Titel, TrÀnen, Zukunftsfragen: EisbÀren Berlin vor Umbruch?
04.05.2026 - 11:47:52 | dpa.deMit goldenem Konfetti auf dem von Sekt und Bier verklebten Trikot genoss Marcel Noebels noch diesen Moment mit seinen Berliner EisbĂ€ren. WĂ€hrend sich der Routinier nach der erneuten Titelverteidigung mit bewegenden Worten vom Eishockey-Serienmeister verabschiedete, klatschte Coach Serge Aubin mit feuchten Augen alle Spieler und seinen Trainerstab ab.Â
Was zunĂ€chst nicht wie ein Lebewohl aussah, dĂŒrfte genau das gewesen sein. Denn dem Rekordchampion der Deutschen Eishockey Liga droht der Abgang seines Meistermachers. Ein Bericht des schweizerischen Nachrichtenportals «Watson.ch» deckt sich mit dpa-Informationen, wonach Aubin vor einem Wechsel zum SC Bern steht - trotz eines bis 2028 laufenden Vertrags, der im Juni 2025 vorzeitig verlĂ€ngert wurde. Auch «Bild» und «Kicker» berichteten.
Die JubelstĂŒrme in der SAP Arena nach dem 4:1 waren kaum verklungen, die Bilder des zwölften Meistertitels noch frisch. Und doch mischte sich in die ausgelassene Stimmung bei den Berlinern bereits eine nachdenkliche Note.
Noebels hÀtte Karriere gerne in Berlin beendet
Noebels erklĂ€rte nach seiner fĂŒnften Meisterschaft in zwölf Jahren: «FĂŒr mich ist die Finalserie sehr emotional. Klar, ich wusste im Endeffekt, dass das letzte Spiel kommen wird. Nichtsdestotrotz glaube ich, hĂ€tte es fĂŒr mich keinen besseren Abschied geben können.»
UrsprĂŒnglich habe er geplant, seine Karriere in Berlin zu beenden, meinte er. «Ich wĂ€re natĂŒrlich gerne noch viele, viele weitere Jahre hier geblieben. Aber manchmal gibt es im Leben Sachen, die man nicht einplant. Aber wenn eine TĂŒr zugeht, dann geht eine andere auf.»Â
Der Weg des Olympia-Silbermedaillengewinners von 2018 fĂŒhrt offenbar zu den Kölner Haien, die wie die beiden anderen Playoff-Gegner Straubing Tigers und Adler Mannheim von der Wucht der EisbĂ€ren ĂŒberwĂ€ltigt wurden.
Coach Aubin stellt Clubrekord ein
Dabei galt diese Meisterschaft lange als die unwahrscheinlichste. Verletzungen wichtiger Spieler warfen die Berliner immer wieder zurĂŒck - darunter LeistungstrĂ€ger Blaine Byron und Ty Ronning. Bilder vom im Rollstuhl feiernden Lean Bergmann stehen sinnbildlich fĂŒr diese schwierige Saison, die aus EisbĂ€ren-Sicht erst nach der Olympia-Pause Schwung aufgenommen hat. Zudem dezimierten sie sich selbst durch die Sperre von KapitĂ€n Kai Wissmann.
Auch deswegen sei der Titel etwas Besonderes fĂŒr ihn persönlich, meinte Coach Aubin. FĂŒnfmal holte er die deutsche Meisterschaft mit den EisbĂ€ren und stellte damit den Clubrekord des legendĂ€ren Trainers Don Jackson ein. Wenn Aubin mit Berlin die Playoffs erreichte, verlor die Mannschaft keine einzige der 15 Serien.
Der Kanadier verwies auf die vielen RĂŒckschlĂ€ge und Herausforderungen, die sein Team in dieser Spielzeit zu meistern hatte. «Es gab eine lange Zeit Zweifel an uns. Aber wir sind damit gut umgegangen und zur richtigen Zeit aufgestanden.»
Beide TorhĂŒter vor dem Absprung
Als Torwart Jake Hildebrand, der angeblich schon bei den Adler Mannheim unterschrieben haben soll, sich verletzte, war dann auch noch sein Vertreter Jonas Stettmer zur Stelle - und wie: Der 24-JĂ€hrige trieb die Adler in die Verzweiflung und wurde zum besten Spieler der Finalserie gekĂŒrt. «Das hĂ€tte ich mir niemals ertrĂ€umt.» Aber: Auch Stettmer geht - voraussichtlich zurĂŒck zum ERC Ingolstadt.
WĂ€hrend die Meisterparty also noch nachhallt, beginnt im Hintergrund bereits die Neuordnung. Sportdirektor StĂ©phane Richer mahnt zur Ruhe, will den Moment genieĂen. «Jetzt feiern wir erst einmal den Meistertitel und dann reden wir ĂŒber VertrĂ€ge», sagte er der «Bild».
Was bleibt, ist ein GefĂŒhl zwischen ErfĂŒllung und Aufbruch. Die EisbĂ€ren haben einmal mehr gezeigt, dass sie die prĂ€gende Kraft der Liga sind - allen Widrigkeiten zum Trotz.
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