Freigekommener Kreml-Gegner kritisiert Gefangenenaustausch
07.08.2024 - 18:26:33 | dts-nachrichtenagentur.deIn Russland wiege das Wort eines Oppositionellen mehr als im Ausland. "Es ist kaum zu begreifen, dass viele meiner unschuldigen Mitstreiter weiter hinter Gittern sitzen." Jaschin war im Dezember 2022 zu achteinhalb Jahren Strafkolonie verurteilt worden, er hatte angeblich die russischen StreitkrĂ€fte verunglimpft. Jaschin erzĂ€hlt, wie er wĂ€hrend seiner Haftzeit seinen politischen Kampf fortsetzte, Texte schrieb, Interviews in Briefform gab und versuchte, andere Gefangene davon abzuhalten, in den Krieg zu ziehen. Dreien habe er es ausreden können, 30 seien an die Front gegangen. "FĂŒr die Gefangenen wurde der Krieg zu einer Partie Russisch Roulette. GroĂes Geld, hohes Risiko." Dagegen anzukommen, sei schwer. Jaschin Ă€uĂert sich auch zu den persönlichen Verlusten, der Ermordung des Oppositionspolitikers Boris Nemzow und des Kremlkritikers Alexej Nawalny. "Als Nawalny starb, war es, als hĂ€tte man mir ein StĂŒck meines Herzens rausgerissen", sagte Jaschin. Dann habe er sich zusammengerissen, um Nawalnys Werk fortzusetzen. Den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bezeichnet Jaschin als einen Kampf zwischen Freiheit und Tyrannei. "Der Krieg ist mein persönlicher Krieg", erklĂ€rte er. Putin bezeichnet Jaschin als "Kriegsverbrecher". Jaschin bedauere, dass der Preis fĂŒr seine Freiheit die Freilassung eines Mörders sei. "In Russland wird man weiter Menschen ins GefĂ€ngnis stecken, um sie spĂ€ter gegen Verbrecher und Spione auszutauschen." Bundeskanzler Scholz, so Jaschin, habe den ausgetauschten Gefangenen bei ihrer Ankunft gesagt, er hoffe, das sei nicht der letzte Austausch. "Der Kanzler stand vor einem schweren Dilemma. Er hat mehrere Leben gerettet - und dafĂŒr einen Mörder in die Freiheit geschickt", sagte Jaschin. Er hĂ€tte so wie Scholz gehandelt. Obwohl die Mehrheit der Russen den Angriffskrieg in der Ukraine unterstĂŒtzt, will Jaschin die russische Bevölkerung nicht aufgeben. "Putin hat mein Volk als Geisel genommen", sagte er. Jaschin erinnerte daran, dass derzeit immer noch mehr als 1.000 politische Gefangene hinter Gittern sĂ€Ăen. NatĂŒrlich stehe ein Teil der Russen unter Einfluss des russischen Imperialismus, sagt Jaschin. "Doch statt alle anzuprangern, sollte man den verbliebenen WiderstĂ€ndlern signalisieren: Ihr seid nicht allein." Der Oppositionelle bleibt entschlossen, seinen politischen Kampf fortzusetzen: "Ich werde versuchen, mit dem weiterzumachen, wofĂŒr ich festgenommen wurde: Die Wahrheit ĂŒber den Krieg zu sagen."
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