Stromsteuer und Spritpreisdeckel: Länder fordern Tempo vom Bund
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 17:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBeschlüsse zur Entlastung und Sicherheit
- Die MPK tagte in Berlin und fasste ihren Beschluss zur Stromsteuer gemeinsam mit weiteren Länderforderungen.
- Die Stromsteuer gilt bislang nur für Industrie, produzierendes Gewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft niedriger.
- Der Tankrabatt von 16,7 Cent je Liter endet zum Jahresende; ab dem 1. Januar 2027 soll eine Anschlussregelung greifen.
- Die Länder brachten außerdem einen neuen Straftatbestand gegen Spendensammler terroristischer Organisationen ins Gespräch.
Länder erhöhen Druck auf Bund bei Energiekosten
Die Ministerpräsidentenkonferenz hat den Bund in Berlin zu einer schnellen Senkung der Stromsteuer für alle und zu einem zeitigen Vorschlag für den angekündigten Spritpreisdeckel aufgefordert. Die Länder begründen ihre Forderungen mit weiterhin hohen Energiepreisen und dem Anspruch, das tägliche Leben bezahlbarer zu machen.
Stromsteuer bleibt finanziell umstritten
Im MPK-Beschluss heißt es, die Bundesregierung solle schnellstmöglich finanzielle Spielräume für eine Senkung der Stromsteuer nutzen. MPK-Vorsitzender Gordon Schnieder (CDU) sagte, der Bund habe diese Spielräume und müsse ein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einlösen.
Die Einnahmen aus der Stromsteuer fließen allein dem Bund zu. Eine Senkung würde daher die Länderhaushalte nicht direkt belasten; Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) bezweifelt jedoch, dass das leichte Plus aus der Steuerschätzung für zusätzliche Ausgaben ausreicht.
Entlastung bisher nur für bestimmte Branchen
Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist eine Senkung der Stromsteuer für alle auf das europäische Mindestmaß angekündigt. Umgesetzt wurde sie bislang nur für die Industrie, das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft.
Auch Kanzler Friedrich Merz (CDU) spricht sich dafür aus, finanzielle Spielräume zu nutzen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst forderte eine möglichst schnelle Entlastung, während Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte (SPD) auf die finanziellen Folgen verwies.
Tankrabatt läuft zum Jahreswechsel aus
Der angekündigte Spritpreisdeckel soll nach den Vorstellungen der Länder nicht erst zum Jahreswechsel konkretisiert werden. Olaf Lies, Ko-Vorsitzender der MPK, verlangte Klarheit darüber, wie es nach dem 1. Januar 2027 weitergeht.
Die Bundesregierung hatte im September Gespräche mit der Mineralölwirtschaft über einen Spritpreisdeckel angekündigt. Der seit Anfang Oktober geltende Tankrabatt von 16,7 Cent je Liter ist bis zum Jahresende befristet.
Länder beraten auch über Terrorfinanzierung
Abseits der Lebenshaltungskosten brachten die Länder eine Gesetzesänderung zur Bekämpfung der Finanzierung extremistischer und terroristischer Strukturen ins Gespräch. Vorgeschlagen wurden ein neuer Straftatbestand für Spendensammler terroristischer Organisationen und eine erleichterte Abschöpfung entsprechender Gelder.
Schnieder übernimmt Kulturamt 2027
Die MPK entschied zudem, dass Schnieder 2027 Bevollmächtigter für die deutsch-französischen Bildungs- und Kulturbeziehungen wird. Er folgt auf Saarlands Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD); die Amtszeit dauert vier Jahre und endet Ende 2030.
Der MPK-Beschluss verschärft den politischen Druck auf die Bundesregierung, weil die Entlastung bei der Stromsteuer im Koalitionsvertrag zwar angekündigt, für private Haushalte und viele Unternehmen aber noch nicht umgesetzt wurde. Bisher gilt die Senkung nur für Industrie, produzierendes Gewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft.
Die zentrale Hürde bleibt die Finanzierung. Eine niedrigere Stromsteuer würde zwar nicht direkt die Länderhaushalte belasten, im Bundeshaushalt aber Einnahmen mindern. Damit stehen sich der Anspruch auf niedrigere Energiekosten und die Frage gegenüber, welche Ausgaben oder Einnahmen den Schritt absichern sollen.
Entscheidung vor dem Jahreswechsel
Beim Spritpreis geht es um einen besonders konkreten Übergang: Der seit Anfang Oktober geltende Tankrabatt von 16,7 Cent je Liter endet zum Jahreswechsel. Die Länder verlangen deshalb einen zeitigen Vorschlag, damit Verbraucher und Unternehmen wissen, welche Regelung ab dem 1. Januar 2027 gelten soll.
Für Verbraucher bedeutet die Debatte, dass Strom- und Mobilitätskosten politisch gemeinsam betrachtet werden. Eine Stromsteuersenkung könnte Haushalte und Betriebe bei den laufenden Energiekosten entlasten; beim Spritpreis hängt die Wirkung eines Deckels von seiner konkreten Ausgestaltung und Finanzierung ab. Der MPK-Beschluss setzt dafür Fristen des politischen Handlungsdrucks, ersetzt aber noch keine Entscheidung der Bundesregierung.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesschau: „MPK: Länderchefs wollen schnellstmögliche Stromsteuersenkung“ (22.10.2026)
Der Beitrag berichtet über die einstimmige Forderung der Länder nach einer Senkung der Stromsteuer. Im Mittelpunkt steht damit ebenso wie in der dpa-Meldung der politische Druck auf den Bund; die Finanzierungsfrage bleibt der entscheidende offene Punkt.
Deutschlandfunk: „Wüst fordert rasche Senkung der Stromsteuer für alle“ (22.10.2026)
Der Bericht hebt den Vorstoß des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst für private Haushalte und alle Unternehmen hervor. Damit setzt er einen Schwerpunkt auf die Forderung vor dem MPK-Beschluss, während die dpa-Meldung zusätzlich den Spritpreisdeckel und weitere Beschlüsse einordnet.
Die Beiträge stimmen in der Forderung nach einer schnellen Stromsteuersenkung überein. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Schwerpunkt: Während der Tagesschau-Bericht den MPK-Beschluss betont, stellt der Deutschlandfunk Wüsts politischen Vorstoß heraus; die Finanzierung bleibt offen.
