Flüchtlingspolitik, Ukraine-Geflüchtete

Flüchtlingszahl sinkt: 3,507 Millionen Menschen leben in Deutschland

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Zahl der in Deutschland lebenden Flüchtlinge ist im ersten Halbjahr 2026 leicht gesunken, während die Zuwanderung aus der Ukraine deutlich langsamer wächst. Zugleich bleibt der Streit um den geplanten Rechtskreiswechsel bei Sozialleistungen für neu ankommende Ukraine-Geflüchtete bestehen.

Zahl der Flüchtlinge in Deutschland sinkt leicht
Ankunftszentrum für Flüchtlinge (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Zahl der in Deutschland lebenden Flüchtlinge ist im ersten Halbjahr 2026 leicht gesunken. Nach Angaben der Bundesregierung verringerte sich die Gesamtzahl um rund 20.000 Menschen auf zuletzt 3,507 Millionen.

Bundesregierung verweist auf Abschiebungen, Ausreisen und Einbürgerungen

Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht, ist der Rückgang in erster Linie auf Abschiebungen, freiwillige Ausreisen und Einbürgerungen zurückzuführen. Die „Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet darüber in ihrer Freitagsausgabe unter Berufung auf das Schreiben. Von den insgesamt hierzulande lebenden Flüchtlingen haben demnach etwa 438.000 Menschen, rund 12,5 Prozent, einen unsicheren oder ungeklärten Aufenthaltsstatus, während die übrigen in irgendeiner Form ein Aufenthaltsrecht besitzen.

Weniger neue Schutzsuchende aus der Ukraine

Besonders deutlich zeichnet sich ein veränderter Trend bei den Ukraine-Flüchtlingen ab. Der kontinuierliche Rückgang neuer Schutzsuchender aus dem Land halte an, heißt es in der Regierungsantwort. Im Juni 2026 stellten demnach nur noch 3.919 Ukrainer einen Antrag auf Schutz in Deutschland, obwohl Russland weiterhin massiv zivile Ziele angreift.

Im ersten Halbjahr 2026 wurden zugleich 31.662 registrierte Ausreisen von Ukraine-Flüchtlingen aus Deutschland erfasst. Insgesamt stieg die Zahl der hier lebenden Menschen aus der Ukraine in diesem Zeitraum per Saldo nur noch um 20.857 Personen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 lag der Saldozuwachs noch bei 88.000, 2024 sogar bei 108.000. Derzeit leben rund 1,35 Millionen Ukraine-Flüchtlinge in Deutschland.

Linke kritisiert geplanten Rechtskreiswechsel

Angesichts der aktuellen Entwicklung fordert die flüchtlingspolitische Sprecherin der Linken, Clara Bünger, ein Umdenken der Bundesregierung. Es kämen nur noch vergleichsweise wenige Menschen aus der Ukraine in Deutschland an, sagte sie laut der Regierungsantwort. Umso schwerer wiege aus ihrer Sicht, dass die Bundesregierung weiterhin an Plänen festhalte, neu eingereiste Ukraine-Geflüchtete auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zu verweisen.

Bünger kritisierte diese Linie scharf und sprach von „schäbigen Plänen". Durch die geplante Umstellung werde suggeriert, den Menschen aus der Ukraine gehe es vor allem um möglichst hohe Sozialleistungen, sagte sie. Das sei offenkundig falsch und eine Beleidigung der vom Krieg geschundenen Menschen, so die Linken-Politikerin.

Geplantes Gesetz zum Rechtskreiswechsel liegt derzeit auf Eis

Das geplante Gesetz zum sogenannten Rechtskreiswechsel soll vorsehen, dass neu eingereiste Ukraine-Geflüchtete künftig nicht mehr Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II oder XII, sondern nur noch nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten. Derzeit ist das Vorhaben jedoch ausgesetzt: Bund und Länder sind sich über die Finanzierung der geplanten Regelung nicht einig.

Bünger fordert vor diesem Hintergrund, den Schwerpunkt weniger auf weitere Gesetzesverschärfungen und Abschiebungen zu legen, sondern auf die schnelle Integration der Geflüchteten in Arbeit und Gesellschaft. Fast 90 Prozent der in Deutschland lebenden Geflüchteten hätten bereits ein Aufenthaltsrecht, betonte sie. Statt Debatten zu führen, die aus ihrer Sicht die AfD stärken, müsse alles darangesetzt werden, den Menschen Perspektiven durch Beschäftigung und gesellschaftliche Teilhabe zu eröffnen.

Die aktuellen Zahlen der Bundesregierung zur Zahl der in Deutschland lebenden Flüchtlinge markieren eine leichte Entspannung, verändern aber die politische Debatte kaum. Der Rückgang um rund 20.000 Menschen im ersten Halbjahr 2026 ist vor allem Folge administrativer Entscheidungen: Abschiebungen, freiwillige Ausreisen und Einbürgerungen. Zugleich verweist die Antwort an die Linksfraktion darauf, dass die große Mehrheit der Geflüchteten über ein gesichertes Aufenthaltsrecht verfügt.

Ukraine-Flüchtlinge und stockender Rechtskreiswechsel

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den aus der Ukraine Geflüchteten. Trotz anhaltender russischer Angriffe auf die Zivilbevölkerung geht die Zahl neu Schutzsuchender deutlich zurück, während registrierte Ausreisen zunehmen. Der Saldozuwachs ist im ersten Halbjahr 2026 deutlich geringer als in den Vorjahren. Dies deutet darauf hin, dass ein Teil der Menschen zurückkehrt oder in andere Staaten weiterzieht, während sich in Deutschland bereits Angekommene verstärkt um langfristige Perspektiven wie Arbeit, Ausbildung und gegebenenfalls Einbürgerung bemühen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Debatte um den geplanten „Rechtskreiswechsel" an Brisanz. Das Vorhaben, neu eingereiste Ukraine-Geflüchtete künftig auf das niedrigere Leistungsniveau des Asylbewerberleistungsgesetzes zu verweisen, liegt zwar derzeit wegen Finanzierungsstreitigkeiten zwischen Bund und Ländern auf Eis, bleibt aber politisch umkämpft. Kritiker wie Clara Bünger sehen darin ein falsches Signal an eine Gruppe, die massiv vom Krieg betroffen ist und deren Zuwanderung zugleich rückläufig ist.

Integrationspolitik und arbeitsmarktpolitische Dimension

Die Bundesregierung verweist darauf, dass rund 87,5 Prozent der Geflüchteten ein Aufenthaltsrecht besitzen. Damit verschiebt sich der Fokus von reiner Unterbringung hin zu Fragen der Integration in Arbeit, Bildung und Gesellschaft. Forderungen, Bürokratie abzubauen, Sprach- und Qualifizierungsangebote auszubauen und Zugänge zum Arbeitsmarkt zu erleichtern, dürften vor diesem Hintergrund weiter an Gewicht gewinnen. Für Kommunen bleibt die Lage ambivalent: Einerseits entlastet der leichte Rückgang der Gesamtzahlen, andererseits erfordert die langfristige Integration der Bleibeberechtigten stabile finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen.

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