SteuerschÀtzung 2027, Lars Klingbeil

Stromsteuer: Klingbeil sieht trotz 4,1 Milliarden kein Geld

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 15:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die SteuerschĂ€tzung bringt dem Bund zwar zusĂ€tzliche Einnahmen, zugleich sinkt wegen der besseren Konjunktur der mögliche Kreditrahmen. FĂŒr die von Friedrich Merz angekĂŒndigte Entlastung privater Haushalte fehlt damit eine gesicherte Finanzierung.

Haushaltszahlen und SteuerplÀne

  • FĂŒr den Bund werden 2027 Steuereinnahmen von 398,6 Milliarden Euro prognostiziert.
  • Die gesamtstaatlichen Einnahmen sollen bis 2030 gegenĂŒber der Mai-SchĂ€tzung um 43,4 Milliarden Euro steigen.
  • Der Bundestag soll den Haushalt 2027 Ende November beschließen.
  • Klingbeil hat schlechte Nachrichten fĂŒr die Union. - Bild: Britta Pedersen/dpa
  • Die bessere Konjunktur spĂŒlt etwas mehr Geld in die Kassen. (Illustration) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • FĂŒr eine Senkung der Stromsteuer reichen die Mehreinnahmen nicht. (Illustration) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
Klingbeil hat schlechte Nachrichten fĂŒr die Union.  - Bild: Britta Pedersen/dpa Die bessere Konjunktur spĂŒlt etwas mehr Geld in die Kassen. (Illustration) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa FĂŒr eine Senkung der Stromsteuer reichen die Mehreinnahmen nicht. (Illustration) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa

SteuerschÀtzung erhöht Einnahmen, nicht den Haushaltsspielraum

Die Konjunktur zieht leicht an und bringt dem Bund 2027 voraussichtlich 4,1 Milliarden Euro mehr Steuereinnahmen als bislang erwartet. Finanzminister Lars Klingbeil sieht dennoch keinen Spielraum fĂŒr die von der Union geforderte Senkung der Stromsteuer fĂŒr private Haushalte.

Klingbeil verlangt FinanzierungsvorschlÀge

„Wer jetzt VorschlĂ€ge macht wie etwa die Senkung der Stromsteuer, sollte gleichzeitig auch VorschlĂ€ge mitbringen, wie man das Ganze finanziert“, sagte der SPD-Chef in Berlin. Wegen der besseren Wirtschaftslage darf die Regierung zugleich rund 2,5 Milliarden Euro weniger Schulden machen als von Klingbeil geplant.

ZusĂ€tzlich schlagen rund 1,7 Milliarden Euro fĂŒr die geplante Einkommensteuerreform zu Buche. Unter dem Strich entstehe daher kein neuer Spielraum, erklĂ€rte Klingbeil: „FĂŒr 2027 gewinnen wir insgesamt keine neuen SpielrĂ€ume hinzu, wir mĂŒssen aber auch keine neuen LĂŒcken schließen.“

Staat erwartet 10,9 Milliarden Euro mehr

FĂŒr den gesamten Staat rechnen die SteuerschĂ€tzer 2027 mit 10,9 Milliarden Euro höheren Einnahmen als bei der Prognose im Mai. In den Bundeshaushalt sollen 398,6 Milliarden Euro fließen; fĂŒr Bund, LĂ€nder und Kommunen zusammen wird mit etwas mehr als einer Billion Euro gerechnet.

Bis 2030 liegt die gesamtstaatliche Prognose 43,4 Milliarden Euro ĂŒber den Mai-Zahlen. Grundlage sind die jĂŒngste Wirtschaftsentwicklung und seit Mai beschlossene Gesetze mit finanziellen Auswirkungen.

Bessere Konjunktur stĂŒtzt die Prognose

Die Bundesregierung hob ihre Wachstumserwartung fĂŒr dieses Jahr von 0,5 auf 1,3 Prozent an. FĂŒr 2027 rechnet sie nun mit einem Plus von 1,1 statt 0,9 Prozent.

Als GrĂŒnde gelten unter anderem der starke Export sowie staatliche Investitionspakete fĂŒr Infrastruktur und Verteidigung. FĂŒr 2028 erwarten fĂŒhrende Wirtschaftsinstitute allerdings wieder nur ein geringes Wachstum.

Haushalt 2027 bleibt umkÀmpft

Die neue Steuerprognose dient als Grundlage fĂŒr den Bundeshaushalt 2027, den der Bundestag derzeit berĂ€t. Der Etat soll Ende November beschlossen werden.

Klingbeil hatte eine LĂŒcke von 34 Milliarden Euro in seinem Entwurf bereits geschlossen. DafĂŒr setzte er neben Einsparungen auch Einnahmen aus einer neuen Plastiksteuer sowie einer höheren Tabak- und Zuckersteuer an.

Gegen die Plastiksteuer gibt es in der Unionsfraktion erhebliche Vorbehalte. Die Zuckersteuer hat zwar das Kabinett passiert, doch die Union verlangt weiterhin Änderungen und Übergangsfristen.

Stromsteuer kostet Milliarden

Die Union fordert zusĂ€tzlich einen Ausgleich der kalten Progression, der im kommenden Jahr rund vier Milliarden Euro kosten wĂŒrde. Bundeskanzler Friedrich Merz kĂŒndigte außerdem eine Senkung der Stromsteuer auf das europĂ€ische Minimum fĂŒr private Haushalte und kleine Unternehmen an.

Die jĂ€hrlichen Kosten dafĂŒr werden auf rund 5,4 Milliarden Euro geschĂ€tzt. Mehrere LĂ€nder drĂ€ngen auf eine schnelle Umsetzung, darunter Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig.

Klingbeil erklĂ€rte, er sei zu einer stĂ€rkeren Entlastung bereit. Die Union mĂŒsse jedoch darlegen, woher das Geld kommen solle. „Wir können nichts versprechen, was man am Ende nicht halten kann“, sagte er.

GrĂŒne kritisieren fehlende Gegenfinanzierung

Unions-HaushĂ€lter Christian Haase verwies auf eine kluge Steuerpolitik und Strukturreformen als Grundlage fĂŒr wirtschaftliche Impulse. Auch er sieht keine Entwarnung fĂŒr den Haushalt 2027.

Der GrĂŒnen-HaushĂ€lter Sebastian SchĂ€fer bezeichnete die SteuerschĂ€tzung als keinen Befreiungsschlag fĂŒr Merz und Klingbeil. Merz verspreche eine Stromsteuersenkung fĂŒr alle, wĂ€hrend die Union weitere milliardenschwere Steuersenkungen fordere, ohne deren Finanzierung zu erklĂ€ren.

Die SteuerschĂ€tzung verbessert zwar die Einnahmeperspektive von Bund, LĂ€ndern und Kommunen. FĂŒr den Bundeshaushalt 2027 entsteht daraus jedoch kein frei verfĂŒgbares Plus: Höhere Einnahmen verringern zugleich den zulĂ€ssigen Kreditrahmen, und zusĂ€tzliche Ausgaben sind bereits eingeplant.

Besonders deutlich wird der politische Zielkonflikt bei der Stromsteuer. Die angekĂŒndigte Senkung auf das europĂ€ische Mindestmaß wĂŒrde private Haushalte und kleine Unternehmen entlasten, kostet nach der vorliegenden Planung aber rund 5,4 Milliarden Euro pro Jahr. Damit liegt der Finanzbedarf ĂŒber dem zusĂ€tzlichen Spielraum, den die SteuerschĂ€tzung allein fĂŒr den Bund ausweist.

Haushalt unter politischem Druck

Hinzu kommen der geplante Einkommensteuertarif, ein möglicher Ausgleich der kalten Progression sowie umstrittene Einnahmen aus neuen oder höheren Abgaben. Die Koalition muss daher nicht nur ĂŒber Entlastungen, sondern ebenso ĂŒber Einsparungen, PrioritĂ€ten und die VerlĂ€sslichkeit ihrer EinnahmeplĂ€ne entscheiden.

FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bedeutet das: Eine bessere Konjunktur fĂŒhrt nicht automatisch zu niedrigeren Stromkosten oder umfassenden Steuersenkungen. Maßgeblich wird nun, ob Union und SPD bis zur abschließenden Beratung des Bundeshaushalts 2027 eine belastbare Finanzierung vereinbaren.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ntv: „Mehr Steuereinnahmen 2027“ (22.10.2026)

Der Beitrag bestÀtigt die zusÀtzlichen Einnahmen, betont aber ebenfalls den fehlenden finanziellen Spielraum. Einen Schwerpunkt legt er auf die Schuldenbremse und die anstehenden Haushaltsverhandlungen.

ZDFheute: „SteuerschĂ€tzung: Mehr Einnahmen fĂŒr Bund, LĂ€nder und Kommunen“ (22.10.2026)

Der Artikel ordnet die Mehreinnahmen stĂ€rker in die verbesserte Wachstumsprognose ein. Zugleich stelle er den Forderungen nach Steuersenkungen die Kritik gegenĂŒber, die Bundesregierung mĂŒsse zunĂ€chst ihre Ausgaben begrenzen.

Einigkeit besteht ĂŒber höhere Einnahmeerwartungen, Unterschiede gibt es beim Schwerpunkt: WĂ€hrend ntv die Haushaltsfinanzierung und die Schuldenbremse hervorhebe, rĂŒcke ZDFheute Wachstum, Steuerforderungen und Ausgabendisziplin in den Mittelpunkt. Offen bleibt die konkrete Finanzierung der Stromsteuersenkung.

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