Mihalic, Wirkung

Mihalic zweifelt an Wirkung stationÀrer Grenzkontrollen

29.11.2023 - 18:34:48 | dts-nachrichtenagentur.de

Die Bundestagsparteien bewerten die im Oktober ausgeweiteten stationÀren Grenzkontrollen unterschiedlich.

Irene Mihalic (Archiv) - Foto: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
Irene Mihalic, parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der GrĂŒnen, zweifelt an der Wirkung des neuen Vorgehens. "Wir werten die Ergebnisse der stationĂ€ren Grenzkontrollen kontinuierlich aus", sagte Mihalic der "Welt" (Donnerstagausgabe).

"Erfolg oder Misserfolg der Maßnahmen lassen sich nach so kurzer Zeit noch nicht eindeutig bewerten. Ich bin weiterhin skeptisch, ob dauerhaft stationĂ€re Grenzkontrollen der richtige Ansatz sind, um gerade auch die SchleuserkriminalitĂ€t erfolgreich zu bekĂ€mpfen", so die GrĂŒnen-Politikerin. "Mobile Kontrollen, die auf vorangegangenen Ermittlungen und belastbaren Lagebildern basieren, scheinen mir weiterhin geeigneter." Die Union sieht das anders. "Die stationĂ€ren Grenzkontrollen sind ein großer Erfolg", sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Alexander Throm (CDU). Sie bewirkten einen "Domino-Effekt", sodass auch andere LĂ€nder auf der Route ihrerseits die Grenzen besser kontrollierten. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) habe "grob fahrlĂ€ssig" gehandelt, indem sie sich zuvor monatelang gegen stationĂ€re Kontrollen an den Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz gestemmt habe. "Eine Bundesinnenministerin, die sich bei der Notwendigkeit von Kontrollen zur Begrenzung der illegalen GrenzĂŒbertritte so fundamental geirrt hat, ist ein Sicherheitsproblem fĂŒr das Land", so Throm. Es sei "notwendig, die festen Grenzkontrollen so lange fortzufĂŒhren, bis die SchleuserkriminalitĂ€t besiegt und die unerlaubten Einreisen beendet sind". SPD-Fraktionsvize Dirk Wiese hĂ€lt "die stationĂ€ren Kontrollen an den Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz als Teil eines Gesamtkonzepts gegen irregulĂ€re GrenzĂŒbertritte fĂŒr ein effektives Instrument, neben der intensivierten Schleierfahndung und den flexiblen Schwerpunktkontrollen". FĂŒr den RĂŒckgang der Zahlen seien aber "mehrere Faktoren ursĂ€chlich, nĂ€mlich ineinandergreifende, wirksame Maßnahmen hierzulande und in Transitstaaten, aber auch die kalte Witterung", so Wiese. "Die offenen Grenzen mĂŒssen wir unbedingt bewahren. Die langfristige und grundsĂ€tzliche Einrichtung stationĂ€rer Grenzkontrollen widersprechen diesem Prinzip." Gottfried Curio, der innenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, sieht im RĂŒckgang der unerlaubten Einreisen ein "kurzfristig signifikant positives Resultat". Er kritisiert aber, dass unerlaubte Einreisen von Asylsuchenden weiter zugelassen wĂŒrden. Clara BĂŒnger, asylpolitische Sprecherin der Linkspartei, nimmt die Lage anders wahr. "Es ist nicht ĂŒberraschend, dass die Zahl sogenannter unerlaubter Einreisen nach der EinfĂŒhrung stationĂ€rer Kontrollen an den Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz zurĂŒckgegangen ist. ErfahrungsgemĂ€ĂŸ fĂŒhrt die VerschĂ€rfung von Grenzkontrollen an einem Ort hĂ€ufig dazu, dass FlĂŒchtende auf andere Fluchtwege ausweichen", so BĂŒnger. "Die GrĂŒnde fĂŒr ihre Flucht und ihre Not hören aber nicht auf. Deshalb wĂ€re es vollkommen unangemessen, den RĂŒckgang festgestellter unerlaubter Einreisen als Erfolg zu feiern." Auch die Gewerkschaft der Polizei Berlin-Brandenburg fĂŒhrte die zuletzt geringere Zahl undokumentierter GrenzĂŒbertritte auf eine Verlagerung der Fluchtrouten zurĂŒck. Der Großteil der Asylsuchenden, die nach Deutschland kommen, gelten zunĂ€chst als "illegal eingereist", da AsylantrĂ€ge fĂŒr gewöhnlich erst im Inland gestellt werden können. Werden die AntrĂ€ge genehmigt, gelten die FlĂŒchtlinge jedoch als regulĂ€r aufhĂ€ltig.

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