TUM-Studie kritisiert EU-Klimapolitik bei Autos als fehlgeleitet
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Technische Universität München wirft der Klimastrategie der Europäischen Union im Verkehrssektor eine substanzielle Fehlsteuerung vor. Grundlage ist eine TUM-Studie zur EU-Klimapolitik bei Autos, die am Dienstag in München vorgestellt werden soll und über die die „Bild-Zeitung" berichtet.
Kritik an angenommener Klimaneutralität von E-Autos
Die beteiligten Wissenschaftler kritisieren, dass Elektroautos nach der EU-Klimaverordnung als CO2-frei und damit klimaneutral eingestuft werden. Eine systematische Auswertung von 19 Studien und 47 Szenarien zeigt laut TUM, dass batterieelektrische Fahrzeuge im Vergleich zu Verbrennern zwar die CO2-Belastung senken, im Durchschnitt aber nur um 41 Prozent. Damit liege die tatsächliche Emissionsminderung deutlich unter der Klimaneutralität, die der Elektromobilität in der geltenden Regulierung zugeschrieben werde.
Lebenszyklus-Betrachtung statt Auspuffmessung
Die TUM-Professoren verwerfen den bisherigen Ansatz der EU-Regulatorik, CO2-Emissionen ausschließlich am Auspuff zu messen, als wissenschaftlich nicht haltbar. Nach ihrer Darstellung blendet diese Methode Emissionen aus, die bei der Rohstoffgewinnung, der Fahrzeug- und Batterieproduktion, im Betrieb und beim Recycling von Elektroautos entstehen. Besonders ins Gewicht fallen demnach CO2-Mengen, die in Stahl und Aluminium gebunden sind, sowie der Anteil von grünem oder fossilem Strom, der in Herstellung und Nutzung eines E-Autos eingesetzt wird.
Verpasste Dekarbonisierungspotenziale
Nach Einschätzung der TUM werden durch die bisherige EU-Regulatorik wesentliche potenzielle Beiträge zur Dekarbonisierung über den kompletten Lebenszyklus eines Fahrzeugs nicht erfasst. Dies habe gravierende industriepolitische Konsequenzen, weil regulative Anreize sich derzeit nahezu vollständig auf die Abgasemissionen im Betrieb konzentrieren. Andere Maßnahmen, etwa eine emissionsärmere Produktion oder alternative Antriebskonzepte, würden dadurch unzureichend berücksichtigt.
Warnung vor verfehlten Klimazielen
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die EU ihre eigenen Klimaziele im Verkehrssektor deutlich verfehlen wird, wenn sie weiterhin ausschließlich auf die Reduktion von CO2 im Abgas setzt. Die Forscher verweisen darauf, dass die Gesamtflotte auch in vier Jahren voraussichtlich noch zu 78 Prozent aus Verbrennerfahrzeugen bestehen wird. Die daraus resultierenden Emissionen würden den bisherigen Fortschritt durch Elektrofahrzeuge deutlich relativieren.
Anstehendes Automobil-Paket als politischer Wendepunkt
Im November steht ein umfassendes „Automobil-Paket" im Europaparlament und im Rat der EU zur Abstimmung, mit dem zentrale Weichen für die künftige Fahrzeugregulierung gestellt werden sollen. Vor diesem Hintergrund schlägt TUM-Präsident Thomas Hofmann nach Angaben der Studie Alarm. Die Ergebnisse der Untersuchung müssten vor den Beratungen in Brüssel in die politische Debatte einfließen, um neue ökonomische und ökologische Fehlsteuerungen zu verhindern.
Warnung vor Folgen für Europas Industrie
Die TUM-Studie sieht bei einem unveränderten Kurs der EU-Politik Fehlentscheidungen erheblichen Ausmaßes. Es gehe um den industriellen Kern Deutschlands und Europas, heißt es in der Untersuchung. Eine Regulierung, die sich allein am Auspuff orientiere und lebenszyklusbedingte Emissionen ausblende, gefährde demnach sowohl die Wirksamkeit der Klimapolitik als auch die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilbranche. Leserinnen und Leser werden am Ende aufgerufen, diesen Artikel an Freunde weiterzuleiten.
Die Studie der Technischen Universität München stellt die derzeitige EU-Klimapolitik im Verkehrssektor grundlegend infrage. Kern der Kritik ist, dass die Regulierung bisher nur die Emissionen am Auspuff erfasst und Elektrofahrzeuge pauschal als CO2-frei bewertet, obwohl ihre tatsächliche Klimabilanz vom gesamten Lebenszyklus abhängt. Dazu gehören Rohstoffgewinnung, Produktion – insbesondere der Batterien –, der Strommix im Betrieb sowie das Recycling.
Hintergrund der Debatte um E-Mobilität
Seit Jahren setzt die EU stark auf Elektromobilität, um die Emissionen im Straßenverkehr zu senken. Die CO2-Regulierung für Neuwagen knüpft fast ausschließlich an den Ausstoß im Fahrbetrieb an. Fahrzeuge mit Elektroantrieb werden daher in der Statistik mit null Gramm CO2 pro Kilometer bewertet, während Verbrenner zunehmend strengeren Grenzwerten und Ausstiegsdaten unterliegen. Die TUM-Studie kritisiert nun, dass dadurch zentrale Hebel zur Dekarbonisierung übersehen werden, etwa leichtere Bauweisen, alternative Kraftstoffe oder eine stärker am Lebenszyklus orientierte Fahrzeugproduktion.
Industriepolitische Dimension
Für die europäische und insbesondere die deutsche Automobilindustrie hat der Befund eine erhebliche Brisanz. Wenn die Regulierung falsche Anreize setzt, könnten Investitionen einseitig in bestimmte Technologien gelenkt werden, während andere klimawirksame Optionen vernachlässigt bleiben. Die Studie warnt vor ökonomischen und ökologischen Fehlsteuerungen, die sich über Jahre fortschreiben und den industriellen Kern Europas betreffen. Gleichzeitig verdeutlicht der Hinweis auf den nach wie vor hohen Anteil von Verbrennern in der Gesamtflotte, dass Übergangsphasen realistisch gestaltet werden müssen, um Klimaziele und Wettbewerbsfähigkeit in Einklang zu bringen.
Ausblick auf die anstehenden Entscheidungen
Mit Blick auf das im November anstehende „Automobil-Paket“ im Europaparlament und im Rat gewinnt die Studie an Aktualität. Sie zielt darauf, eine breitere Diskussion über Lebenszyklus-Emissionen und Technologieoffenheit anzustoßen, bevor neue Vorgaben beschlossen werden. Für Leser bedeutet dies: Die kommenden Monate könnten darüber entscheiden, ob die europäische Klimapolitik im Verkehrssektor einen Kurswechsel hin zu umfassenderen Bilanzierungen vollzieht oder ihre bisherige Linie fortsetzt – mit entsprechenden Folgen für Fahrzeugpreise, Modellangebot und die langfristige Ausrichtung der Autoindustrie.
