Sachsen-Anhalt: Wagenknecht schließt Wahl Siegmunds zum Regierungschef aus
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Gründerin des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), Sahra Wagenknecht, hat klargestellt, dass die BSW-Abgeordneten im Landtag von Sachsen-Anhalt den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund nicht zum Ministerpräsidenten wählen werden. Sie verband diese Aussage mit scharfer Kritik an Siegmunds Auftreten in der aktuellen Debatte.
Wagenknecht zweifelt Eignung Siegmunds an
Wagenknecht bezeichnete Siegmund als „guten Wahlkämpfer“, stellte jedoch seine Eignung als Ministerpräsident in Frage. Seinen Umgang mit der offenen Frage, unter welchen Bedingungen er überhaupt für das Amt antreten wolle, deutete sie als „Eiertanz“ und als Zeichen dafür, dass er selbst Zweifel an seiner Eignung habe.
Die Äußerungen fielen in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, das am Mittwoch veröffentlicht werden sollte. Damit setzt Wagenknecht ein klares Signal zur Abgrenzung ihres Bündnisses von der AfD in Sachsen-Anhalt.
Kritik an Aussagen zu Rüstungskonzern und Abschiebungen
Besonders kritisierte Wagenknecht, dass Siegmund die Ansiedlung eines israelischen Rüstungskonzerns, dessen Produktpalette Raketen und Haubitzen umfasst, mit dem Hinweis auf einen angeblichen Bedarf für Abschiebungen begründet habe. Diese Verbindung von Rüstungsgütern und Abschiebepolitik spreche nach ihrer Darstellung nicht für ihn.
Sie betonte, solche Aussagen erzeugten Angst bei vielen gut integrierten Menschen, die bereits vor Jahren nach Deutschland gekommen seien und heute in Krankenhäusern, Pflegeheimen und anderen Bereichen des öffentlichen Lebens Verantwortung tragen und zur Funktionsfähigkeit der Gesellschaft beitrügen.
Abgrenzung von AfD-Fraktionsspitze
Wagenknecht verwies zudem auf Äußerungen des AfD-Co-Fraktionschefs im Landtag von Sachsen-Anhalt, Oliver Kirchner. Dieser habe öffentlich erklärt, mit dem BSW könne man nicht zusammenarbeiten, weil die Partei von einer Frau mit dem Namen Mohamed Ali und einem „Halbitaliener“ geführt werde.
Für Wagenknecht zeigt diese Wortwahl nach eigenen Angaben, dass sich im Umfeld von Ulrich Siegmund „wirklich schräge Figuren“ tummeln. Die BSW-Gründerin nutzt diese Beispiele, um die Distanz ihrer Partei zur AfD zu unterstreichen und eine Zusammenarbeit deutlich auszuschließen.
Die Aussagen von Sahra Wagenknecht fallen in eine Phase erhöhter politischer Aufmerksamkeit für Sachsen-Anhalt, wo nach der Landtagswahl über mögliche Mehrheiten und die Rolle der AfD diskutiert wird. Das Bündnis Sahra Wagenknecht positioniert sich dabei ausdrücklich als eigenständige Kraft, die zwar um enttäuschte Wähler der etablierten Parteien konkurriert, sich aber klar von der AfD distanzieren will.
Bemerkenswert ist, dass Wagenknecht ihre Absage an eine Unterstützung von Ulrich Siegmund nicht nur mit programmatischen Differenzen begründet, sondern auch mit konkreten Äußerungen des AfD-Spitzenkandidaten. Die von ihr kritisierte Begründung für die Ansiedlung eines israelischen Rüstungsunternehmens zeigt, wie eng migrations- und sicherheitspolitische Debatten inzwischen verknüpft sind. Wenn Rüstungsgüter rhetorisch mit Abschiebungen verknüpft werden, berührt das zentrale Fragen des Rechtsstaats und der gesellschaftlichen Integration.
Abgrenzung im rechten Lager
Zugleich macht Wagenknecht an der Wortwahl von AfD-Vertretern deutlich, dass sie die Partei nicht nur inhaltlich, sondern auch kulturell und rhetorisch als untragbaren Partner betrachtet. Die von ihr zitierten Aussagen über die BSW-Spitze verweisen auf einen politischen Stil, der Identität und Herkunft in den Mittelpunkt stellt und damit bewusst Grenzlinien zieht. Indem das BSW solche Äußerungen öffentlich kritisiert, stärkt es sein Profil als Kraft, die soziale und sicherheitspolitische Themen zwar offensiv aufgreift, aber eine Kooperation mit der AfD ausschließt.
Bedeutung für Regierungsbildungen
Für mögliche Regierungsbildungen in Sachsen-Anhalt ist diese Klarstellung bedeutsam. Selbst wenn die AfD stark abschneidet, sinken ihre Chancen auf politische Gestaltung, wenn neue Parteien wie das BSW eine Zusammenarbeit kategorisch ausklammern. Für Wählerinnen und Wähler schafft die Positionierung Orientierung: Wer BSW wählt, unterstützt nach den Aussagen Wagenknechts keine Regierung unter einem AfD-Ministerpräsidenten, selbst wenn dies arithmetisch möglich wäre.
