Deutschland und Ungarn erneuern ihre bilaterale Partnerschaft
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 14:06 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDeutschland und Ungarn wollen ihre bilateralen Beziehungen erneuern und auf eine neue Grundlage stellen. In einer gemeinsamen ErklĂ€rung bekrĂ€ftigen AuĂenminister Johann Wadephul und seine ungarische Amtskollegin Anita OrbĂĄn den Willen, die Partnerschaft zu stĂ€rken und ein neues, auf Vertrauen basierendes Kapitel in den deutsch-ungarischen Beziehungen aufzuschlagen.
Gemeinsame ErklÀrung am Rande des Besuchs in Ungarn
Die ErklĂ€rung wurde am Montag am Rande des Besuchs des CDU-Politikers Wadephul in Ungarn veröffentlicht. Demnach wollen beide LĂ€nder die Zukunft in der EuropĂ€ischen Union gemeinsam gestalten und sehen sich als Mitgliedstaaten der EU und als Nato-VerbĂŒndete in besonderer Verantwortung. In âZeiten geopolitischer und geoökonomischer Herausforderungenâ setzen sie nach eigenen Angaben auf europĂ€ische SolidaritĂ€t und ein starkes, sicheres, freies und wettbewerbsfĂ€higes Europa.
Wadephul und OrbĂĄn betonen, dass Deutschland und Ungarn gemeinsam fĂŒr diese Ziele eintreten wollen. Die Zusammenarbeit soll dabei sowohl politische als auch wirtschaftliche Bereiche umfassen und an bestehende Partnerschaften anknĂŒpfen.
Schwerpunkt Wirtschaft und Binnenmarkt
Die beiden AuĂenminister heben insbesondere die Bedeutung der deutsch-ungarischen Zusammenarbeit in der Automobilindustrie und in anderen Wirtschaftszweigen hervor. Die bestehenden bilateralen Wirtschaftsbeziehungen sollen weiter ausgebaut und auf zusĂ€tzliche Sektoren ausgeweitet werden. Von zentraler Bedeutung sei aus Sicht beider LĂ€nder die StĂ€rkung des europĂ€ischen Binnenmarktes als Grundlage fĂŒr ein innovationsfreundliches Investitionsumfeld in Deutschland und Ungarn.
DarĂŒber hinaus drĂ€ngen beide Staaten auf ein gemeinsames Vorgehen zur Wahrung der Energiesicherheit. Auch bei der Unterbindung illegaler Migration wollen Deutschland und Ungarn enger kooperieren und abgestimmte MaĂnahmen verfolgen.
Gemeinsame Positionen zu Ukraine, Nahost und Westbalkan
Mit Blick auf die geopolitischen Herausforderungen bekrĂ€ftigen Deutschland und Ungarn ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr die SouverĂ€nitĂ€t und territoriale IntegritĂ€t der Ukraine. Beide setzen sich fĂŒr einen sofortigen Waffenstillstand im Ukraine-Krieg ein. Sie kĂŒndigen an, sich innerhalb der EU und im Rahmen der Nato fĂŒr eine Beendigung der Kampfhandlungen und eine dauerhafte Stabilisierung der Region einzusetzen.
Auch im Nahen Osten wollen die beiden LĂ€nder ihre BemĂŒhungen zur Förderung von Frieden und Sicherheit verstĂ€rken. Zugleich unterstreichen die Minister die Bedeutung der Integration der WestbalkanlĂ€nder in die EuropĂ€ische Union und die UnterstĂŒtzung der BeitrittslĂ€nder auf ihrem Reform- und AnnĂ€herungskurs.
StÀrkung des Deutsch-Ungarischen Forums
FĂŒr den Ausbau der Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten spielt kĂŒnftig auch der Austausch zwischen Politik und Zivilgesellschaft eine gröĂere Rolle. Deutschland und Ungarn vereinbaren, das Deutsch-Ungarische Forum als Plattform fĂŒr Dialog und VerstĂ€ndigung zu stĂ€rken. Das nĂ€chste Forum, das im Herbst 2026 in Berlin stattfinden soll, soll nach dem Willen beider AuĂenminister ein âsichtbares Zeichen des Neubeginnsâ in den deutsch-ungarischen Beziehungen setzen.
Mit der gemeinsamen ErklÀrung verbinden die Regierungen die Erwartung, dass sich die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontakte zwischen beiden LÀndern vertiefen und die Zusammenarbeit innerhalb der EU und der Nato neuen Schwung erhÀlt.
Die AnkĂŒndigung eines âneuen, auf Vertrauen basierenden Kapitelsâ in den deutsch-ungarischen Beziehungen markiert einen bemerkenswerten Schritt nach Jahren teils deutlicher Spannungen. Zuvor hatten Differenzen etwa ĂŒber Rechtsstaatlichkeit, den Umgang mit Migration und die europĂ€ische Sanktionspolitik gegenĂŒber Russland das VerhĂ€ltnis belastet. Mit der aktuellen gemeinsamen ErklĂ€rung signalisieren beide Regierungen den politischen Willen, die Kooperation wieder stĂ€rker an gemeinsamen Interessen auszurichten.
Hintergrund der AnnÀherung
Die Betonung der Zusammenarbeit in der Automobilindustrie und im europĂ€ischen Binnenmarkt zeigt, dass wirtschaftliche Verflechtungen ein zentrales Motiv dieser AnnĂ€herung sind. Deutschland und Ungarn profitieren seit Jahren von engen Lieferketten, insbesondere durch groĂe Produktionsstandorte deutscher Hersteller in Ungarn. Angesichts globaler UmbrĂŒche, etwa bei Lieferketten, Energiepreisen und neuen Technologien, wollen beide LĂ€nder ihre Standortvorteile absichern und ausbauen.
Die gemeinsame Hervorhebung von Energiesicherheit und illegaler Migration fĂŒgt sich in Debatten ein, die die europĂ€ische Agenda seit lĂ€ngerem prĂ€gen. Gleichzeitig wird deutlich, dass Berlin und Budapest trotz teils unterschiedlicher politischer Akzente den Anspruch formulieren, in diesen Fragen abgestimmt zu handeln. Das kann dazu beitragen, Konflikte innerhalb der EU zu entschĂ€rfen, sofern sich aus den AbsichtserklĂ€rungen konkrete, gemeinsame Positionen entwickeln.
Geopolitische Dimension und Ausblick
Besonders bedeutsam ist die gemeinsame BekrĂ€ftigung der UnterstĂŒtzung fĂŒr die SouverĂ€nitĂ€t und territoriale IntegritĂ€t der Ukraine sowie der Ruf nach einem sofortigen Waffenstillstand. Damit versuchen beide Staaten, sicherheits- und friedenspolitische Linien auszubalancieren: Einerseits wird die Ukraine klar unterstĂŒtzt, andererseits wird der Fokus auf eine schnelle Beendigung der Kampfhandlungen gelegt. Im Nahen Osten und beim EU-Beitrittsprozess der WestbalkanlĂ€nder knĂŒpfen Deutschland und Ungarn an bestehende europĂ€ische Strategien an, unterstreichen aber ihren Anspruch, diese aktiv mitzugestalten.
Das geplante Deutsch-Ungarische Forum in Berlin als âsichtbares Zeichen des Neubeginnsâ zeigt, dass die AnnĂ€herung nicht nur auf Regierungsebene stattfinden soll, sondern auch Zivilgesellschaft und Fachöffentlichkeit einbeziehen will. Entscheidend fĂŒr die kommenden Jahre wird sein, ob aus den jetzt formulierten Zielen konkrete Projekte und dauerhafte Vertrauensmechanismen entstehen, die den bilateralen Beziehungen eine stabile Grundlage geben.
