GIZ verschĂ€rft Kontrollmechanismen fĂŒr Entwicklungsprojekte
24.06.2026 - 04:30:04 | dpa.de
Nach BetrugsfĂ€llen bei Entwicklungsprojekten im Jemen hat die Gesellschaft fĂŒr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ihre Kontrollmechanismen in RisikolĂ€ndern wie Syrien oder der Ukraine verschĂ€rft. «Es gibt ein ganzes Setting an Regeln, die verĂ€ndert und verschĂ€rft wurden. Deren Einhaltung ĂŒberprĂŒfen wir sehr eng, um die Risiken deutlich zu reduzieren», sagte Vorstandssprecher Thorsten SchĂ€fer-GĂŒmbel der Deutschen Presse-Agentur.Â
Zu den strengeren Regelungen gehören laut GIZ seit 2023 jĂ€hrliche Kontrollen von Projekten in etwa 30 Gebieten, die die Organisation aufgrund von Kriterien wie der Sicherheitslage oder Korruptionsgefahren als Risiko- oder HochrisikolĂ€nder eingestuft hat. Zudem wechseln die fĂŒr Finanzen zustĂ€ndigen Mitarbeiter in diesen LĂ€ndern hĂ€ufiger und mehr Abrechnungsprozesse werden digitalisiert.
Betrug bei Abrechnungen im Jemen
Auslöser fĂŒr die VerschĂ€rfung der Regeln seien BetrugsfĂ€lle bei Entwicklungsprojekten im Jemen gewesen, sagte SchĂ€fer-GĂŒmbel. «Eine Gruppe der nationalen Mitarbeiter hat das System missbraucht, um sich zu ihrem Vorteil zu bedienen.» Demnach soll die GIZ um einen unteren zweistelligen Millionenbereich geschĂ€digt worden sein - etwa mit fingierten Abrechnungen. 24 jemenitischen Mitarbeitern habe die GIZ deshalb gekĂŒndigt oder deren VertrĂ€ge nicht verlĂ€ngert. Das Gesamtvolumen der Projekte in dem BĂŒrgerkriegsland habe zwischen 2019 und 2024 rund 208 Millionen Euro betragen.
Seit Anfang 2014 seien die Entwicklungsprojekte im Bereich Gesundheits- und Wasserversorgung sowie BeschĂ€ftigungsförderung wegen der fragilen Sicherheitslage in «Fernsteuerung» gefĂŒhrt worden, sagte SchĂ€fer-GĂŒmbel. Grund sei ein Terroranschlag im Dezember 2013 gewesen. Danach hĂ€tten die deutschen Mitarbeiter der GIZ den Jemen kurzfristig verlassen mĂŒssen. Bei dem Anschlag seien drei GIZ-Mitarbeiter ums Leben gekommen, darunter auch der Landesdirektor.Â
«Es gibt kein anderes Land der Welt, in dem wir zehn Jahre lang unter diesen Ă€uĂerst schwierigen Bedingungen gearbeitet haben.» Nachdem Mitte 2022 wieder deutsche GIZ-Mitarbeiter in den Jemen reisen konnten, hĂ€tten sich die Hinweise auf BetrugsfĂ€lle verdichtet, so dass PrĂŒfungen der Projekte zwischen 2019 und 2024 eingeleitet worden seien, sagte SchĂ€fer-GĂŒmbel weiter.Â
Entwicklungsprojekte im Jemen werden beendet
Im FrĂŒhjahr 2023 habe die GIZ erstmals die Bundesregierung ĂŒber die VorfĂ€lle informiert, heiĂt es aus dem Bundesentwicklungsministerium auf Anfrage. Eine externe Untersuchung laufe derzeit noch, da sie sich durch die schwierige Sicherheitslage verzögert habe. Die Entwicklungsarbeit im Jemen werde aber als Konsequenz bis Ende des Jahres beendet und das dortige GIZ-BĂŒro geschlossen.
