SchÀuble-Memoiren: Merkel verhinderte EuropÀische Wirtschaftsunion
06.04.2024 - 09:53:44 | dts-nachrichtenagentur.de"Die Aussicht, wegen des WĂ€hrungsfonds, mit dem VertragsĂ€nderungen einhergegangen wĂ€ren, den Streit unter den europĂ€ischen Mitgliedstaaten neu anzufachen, konnte ihr nicht gefallen. Vor allem hatte sie kein Interesse am absehbaren Konflikt mit der eigenen Partei und in der Koalition, in der die Skeptiker einer fortschreitenden europĂ€ischen Integration stark waren." Dabei sei das Vorhaben auf europĂ€ischer und nationaler Ebene damals durchsetzbar gewesen, schreibt SchĂ€uble. Der Kanzlerin habe "ihr Erfolg, eine lange nicht mehr fĂŒr möglich gehaltene schwarz-gelbe Regierungsmehrheit erreicht zu haben, eine solch starke Stellung verschafft, dass sie in dieser Situation den Machtkampf nicht nur hĂ€tte wagen, sondern nach meiner EinschĂ€tzung auch bestehen können". Hier habe sich das VerstĂ€ndnis von politischer FĂŒhrung zwischen ihm und Merkel unterschieden. "Auch wenn ich durch meine GesprĂ€che in der Eurogruppe glaube, dass das Projekt sogar auf europĂ€ischer Ebene durchsetzbar gewesen wĂ€re, ging es gegen die eigene Kanzlerin, die im Kreis der Regierungschefs bereits von herausgehobener Bedeutung war, eben nicht." Merkel habe zu Beginn der Eurokrise auf strenge Einhaltung der bestehenden VertrĂ€ge gepocht, was die SpielrĂ€ume begrenzte, so SchĂ€uble. "WĂ€hrend ich aktiv auf ein erstes Hilfspaket hinarbeitete, tendierte die Kanzlerin zu meinem Befremden schon damals dazu, der EZB den Ankauf von Staatsanleihen zu ermöglichen, um die Zinsunterschiede zwischen den LĂ€ndern zu senken." Er habe die Kanzlerin gewarnt, nicht zu viel auf die Aufgabenseite der europĂ€ischen Notenbank zu schieben. "Merkels Antwort darauf war typisch fĂŒr ihren FĂŒhrungsstil. Sie entgegnete bloĂ, mit allem, was die EZB zur KrisenbewĂ€ltigung beitrage, mĂŒsse sie wegen deren UnabhĂ€ngigkeit nicht in die Fraktion mit ihren kritischen Fragen. Solchen Auseinandersetzungen suchte sie auszuweichen."
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