Stromsteuer, MinisterprÀsidentenkonferenz

Stromsteuer: LĂ€nder fordern Senkung fĂŒr alle zum 1. Januar

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 12:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die LĂ€nder verlangen von der Bundesregierung, das Versprechen aus dem Koalitionsvertrag vollstĂ€ndig einzulösen. Die Finanzierung bleibt umstritten, weil eine Entlastung fĂŒr alle erhebliche Mindereinnahmen bedeuten wĂŒrde.

Streit um Kosten und Umsetzung

  • Nordrhein-Westfalens MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst fordert eine rasche Entlastung fĂŒr private Haushalte sowie Handwerk, Handel und Dienstleistungen.
  • Die MinisterprĂ€sidentenkonferenz berĂ€t am 22. Oktober in Berlin ĂŒber bundespolitische Themen einschließlich der Stromsteuer.
  • Rheinland-Pfalz nennt den 1. Januar als Wunschdatum fĂŒr die Senkung auf das europĂ€ische Mindestmaß.
  • Die LĂ€nder machen Druck auf den Bund zur Senkung der Stromsteuer fĂŒr alle. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
  • Saarland und Mecklenburg-Vorpommern wollen auch eine Entlastung bei den hohen Heizölpreisen. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Die LĂ€nder machen Druck auf den Bund zur Senkung der Stromsteuer fĂŒr alle. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa Saarland und Mecklenburg-Vorpommern wollen auch eine Entlastung bei den hohen Heizölpreisen. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

LÀnder erhöhen Druck bei der Stromsteuer

Die BundeslĂ€nder verlangen von der Bundesregierung eine schnelle Senkung der Stromsteuer fĂŒr private Haushalte und alle Unternehmen. Nordrhein-Westfalens MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst sagte vor Beginn der MinisterprĂ€sidentenkonferenz in Berlin, die Energiekosten seien fĂŒr viele Menschen und Betriebe eine enorme Belastung.

WĂŒst und Schwesig fordern schnelle Entlastung

WĂŒst forderte die Senkung fĂŒr private Haushalte, Handwerk, Handel und Dienstleistungsunternehmen. Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig verwies darauf, dass die Maßnahme im Koalitionsvertrag von Union und SPD festgeschrieben sei.

Nach ihren Worten könne eine niedrigere Stromsteuer sowohl die Bevölkerung als auch die Wirtschaft entlasten. In Deutschland werde Strom bereits fĂŒr fĂŒnf Cent produziert; dieser gĂŒnstige grĂŒne Strom mĂŒsse auch bei Verbrauchern und Unternehmen ankommen.

Koalitionsversprechen bislang nicht vollstÀndig umgesetzt

Die schwarz-rote Bundesregierung hatte angekĂŒndigt, die Stromsteuer fĂŒr alle auf das europĂ€ische Mindestmaß zu senken. Bislang gilt die Entlastung jedoch nur fĂŒr die Industrie, das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft.

Private Haushalte und andere Unternehmen profitieren bisher nicht von der Senkung. Der rheinland-pfĂ€lzische MinisterprĂ€sident Gordon Schnieder sagte, die nicht erfĂŒllte Zusage beschĂ€dige Vertrauen; als Wunschdatum nannte er den 1. Januar.

Finanzierung bleibt das zentrale Problem

Bundeskanzler Friedrich Merz plĂ€diert dafĂŒr, finanzielle SpielrĂ€ume im Haushalt fĂŒr die vollstĂ€ndige Umsetzung zu nutzen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ist grundsĂ€tzlich offen, bezweifelt aber, dass sich die Entlastung dauerhaft finanzieren lĂ€sst.

Auch mehrere LĂ€nder verweisen auf die engen Haushaltsmöglichkeiten. Niedersachsens MinisterprĂ€sident Olaf Lies nannte die Netzentgelte als großen Kostentreiber und bezeichnete niedrigere Stromkosten als wirksamer als manche Förderprogramme. Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte betonte zugleich, eine Steuersenkung habe finanzielle Konsequenzen.

LĂ€nder fordern weitere Entlastungen

Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland verlangen zudem, den zugesagten Spritpreisdeckel rasch umzusetzen. Saarlands MinisterprĂ€sidentin Anke Rehlinger forderte außerdem UnterstĂŒtzung fĂŒr Menschen mit hohen Heizölkosten.

Die Forderung der LĂ€nder trifft auf ein Versprechen, das Union und SPD im Koalitionsvertrag festgehalten haben: Die Stromsteuer sollte fĂŒr alle auf das europĂ€ische Mindestmaß sinken. Umgesetzt wurde bislang nur eine Entlastung fĂŒr Industrie, produzierendes Gewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft. Private Haushalte, Handwerk, Handel und Dienstleistungsunternehmen profitieren davon nicht.

FĂŒr die Bundesregierung geht es damit um einen Zielkonflikt zwischen Entlastung und Haushaltsdisziplin. Eine vollstĂ€ndige Senkung wĂŒrde nach Angaben des ZDF mehrere Milliarden Euro jĂ€hrlich kosten. Bundeskanzler Friedrich Merz unterstĂŒtzt die Umsetzung grundsĂ€tzlich, wĂ€hrend Finanzminister Lars Klingbeil auf die fehlende dauerhafte Gegenfinanzierung verweist.

Stromkosten bleiben politischer Streitpunkt

Die Debatte reicht ĂŒber die Stromsteuer hinaus. Niedersachsens MinisterprĂ€sident Olaf Lies verweist auf Netzentgelte als wesentlichen Kostentreiber. Das zeigt, dass eine Steuerentlastung zwar unmittelbar wirken könnte, aber nicht alle Bestandteile des Strompreises erfasst.

FĂŒr Verbraucher wĂ€re eine Senkung vor allem bei dauerhaft niedrigeren Monatskosten relevant. Unternehmen könnten bei einer Entlastung ihre Energiekosten reduzieren, doch die Wirkung hinge vom Verbrauch und von der konkreten Ausgestaltung ab. Der von den LĂ€ndern gewĂŒnschte 1. Januar markiert deshalb einen politischen Zieltermin, dessen Umsetzung an der Finanzierung und an einem Beschluss der Bundesregierung hĂ€ngt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDF: „WĂŒst fordert Senkung der Stromsteuer fĂŒr alle“ (22.10.2026)

Der Beitrag berichtet ĂŒber WĂŒsts Forderung vor der MinisterprĂ€sidentenkonferenz und nennt eine mögliche Entlastung von mehr als fĂŒnf Milliarden Euro jĂ€hrlich. Als zusĂ€tzlichen Kontext hebt er die hohe deutsche Strompreisbelastung im internationalen Vergleich hervor.

Deutschlandfunk: „MinisterprĂ€sidentenkonferenz WĂŒst fordert rasche Senkung der Stromsteuer fĂŒr alle“ (22.10.2026)

Der Beitrag bestÀtigt den Druck aus Nordrhein-Westfalen und stellt die vollstÀndige Umsetzung des Koalitionsversprechens in den Mittelpunkt. Anders als der ZDF-Beitrag bleibt die Darstellung auf die politische Forderung und die bisherige Begrenzung der Steuerentlastung konzentriert.

Beide BeitrĂ€ge stimmen darin ĂŒberein, dass private Haushalte und weitere Unternehmensgruppen bislang nicht von der Senkung profitieren. Offen bleibt die Finanzierung einer Ausweitung und der konkrete Zeitpunkt der Umsetzung.

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