FU-PrÀsident schlÀgt vor: Exmatrikulation bei Straftaten
08.02.2024 - 12:42:42 | dpa.de
Nach dem mutmaĂlichen Angriff auf einen jĂŒdischen Studenten in Berlin will der PrĂ€sident der Freien UniversitĂ€t Berlin mit der Politik ĂŒber eine Ausweitung des Handlungsspielraums von Hochschulen sprechen.
«Wir wollen mit der Politik darĂŒber beraten, ob Exmatrikulationen in besonders extremen FĂ€llen in Berlin ermöglicht werden sollte», sagte PrĂ€sident GĂŒnter Ziegler dem «Tagesspiegel». «Wenn wir ĂŒber StraftĂ€ter reden, die eine Bedrohung fĂŒr andere Studierende darstellen, ist es eine wĂŒnschenswerte und notwendige MaĂnahme, die Personen am Studieren zu hindern.» Eine UniversitĂ€t funktioniere sonst nicht mehr als Gemeinschaft.
Ziegler betonte, er wĂŒnsche sich eine ruhige und sachliche Debatte darĂŒber, in welchen Situationen Exmatrikulationen begrĂŒndet seien. Seine Meinungsbildung dazu sei noch nicht abgeschlossen. Zu «GesinnungsprĂŒfungen» dĂŒrfe es aber nicht kommen. Jemandem Antisemitismus zu unterstellen, könne zunĂ€chst kein Grund fĂŒr eine Exmatrikulation sein.
Pro-PalÀstina-Demo vor FU laut Polizei zunÀchst ohne Vorkommnisse
Derweil versammelten sich mehrere Dutzend Menschen zu einer Kundgebung unter dem Titel «SolidaritÀt mit PalÀstina» vor der Freien UniversitÀt Berlin (FU). Ein Polizeisprecher sprach von zunÀchst 50 Teilnehmenden, angemeldet waren 100. Bisher habe es keine Vorkommnisse gegeben.
Die Demonstranten standen anfangs ruhig vor der groĂen Mensa der FU in Dahlem und hielten Transparente und Schilder, etwa mit Aufschriften wie «Freiheit fĂŒr PalĂ€stina!» und «Stoppt die Heuchelei!». Manche trugen PalĂ€stinensertĂŒcher, spĂ€ter wurden«Free Palestine»-Sprechchöre angestimmt. Es gab einen Gegenprotest von Menschen mit Israel-Flaggen. Am Rande der Kundgebung kam es zu Wortgefechten, ein Mann mit Israel-Flagge und ein offenbar propalĂ€stinensisch eingestellter Mann wurden von der Polizei getrennt.
In sozialen Medien kursierte vorab ein Demoaufruf von einem «PalĂ€stinakommitee FU Berlin». Eine Sprecherin der Gruppe sagte, man richte sich «gegen LĂŒgen und Heuchelei» im Umgang mit dem Krieg Israels in Gaza. Ein 22-jĂ€hriger Student sagte, er sei extra von der Humboldt-UniversitĂ€t gekommen, um «gegen den Genozid» zu protestieren. Teilnehmer warfen den Unileitungen vor, zu einseitig Position fĂŒr Israel zu beziehen, propalĂ€stinensische SolidaritĂ€t werde mit dem Vorwurf des Antisemitismus unterdrĂŒckt.
Die FU distanzierte sich vorab von der Veranstaltung und stellte nach eigenen Angaben Strafanzeige, aufgrund von Inhalten von Plakaten mit dem Aufruf. Sie betonte, dass die Kundgebung auf der StraĂe stattfinde und daher weder von der FU genehmigt sei noch von ihr unterstĂŒtzt werde. «Sollte eine nicht genehmigte Veranstaltung auf das GelĂ€nde der Freien UniversitĂ€t ĂŒbergreifen, wird die Hochschule gegebenenfalls von ihrem Hausrecht Gebrauch machen», hieĂ es.
Hintergrund: Was ist passiert?
Am Wochenende war der jĂŒdische FU-Student Lahav Shapira mit KnochenbrĂŒchen im Gesicht ins Krankenhaus gekommen. Ein 23 Jahre alter propalĂ€stinensischer Kommilitone soll ihn im Ausgehviertel in Berlin-Mitte geschlagen und getreten haben. Danach war von mehreren Seiten eine Exmatrikulation des betreffenden Studenten gefordert worden. Laut FU ist dies in Berlin aus rechtlichen GrĂŒnden in solchen FĂ€llen aber nicht möglich.
Berlins Regierungschef Kai Wegner (CDU) hatte dazu am Mittwoch erklĂ€rt, die Hochschule brauchten Instrumente, damit sie konsequent und schnell handeln könnten. «Wenn dazu eine Ănderung des Hochschulgesetzes erforderlich sein sollte, werden wir in der Koalition darĂŒber sprechen.»
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