Deutschland, Soziales

1,1 Millionen Babyboomer vorzeitig in Rente

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 05:05 Uhr, dpa.de

Der Trend zur Frührente hält an. Wenn sich nichts ändert, dürften die Zahlen nach der Erwartung von Experten weiter steigen. Doch es könnte auch anders kommen.

  • Nicht immer zieht es Menschen in Rente wie hier direkt nach Mallorca. Der Trend zur Frührente war zuletzt aber ungebrochen. (Archivfoto)  - Bild: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
    Nicht immer zieht es Menschen in Rente wie hier direkt nach Mallorca. Der Trend zur Frührente war zuletzt aber ungebrochen. (Archivfoto) - Bild: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
  • Das Führungsduo der Rentenkommission übergab den Kommissionsbericht im Juni an Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD). (Archivfoto) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Das Führungsduo der Rentenkommission übergab den Kommissionsbericht im Juni an Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD). (Archivfoto) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Nicht immer zieht es Menschen in Rente wie hier direkt nach Mallorca. Der Trend zur Frührente war zuletzt aber ungebrochen. (Archivfoto)  - Bild: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa Das Führungsduo der Rentenkommission übergab den Kommissionsbericht im Juni an Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD). (Archivfoto) - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Die Zahl der Babyboomer in Altersrente ist auf zuletzt rund 6 Millionen gestiegen - 1,1 Millionen bezogen dabei eine vorzeitige Rente. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) geht in einer neuen Erhebung von einem weiteren Anstieg aus, wenn die Politik nicht einschreitet. Insgesamt gab es 2024 nach diesen Zahlen 19,3 Millionen Babyboomer, also Angehörige besonders geburtenstarker Jahrgänge. Der IW-Kurzbericht liegt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor.

Zwei Forscherinnen des Instituts drücken darin die Erwartung aus, «dass sich die steigende Inanspruchnahme der Frührente weiter fortsetzt». Ihrem Bericht zufolge bezogen 2023 erst rund 4,5 Millionen Babyboomer eine Altersrente - davon 0,9 Millionen vorzeitig, also vor der Regelaltersgrenze. Ein Jahr später hat demnach der Geburtsjahrgang 1958 das Renteneintrittsalter erreicht, entsprechend erhöhten sich die Zahlen (inklusive Altersrenten für Schwerbehinderte).

De-facto-Rentenalter hinkt Regelalter hinterher

Das IW erinnert an die Anhebung der Regelaltersgrenze von 65 auf 67 Jahre bis 2031 - und an das Ziel, dass das durchschnittliche Zugangsalter in die Rente damit steigen soll. 2024 stieg die Regelgrenze auf 66 Jahre. Sie lag damit laut IW zwölf Monate höher als zu Beginn der Anhebung 2012. «Das durchschnittliche Zugangsalter in die Rente erhöhte sich im gleichen Zeitraum jedoch lediglich um acht Monate», so die Expertinnen. Als Grund für die Lücke machen sie die «Möglichkeiten des vorzeitigen Renteneintritts» aus.

Das arbeitgebernahe Institut kommt zu dem Schluss: «Die Frührenten laufen dem ursprünglichen Ziel der Politik entgegen, mit der Anhebung der Regelaltersgrenze die Lebensarbeitszeit zu verlängern.»

Institut fordert schnelle Reform

Deshalb lobt das IW die Vorschläge der Rentenkommission der Regierung. Zu den Empfehlungen zählt unter anderem, die Möglichkeit zum abschlagsfreien, vorzeitigen Renteneintritt zu streichen. Das IW bezeichnete diese Pläne als «zentral, um das durchschnittliche Rentenzugangsalter zu erhöhen». Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatten eine Umsetzung sämtlicher Kommissionsempfehlungen angekündigt, Gewerkschaften haben mit Widerstand gedroht.

Das IW mahnt: «Wichtig ist, die Elemente zeitnah umzusetzen, um möglichst viele Babyboomer länger im Arbeitsmarkt zu halten und zu verhindern, dass die Wirkung durch Ausnahmen wieder abgeschwächt wird.»

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