Digitale Medien: Karin Prien warnt vor Bildschirmkonsum bei Kleinkindern
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 02:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie schleswig-holsteinische Familien- und Bildungsministerin Karin Prien (CDU) kritisiert den gesellschaftlichen Umgang mit digitalen Medien als fahrlässig. Sie spricht mit Blick auf die Verbreitung von Smartphones von einem „großen Menschheitsversuch“ ohne ausreichende Risikofolgenabschätzung.
Prien bemängelt fehlende Vorsorge bei Smartphones
Prien verweist darauf, dass Smartphones seit knapp 20 Jahren genutzt werden und sich die zugrunde liegende Technologie rasch verändere, ohne dass zuvor systematische Prüfungen der Folgen erfolgt seien. Begriffe wie Produkthaftung und Vorsorgeprinzip, die sonst mit potenziell gefährlichen Technologien verbunden würden, seien im Bereich digitaler Medien weitgehend ausgeblendet worden.
Nach ihrer Einschätzung habe man die Entwicklung „ihren Lauf lassen“ und sei insgesamt „zu naiv“ gewesen. Europa sei aus ihrer Sicht der einzige große Wirtschafts- und Gesellschaftsraum, in dem es überhaupt Ansätze zur Regulierung gebe.
Empfehlungen für Kinder unter drei Jahren
Mit Blick auf Kinder fordert die Ministerin klare Grenzen für den Zugang zu digitalen Geräten. Kinder im Alter von null bis drei Jahren sollten nach ihrer Ansicht gar keinen Zugang zu Bildschirmen haben. Diese Einschränkung bezieht sie ausdrücklich auch auf Erwachsene, wenn sie Zeit mit ihren Kindern verbringen.
Verbote für Erwachsene lehnt Prien zwar ab, sie spricht aber dafür, Bildschirmverzicht in dieser Lebensphase als Empfehlung und gesellschaftliche Norm zu verankern. Sie warnt davor, dass Kindern Schaden entstehe, wenn Eltern keinen Blickkontakt mehr zu ihren Babys hielten und die intensive Sprachkommunikation mit Kleinkindern nachlasse.
Vergleich mit Rauchen und Alkohol in der Schwangerschaft
Prien beschreibt die Folgen eines aus ihrer Sicht übermäßigen Bildschirmkonsums für Kleinkinder als „dramatisch“. Sie zieht dabei einen Vergleich zu anderen bekannten Risiken in der frühen Entwicklungsphase: So sei der Bildschirm-Konsum für kleine Kinder nach ihrer Einschätzung „so schlimm wie Rauchen und Alkohol in der Schwangerschaft“.
Mit ihren Aussagen zielt die Ministerin auf eine grundsätzliche gesellschaftliche Debatte über den Stellenwert digitaler Medien im Familienalltag und mögliche strengere Empfehlungen für Eltern. Zugleich verweist sie auf die besondere Verantwortung Europas bei der Regulierung digitaler Technologien.
Die Aussagen der schleswig-holsteinischen Familien- und Bildungsministerin Karin Prien fügen sich in eine seit Jahren intensiver werdende Debatte über Folgen der Digitalisierung für Kinder und Familien. Fachgesellschaften für Kinder- und Jugendmedizin weisen seit längerem darauf hin, dass exzessive Bildschirmnutzung im frühen Kindesalter mit Entwicklungsrisiken etwa bei Sprache, Motorik und Aufmerksamkeit verbunden sein kann. Prien greift diese Debatte auf und verschärft sie rhetorisch, indem sie den Umgang mit Smartphones und digitalen Medien als „großen Menschheitsversuch“ beschreibt.
Digitale Kindheit und gesundheitliche Warnungen
Besonders kontrovers ist ihre Gleichsetzung von Bildschirmkonsum in der frühen Kindheit mit Rauchen und Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. Medizinische Leitlinien stufen Tabak und Alkohol als klar nachweislich schädliche Einflüsse mit teils irreversiblen Folgen ein. Bei digitalen Medien sprechen Studien eher von Risiko- und Einflussfaktoren, deren konkrete Wirkung stark von Nutzungsdauer, Inhalt und sozialem Umfeld abhängt. Die von Prien angesprochene fehlende Risikofolgenabschätzung bezieht sich vor allem darauf, dass Smartphones in kurzer Zeit zum Massenprodukt wurden, während Langzeitstudien zur Wirkung auf frühkindliche Entwicklung noch begrenzt sind.
Regulierung, Alltagspraxis und politische Dimension
In Europa setzt insbesondere die EU mit Regelwerken wie der Datenschutz-Grundverordnung und dem Digital Services Act auf stärkere Regulierung digitaler Plattformen, während viele andere Weltregionen weniger streng eingreifen. Priens Hinweis, Eltern sollten während der Zeit mit ihren Kleinkindern vollständig auf Bildschirme verzichten, knüpft an Empfehlungen von Pädagogen und Psychologen an, die mehr analoge Interaktion und bessere Vorbilder beim Medienverhalten fordern. Praktisch bleibt dies eine gesellschaftliche und politische Herausforderung: Einerseits sollen Kinder früh digitale Kompetenzen erwerben, andererseits warnen Experten vor zu früher und unbegleiteter Nutzung. Priens Vorstoß dürfte daher neue Diskussionen über verbindliche Empfehlungen, Elternberatung und mögliche Regulierungsmaßnahmen im Familien- und Bildungsbereich anstoßen.
