkeit Deutschlands und die Einlösung eines Versprechens der Koalition", sagte Röttgen der "Welt" (Montagsausgabe). "Deshalb können wir die schwerwiegenden MĂ€ngel nicht akzeptieren. Wir mĂŒssen substanzielle Verbesserungen erreichen und zu einem tragfĂ€higen Kompromiss kommen, der die Kernaufgabe dieser Zeit erfĂŒllt: die Bundeswehr substanziell zu stĂ€rken, weil die Sicherheit Deutschlands es verlangt." Der Gesetzentwurf, den das Kabinett am 27. August beschließen soll, ignoriere "die sicherheitspolitischen Anforderungen in wesentlichen Bereichen", begrĂŒndete Röttgen die Ablehnung der Unionsfraktion.

So sei es ein gravierender Mangel, "dass die Nato-Ziele, zu denen wir uns verpflichtet haben, komplett fehlen. Es gibt keine konkreten Zahlen und Zeitvorgaben, bis wann Deutschland welche Ziele beim Aufwuchs der StreitkrĂ€fte erreicht haben muss. Damit fehlt jeder Maßstab, ob wir auf Kurs sind - oder nachsteuern mĂŒssen." Die Bundeswehr brauche laut Nato-Planungen bis 2035 rund 90.000 Berufs- und Zeitsoldaten mehr - zusĂ€tzlich zum jĂ€hrlichen Regenerationsbedarf. "Und wir können nicht erst 2033 anfangen zu fragen, woher all diese Soldaten kommen sollen. In diesem Gesetz mĂŒssen also Meilensteine definiert werden, in welchen Schritten wir vorankommen wollen. Wir mĂŒssen den Zeitraum in Jahresscheiben aufteilen und ab 2026 jedes Jahr netto 10.000 weitere Zeit- und Berufssoldaten einplanen. Wenn wir diese Ziele verfehlen, muss reagiert werden." BezĂŒglich einer Wehrpflicht wirft Röttgen dem Minister vor, die Formulierung im Koalitionsvertrag, man orientiere sich am schwedischen Wehrdienstmodell, nur teilweise umgesetzt zu haben. Pistorius beschrĂ€nke sich auf Freiwilligkeit und sehe keinen Automatismus fĂŒr eine Wehrpflicht vor. Das schwedische Modell "beinhaltet seit 2017 eine automatische Pflicht, wenn Jahresziele freiwillig verfehlt werden, was bisher stets der Fall war". Pistorius verwirkliche in seinem Entwurf nur die eine Seite des Kompromisses, indem er ausschließlich auf Freiwilligkeit setze, ohne Zielvorgaben zu machen oder einen klaren Mechanismus festzulegen, wann und unter welchen Bedingungen ein Spurwechsel von der Freiwilligkeit zur Wehrpflicht erfolgen mĂŒsse. "Das geht so nicht, da muss zwingend nachgebessert werden", sagte Röttgen. Es sei nicht akzeptabel, dass Pistorius allein den Vorstellungen der SPD folge. Deutschland könne sich "angesichts der sicherheitspolitischen EinschĂ€tzung, dass Russland 2029 kriegsfĂ€hig gegenĂŒber der Nato sein wird, keine Zeitverschwendung leisten". Wenn es um Krieg oder Frieden gehe, dĂŒrfe die Sicherheit Deutschlands und der Nato-Partner nicht der Parteitaktik zum Opfer fallen. "Es geht um eine nationale Selbstverpflichtung, die die Koalition erfĂŒllen muss." GrundsĂ€tzlich sei die Wehrpflicht ein Instrument der Abschreckung und ein Bekenntnis der Gesellschaft ĂŒber ihre Bereitschaft zu Resilienz und Wehrhaftigkeit. "Dieser Gesetzentwurf wird diesem VerstĂ€ndnis aber in beiderlei Hinsicht nicht gerecht", kritisierte Röttgen. Der Minister schlage vor, "die Wehrpflicht erst per exekutivem Rechtsakt zu aktivieren, wenn sich die Lage verschĂ€rft". Das sehe er als hochproblematisch, so Röttgen. "Denn Pistorius legt dem Bundestag damit jetzt die Feststellung nahe, dass wir derzeit noch keine hinreichend ernsthafte Lage haben - was im krassen Widerspruch zu seiner eigenen sicherheitspolitischen Bewertung steht." Wenn die Wehrpflicht erst bei einer verschĂ€rften militĂ€rischen Krisenlage aktiviert werde, sei sie kein Abschreckungs-, sondern ein Krisenreaktionsinstrument. "Sie kĂ€me zu spĂ€t, wĂŒrde an Akzeptanz verlieren und hĂ€tte ihren eigentlichen Sinn verfehlt. Was soll denn ein Wehrpflichtiger bewirken, wenn die Krise schon da ist?" Zwar sei die EinfĂŒhrung der Musterung vom ursprĂŒnglich geplanten Jahr 2028 nun auf Juli 2027 vorgezogen worden. "Aber auch diese Verzögerung ist unverstĂ€ndlich. Über die Notwendigkeit, dass die Bundeswehr personell wachsen muss, wird seit zwei Jahren diskutiert. Der Verteidigungsminister arbeitet seit Beginn seiner Amtszeit daran. Dass es jetzt noch einmal zwei Jahre dauern soll, bis wir ĂŒberhaupt mit der Musterung beginnen, ist nicht nachvollziehbar", so der Fraktionsvize. "Dieses Schneckentempo ist nicht mehr zeitgemĂ€ĂŸ und sicherheitspolitisch unverantwortlich." Die UnzulĂ€nglichkeiten des Gesetzentwurfs seien fĂŒr die Union nicht tragbar: "Dies ist kein Gesetz, bei dem man Kompromisse eingehen kann, von denen man nicht ĂŒberzeugt ist, mit der Hoffnung, es spĂ€ter zu korrigieren. Wir haben keine Zeit mehr fĂŒr Fehler, die wir mit offenen Augen sehen. Wir mĂŒssen bis 2029 liefern, dieser Schuss muss sitzen", sagte Röttgen. "Es geht um die ErfĂŒllung einer nationalen, historischen Pflicht unserer Zeit." Hintergrund: Der fĂŒr die Nato-Zusagen nötige Personalbedarf liegt nach einer ersten GrobschĂ€tzung des Verteidigungsministeriums bei kĂŒnftig rund 460.000 Soldaten, davon 260.000 aktive KrĂ€fte und 200.000 Reservisten. Es fehlen bei einer aktuellen Zahl von rund 170.000 Berufs- und Zeitsoldaten also allein rund 90.000 aktive Soldaten.

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