Grüne planen Energiepauschale bis 250 Euro und höhere E-Auto-Prämien
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Grünen fordern zur Bekämpfung der steigenden Energiepreise eine Energiepauschale von bis zu 250 Euro pro Kopf. Grundlage ist ein Aktionsplan von Parteichefin Franziska Brantner, dem energiepolitischen Sprecher der Bundestagsfraktion, Michael Kellner, sowie der Spitzenkandidatin für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, Claudia Müller.
Energiepauschale aus Übergewinnen fossiler Konzerne
In dem Papier heißt es, die Menschen ächzten unter den hohen Preisen für Gas und Benzin und bräuchten sofort Entlastung. Vorgesehen ist eine sozial gestaffelte Energiepauschale von bis zu 250 Euro pro Person, die aus „übermäßigen Milliardengewinnen der fossilen Konzerne“ finanziert werden soll. Nach Vorstellung der Grünen soll eine Übergewinnsteuer die Krisengewinne abschöpfen.
Laut Aktionsplan geht es um zweistellige Milliardenbeträge, die als Energiepauschale an die Bevölkerung zurückgegeben werden könnten. Die Partei verweist auf die Belastungen für Privathaushalte und Unternehmen durch die „Sprit-Inflation“ und betont, diese schade sowohl der Bevölkerung als auch der Wirtschaft.
Senkung der Stromsteuer als Impuls für Elektrifizierung
Darüber hinaus verlangen die Grünen eine Senkung der Stromsteuer. Niedrigere Strompreise sollen E-Mobilität, Wärmepumpen und elektrische Produktionsanlagen attraktiver machen und den Umstieg auf eine stärker elektrische Energie- und Produktionsweise beschleunigen. Ziel ist es, die Abhängigkeit von Gas- und Benzinpreisen zu verringern.
In dem Papier wird die Zukunft ausdrücklich als elektrisch beschrieben. Durch günstigeren Strom sollen Investitionen in entsprechende Technologien erleichtert werden, wodurch mittelfristig fossile Energieträger weniger stark nachgefragt werden.
Höhere Prämien für Elektroautos und sozialer Umstiegsbonus
Als dritten Baustein sehen die Grünen deutlich höhere staatliche Prämien beim Erwerb von Elektroautos vor. Wer auf ein E-Auto umsteige, spüre bereits jetzt, wie günstig Autofahren sein könne, heißt es in dem Aktionsplan. Benzin und Diesel würden immer teurer, und nach den jüngsten Angriffen in Saudi-Arabien sei mit weiter hohen Preisen zu rechnen.
Um den Umstieg zu erleichtern, wollen die Grünen die Förderung für diejenigen erhöhen, die sie besonders benötigen. Für Menschen mit kleinem Einkommen ist ein zusätzlicher Umstiegs-Bonus von 1.000 Euro vorgesehen. Diese Förderung soll jedoch nicht für den Erwerb von Autos aus chinesischer Produktion gelten.
Appell an Bundeswirtschaftsministerin Reiche
Abschließend mahnen die Grünen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die Gasspeicher zu füllen und den Ausbau der erneuerbaren Energien zu verstärken. Gasspeicher und erneuerbare Energien werden in dem Papier als zentrale Instrumente für Versorgungssicherheit und Klimaschutz genannt.
Der Aktionsplan verbindet damit kurzfristige Entlastung durch eine Energiepauschale mit strukturellen Maßnahmen zur Elektrifizierung und einer stärkeren Ausrichtung der Energieversorgung auf erneuerbare Quellen.
Die Forderung der Grünen nach einer Energiepauschale von bis zu 250 Euro pro Kopf greift Sorgen vieler Haushalte auf, die unter anhaltend hohen Preisen für Gas, Benzin und Strom leiden. Die Kombination aus Energiepauschale, Übergewinnsteuer für fossile Konzerne und gezielten Investitionsanreizen für Elektromobilität zielt darauf ab, kurzfristige Entlastung mit langfristiger Strukturveränderung zu verbinden.
Hintergrund der Debatte um Energiepreise
Seit mehreren Jahren sorgen geopolitische Spannungen, Angebotsverknappungen und Investitionsunsicherheit für volatile und häufig hohe Energiepreise. Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen sind davon besonders betroffen, weil sie einen größeren Teil ihres Budgets für Heizen, Strom und Mobilität aufwenden. Forderungen nach Entlastungspaketen, Energiepreisbremsen und direkten Transfers an Bürgerinnen und Bürger gehören daher inzwischen zum festen Bestandteil der politischen Auseinandersetzung.
Die Übergewinnsteuer, aus deren Einnahmen die Energiepauschale finanziert werden soll, steht in mehreren europäischen Staaten zur Diskussion. Befürworter argumentieren, außergewöhnliche Krisenprofite von Energiekonzernen sollten teilweise abgeschöpft und zur Entlastung der Bevölkerung genutzt werden. Kritiker warnen vor möglichen Investitionshemmnissen und juristischen Streitigkeiten. Die Grünen ordnen diese Steuer klar als Instrument ein, um „übermäßige Milliardengewinne der fossilen Konzerne“ an die Bürger zurückzugeben.
Bedeutung für Verkehrswende und Industrie
Mit der Senkung der Stromsteuer sowie höheren E-Auto-Prämien verbinden die Grünen das Ziel, den Übergang zu einer elektrifizierten Mobilität und Produktion zu beschleunigen. Niedrige Strompreise können die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen, E-Autos und elektrischen Produktionsanlagen verbessern und damit den Ausstieg aus fossilen Energieträgern unterstützen. Die geplante Umstiegsprämie von zusätzlich 1.000 Euro für einkommensschwächere Haushalte und der Ausschluss chinesischer Fahrzeuge aus der Förderung verdeutlichen zugleich, dass soziale und industriepolitische Ziele miteinander verknüpft werden sollen.
Ausblick auf energiepolitische Konfliktlinien
Der Appell an die Bundeswirtschaftsministerin, die Gasspeicher zu füllen und die erneuerbaren Energien stärker zu fördern, zeigt, dass Versorgungssicherheit und Energiewende zusammen gedacht werden. In der kommenden Zeit dürfte sich die politische Auseinandersetzung vor allem um die Ausgestaltung einer möglichen Übergewinnsteuer, die Treffsicherheit der Energiepauschale und die Frage drehen, wie sozial ausgewogen und industriepolitisch sinnvoll E-Auto-Förderprogramme gestaltet werden können.
