Bundeswehr, Spionageabwehr

MAD-Bericht 2025: Mehr Sabotage, Spionage und Rechtsextremismus in der Bundeswehr

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 13:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der MilitÀrische Abschirmdienst warnt im Jahresbericht 2025 vor einer deutlich verschÀrften hybriden Bedrohungslage und zunehmender Sabotage gegen Deutschland. Zugleich meldet der Dienst mehr Rechtsextremismus-VerdachtsfÀlle in der Bundeswehr und baut seine Strukturen aus.

  • Zum Stichtag 1. Dezember 2025 hatte der MAD laut Bericht rund 1.600 Bedienstete. (Symbolbild) - Bild: Thomas Banneyer/dpa
    Zum Stichtag 1. Dezember 2025 hatte der MAD laut Bericht rund 1.600 Bedienstete. (Symbolbild) - Bild: Thomas Banneyer/dpa
  • MAD-PrĂ€sidentin Martina Rosenberg mit den Chefs der anderen Nachrichtendienste. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    MAD-PrÀsidentin Martina Rosenberg mit den Chefs der anderen Nachrichtendienste. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Martina Rosenberg ist die PrĂ€sidentin des Bundesamtes fĂŒr den MilitĂ€rischen Abschirmdienst. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Martina Rosenberg ist die PrĂ€sidentin des Bundesamtes fĂŒr den MilitĂ€rischen Abschirmdienst. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Zum Stichtag 1. Dezember 2025 hatte der MAD laut Bericht rund 1.600 Bedienstete. (Symbolbild) - Bild: Thomas Banneyer/dpa MAD-PrĂ€sidentin Martina Rosenberg mit den Chefs der anderen Nachrichtendienste. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa Martina Rosenberg ist die PrĂ€sidentin des Bundesamtes fĂŒr den MilitĂ€rischen Abschirmdienst. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Der MilitÀrische Abschirmdienst sieht Deutschland als priorisiertes Ziel russischer SpionageaktivitÀten und warnt vor einer deutlich verschÀrften hybriden Bedrohungslage.

Deutschland im Fokus fremder Geheimdienste

Nach dem Jahresbericht 2025 des MAD ist die Bundesrepublik aufgrund ihrer geostrategischen Lage in Europa, ihrer Rolle in der Nato, des Aufwuchses der Bundeswehr und der EinfĂŒhrung neuer Waffensysteme besonders in den Blick russischer Nachrichtendienste geraten. Der Dienst beschreibt, dass hybride Angriffe zunehmen, also das Zusammenspiel militĂ€rischer, wirtschaftlicher, geheimdienstlicher und propagandistischer Mittel, das andere Staaten destabilisieren soll. Dazu zĂ€hlen Cyberattacken, Drohnenangriffe, Versuche der politischen Einflussnahme und Störaktionen gegen Verkehr, Energieversorgung und Telekommunikation.

Mehr Sabotage durch angeworbene Auftragsagenten

Der MAD stellt fest, dass das Bedrohungspotenzial durch Sabotage erheblich zugenommen hat, insbesondere durch angeworbene Auftragsagenten, die der Dienst als „Low-Level-Agents“ bezeichnet. Konkrete Vergleichszahlen lĂ€sst der Bericht aus, um potenziellen Gegnern keine RĂŒckschlĂŒsse zu ermöglichen. Als zentrales Instrument russischer Informationsbeschaffung im Ausland nennt der MAD sogenannte Legalresidenturen, also getarnte StĂŒtzpunkte russischer Nachrichtendienste in Botschaften oder halbstaatlichen Vertretungen. Genannt werden in diesem Zusammenhang auch Presseagenturen.

Reisen von Soldaten nach Russland und Belarus

Mit Sorge bewertet der MAD Reisen von Bundeswehrangehörigen nach Russland und Belarus. Nach seinen Feststellungen sind trotz angespannter Sicherheitslage zahlreiche Soldatinnen und Soldaten in die beiden LÀnder gereist und dabei in den Fokus russischer und belarussischer Nachrichtendienste geraten. HÀufig bestehen familiÀre Beziehungen in diese Staaten. Aus diesen Reisen ergeben sich nach EinschÀtzung des Dienstes besondere GefÀhrdungen durch mögliche Erpressungen und Bedrohungen durch dortige Sicherheitsbehörden.

SpionageaktivitÀten aus China

Der Bericht verzeichnet auch AktivitĂ€ten chinesischer Nachrichtendienste in Deutschland. Der MAD geht davon aus, dass zumindest ein Teil der AusspĂ€hungen militĂ€rischer Infrastruktur, darunter DrohnenĂŒberflĂŒge und das Eindringen in Liegenschaften der Bundeswehr, auf chinesische Dienste zurĂŒckzufĂŒhren ist. Nach seinen Angaben setzen diese auch Teile der chinesischen Diaspora ein, um Informationen zu gewinnen.

Anstieg von Extremismus-VerdachtsfÀllen

Parallel zur Ă€ußeren Bedrohung meldet der MAD eine zunehmende Zahl von VerdachtsfĂ€llen wegen Extremismus in der Bundeswehr. FĂŒr das Jahr 2025 verzeichnet der Dienst 610 Neuaufnahmen von Fallbearbeitungen, nach 524 im Jahr 2024. Vor allem Hinweise auf Rechtsextremismus nehmen zu: 519 Fallbearbeitungen wurden 2025 in diesem Bereich neu eröffnet, 2024 waren es 413, was einem Anstieg um rund 26 Prozent entspricht.

Rechtsextremismus in der Truppe und neue Jugendgruppen

Als Rechtsextremisten erkannte der MAD im Jahr 2025 elf Personen, ebenso viele wie im Vorjahr. FĂŒr 21 weitere Angehörige der Bundeswehr lagen vorhaltbare Erkenntnisse vor, die den Verdacht mangelnder Verfassungstreue begrĂŒnden, nach 26 im Jahr 2024. Der Bericht verweist auf FĂ€lle von sexualisiertem Fehlverhalten, Drogen und Extremismus bei FallschirmjĂ€gern in ZweibrĂŒcken, die wiederholt fĂŒr Schlagzeilen sorgten und einen signifikanten Einfluss auf die gestiegene Zahl der Neuaufnahmen hatten.

Normalisierung extremer Positionen

DarĂŒber hinaus stellt der MAD eine anhaltende Entgrenzung des Rechtsextremismus fest. Nach seiner EinschĂ€tzung werden Positionen der extremen Rechten zunehmend normalisiert, die Grenze des Sagbaren verschiebe sich sukzessive. Seit Mitte 2024 beobachtet der Dienst neue rechtsextremistische Jugendgruppierungen, die sich ĂŒber soziale Medien im virtuellen Raum etablieren. Im Bericht genannt werden „Jung & Stark“, „Deutsche Jugend Voran“ und „Der Störtrupp“.

Digitale Szene und gewaltsame Aktionen

Laut MAD bestehen BezĂŒge von Angehörigen des GeschĂ€ftsbereichs zu diesen Gruppierungen. Die Jugendgruppen treten wiederholt bei rechtsextremistischen Störungen öffentlicher Veranstaltungen zum Christopher Street Day sowie bei Angriffen auf politische Gegner in Erscheinung. Zu ihrem Aktionsrepertoire zĂ€hlen außerdem Verfolgungen vermeintlich pĂ€dophiler Personen, sogenanntes „Pedo-Hunting“.

Ausbau des MAD und PrÀsenz in Litauen

Zum Stichtag 1. Dezember 2025 verfĂŒgte der MilitĂ€rische Abschirmdienst ĂŒber rund 1600 Bedienstete. Im Inland werden Vorbereitungen fĂŒr zusĂ€tzliche MAD-Stellen ĂŒber die bisher acht Dienststellen hinaus getroffen. Zudem schloss der Dienst im vergangenen Jahr die Planungen fĂŒr eine permanente MAD-Stelle in Litauen ab, wo die Bundesregierung eine gefechtsbereite Panzerbrigade zum Schutz der Nato-Ostflanke stationieren will.

Spionage und hybride Bedrohungen im sicherheitspolitischen Kontext

Die Warnungen des MilitĂ€rischen Abschirmdienstes fĂŒgen sich in eine Entwicklung ein, in der Deutschland stĂ€rker in den Fokus fremder Nachrichtendienste rĂŒckt. Die geostrategische Lage in Europa, die Rolle in der Nato und die AufrĂŒstung der Bundeswehr machen militĂ€rische Infrastruktur und Kommunikationswege zu attraktiven Zielen fĂŒr Spionage und Sabotage. Hybride Angriffe verbinden digitale Attacken, klassische Geheimdienstmethoden und Einflussoperationen gegen Gesellschaft und Politik. FĂŒr die Bundeswehr bedeutet dies, dass nicht nur Gefechtsbereitschaft, sondern auch die Sicherheit im Alltag, etwa bei Reisen oder der Nutzung sozialer Medien, strategische Bedeutung gewinnt.

Innere Sicherheit der Bundeswehr und Rechtsextremismus

Die steigende Zahl von VerdachtsfĂ€llen wegen Extremismus in der Truppe zeigt, dass innere Sicherheit zu einer dauerhaften SchlĂŒsselaufgabe geworden ist. Wenn sich rechtsextreme Jugendgruppierungen vor allem im digitalen Raum formieren und dort Anschluss an Angehörige des GeschĂ€ftsbereichs finden, verschwimmen die Grenzen zwischen privatem Umfeld und dienstlicher Rolle. Die genannten Gruppen treten nicht nur online, sondern auch bei Störaktionen gegen öffentliche Veranstaltungen und Angriffen auf politische Gegner in Erscheinung. FĂŒr die Bundeswehr steht damit nicht nur ihre EinsatzfĂ€higkeit, sondern auch ihre Verankerung in der freiheitlich-demokratischen Ordnung auf dem PrĂŒfstand.

Folgen fĂŒr Soldaten, Institutionen und Gesellschaft

Besondere Bedeutung haben die Hinweise auf Reisen von Soldatinnen und Soldaten nach Russland und Belarus, weil hier persönliche Kontakte auf ein erhöhtes Erpressungsrisiko treffen. Damit wĂ€chst der Druck auf PrĂ€ventionsarbeit, Sicherheitsunterweisungen und eine klare Sensibilisierung im Alltag der Truppe. Zugleich zeigen die Planungen fĂŒr zusĂ€tzliche Dienststellen des MAD im Inland und eine permanente PrĂ€senz in Litauen, dass der Nachrichtendienst seine Strukturen an die verschĂ€rfte Lage anpasst. FĂŒr die Gesellschaft wird damit sichtbarer, dass Ă€ußere Bedrohungen, digitale Angriffe und innere Konflikte in der Bundeswehr Teil eines zusammenhĂ€ngenden sicherheitspolitischen Bildes sind, das Politik und StreitkrĂ€fte langfristig beschĂ€ftigt.

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