Gasspeicher bei 58 Prozent: Linke fordert 150 Euro Krisengeld
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Linksfraktion im Bundestag fordert wegen niedriger Füllstände in deutschen Gasspeichern ein Energiekrisengeld von 150 Euro für jeden Bürger. Der energiepolitische Sprecher Jörg Cezanne sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, die Auszahlung solle zusätzlich zum jährlichen Klimageld von 320 Euro möglichst schnell erfolgen.
Auszahlung über die Steuererklärung
Nach den Vorstellungen der Linken soll das Energiekrisengeld im Rahmen der Steuererklärung als zusätzliches Einkommen berücksichtigt werden. Dadurch würden Menschen mit niedrigen Einkommen und Personen ohne Steuerpflicht besonders stark profitieren, erklärte Cezanne.
Die Forderung ist Teil eines Sechs-Punkte-Plans für eine bezahlbare Gasversorgung. Die Linksfraktion will Uniper und SEFE verpflichten, die Gasspeicher kontinuierlich weiter zu befüllen, und fordert eine unabhängige Aufsicht zur Beobachtung der Gaspreise.
Linke verlangt Eingriffe bei Konzernen und Sperren
Darüber hinaus sollen Gewinnmargen von Energiekonzernen reguliert und Gas- sowie Stromsperren verboten werden. Die Reprivatisierung der 2022 verstaatlichten Unternehmen Uniper und SEFE soll nach dem Willen der Partei gestoppt werden.
Zur Finanzierung von Entlastungen schlägt die Linksfraktion eine Übergewinnsteuer auf Öl, Gas und Kohle vor. Cezanne kritisierte, es sei falsch, von einer notwendigen Privatisierung von Uniper und SEFE auszugehen.
Speicher zu Beginn der Heizperiode bei 58 Prozent
Hintergrund der Forderungen sind nach Angaben der Linken Gasspeicher, die zu Beginn der Heizperiode nur zu etwa 58 Prozent gefüllt sind. Cezanne warf Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche vor, die Vorbereitung auf die Heizperiode nicht ausreichend priorisiert zu haben.
Wegen gestiegener Börsenpreise für Gas infolge des Iran-Kriegs befürchtet die Linksfraktion zudem hohe Nachzahlungen für viele Mieter.
Die Forderung nach einem Energiekrisengeld fällt in eine Phase, in der niedrige Speicherstände und geopolitische Risiken gleichzeitig auf den deutschen Gasmarkt wirken. Ein Füllstand von rund 58 Prozent bedeutet, dass zu Beginn der Heizperiode weniger Gas in den Speichern liegt als in Jahren mit stärkerer Sommerbefüllung. Die Speicher sind jedoch nur ein Teil der Versorgung: Auch laufende Importe, Flüssigerdgas und der Verbrauch von Haushalten und Industrie bestimmen, wie groß der Spielraum im Winter ist.
Besonders relevant ist die zeitliche Entwicklung. Die deutschen Speicher verfügen nach aktuellen Angaben über knapp 144 Terawattstunden Gas; ihre Gesamtkapazität liegt bei etwa 247 Terawattstunden. Bei einem normalen Winter kann die Versorgung nach Einschätzung der Bundesnetzagentur gesichert bleiben, während eine längere Kälteperiode oder weitere externe Preisschocks die Reserven schneller verringern würden.
Belastung für Haushalte
Für Verbraucher entsteht das Risiko vor allem über höhere Beschaffungskosten und spätere Nachzahlungen. Haushalte mit geringem Einkommen wären von einer solchen Entwicklung besonders stark betroffen, weil Heizkosten kurzfristig kaum reduziert werden können. Ein pauschales Energiekrisengeld würde unmittelbar entlasten, müsste aber aus dem Bundeshaushalt finanziert werden.
Der politische Streit reicht deshalb über die konkrete Auszahlung hinaus. Die Linksfraktion verbindet die Soforthilfe mit Forderungen nach staatlicher Einflussnahme auf Uniper und SEFE, einer stärkeren Kontrolle von Gaspreisen sowie einem Verbot von Gas- und Stromsperren. Parallel soll SEFE zusätzliches Gas beschaffen und bis Mitte Dezember acht Terawattstunden einspeichern. Damit stehen kurzfristige soziale Entlastung, Versorgungssicherheit und die künftige Eigentums- und Preisregulierung gemeinsam auf der politischen Agenda.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Beitrag bestätigt den Füllstand von rund 58 Prozent und ordnet die Lage anhand von Speicherinhalt, Verbrauch und Importen ein. Im Mittelpunkt steht die Einschätzung, dass bei einem normalen Winter keine Versorgungsprobleme erwartet werden, während eine außergewöhnliche Kälte oder weitere geopolitische Schocks die Lage verschärfen könnten.
Tagesschau: „Tankrabatt für Autofahrer, aber kein Nachlass beim Heizen: ungerecht?“ (02.10.2026)
Der Artikel richtet den Schwerpunkt auf die Belastung der Haushalte durch steigende Heizkosten und mögliche Zahlungsschwierigkeiten. Er ergänzt die politische Forderung nach einer pauschalen Soforthilfe um Hinweise auf bestehende Unterstützungsmöglichkeiten, ohne den aktuellen Speicherstand zum alleinigen Maßstab der Versorgungslage zu machen.
Übereinstimmung besteht beim erhöhten Kostendruck und der Bedeutung der Speicherstände. Unterschiede zeigen sich bei der Bewertung des Versorgungsrisikos und beim Schwerpunkt: Während die Frankfurter Rundschau die Systemstabilität betrachtet, stellt die Tagesschau die soziale Verteilung der Energiekosten in den Vordergrund.
