Menschen, Antidiskriminierungsstelle

Mehr Menschen wenden sich an Antidiskriminierungsstelle

25.06.2024 - 12:05:37 | dpa.de

Diskriminierungen wegen des Aussehens, wegen der Religion, wegen des Geschlechts erleben viele Menschen tÀglich. Jedes Jahr wenden sich mehr Betroffene an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Betroffene von Diskriminierung fĂŒhlten sich zunehmend alleine gelassen, so Ataman. - Foto: Hannes P Albert/dpa

Im vergangenen Jahr haben sich deutlich mehr Menschen wegen Diskriminierungserfahrungen an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes gewandt als im Jahr davor. 2023 gab es 10.772 Beratungsanfragen, rund 2000 mehr als im Vorjahr und ein erneuter Rekordwert. Das geht aus dem Jahresbericht der Stelle hervor, den die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman, in Berlin vorlegte. Ataman sprach von einem alarmierenden Trend.

Rassismus Ă€ußere sich offener, direkter und hĂ€rter, sagte sie. «Eine «AuslĂ€nder-Raus»-Stimmung und zunehmende Menschenverachtung beobachten wir nicht nur beim Feiern auf Sylt oder auf Volksfesten.» Migranten, Menschen mit Behinderung und queere Menschen erlebten sie ganz konkret in ihrem Alltag. Ataman nannte etwa Diskriminierungen im Job oder bei der Wohnungssuche. Die Betroffenen fĂŒhlten sich zunehmend alleine gelassen.

Rassismus und Antisemitismus hĂ€ufigste GrĂŒnde

Nach dem Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (AGG) dĂŒrfen Menschen nicht «aus GrĂŒnden der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen IdentitĂ€t» benachteiligt werden.

Die meisten Anfragen bei der Antidiskriminierungsstelle bezogen sich mit Blick auf dieses Gesetz auf rassistische oder antisemitische Diskriminierung (41 Prozent). In 25 Prozent der FĂ€lle ging es um Diskriminierungen aufgrund einer Behinderung, in 24 Prozent wegen des Geschlechts. 14 Prozent der Anfragen bezogen sich auf Benachteiligungen wegen des Alters.

Besonders oft findet Diskriminierung dem Bericht zufolge weiterhin im Arbeitsleben statt: Ein Drittel (2646) der geschilderten FĂ€lle betraf negative Erlebnisse im Job. Der zweitgrĂ¶ĂŸte Teil der BeratungsfĂ€lle (1525) bezog sich auf Ausgrenzungserfahrungen im Alltag, zum Beispiel im Restaurant, beim Einkaufen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. An dritter Stelle liegen schlechte Erfahrungen mit Ämtern, Behörden, Polizei und Justiz (1146).

Zahlen zeigen nicht wahres Ausmaß von Diskriminierung

«Die Zahlen ergeben kein reprĂ€sentatives Bild der DiskriminierungsfĂ€lle in Deutschland», heißt es in dem Bericht. So gebe es neben der Antidiskriminierungsstelle des Bundes weitere Anlaufstellen, an die sich Menschen wenden können. Außerdem wĂŒrden die meisten Betroffenen Diskriminierung auch gar nicht melden. «Wir mĂŒssen daher von einer hohen Dunkelziffer ausgehen.»

Der Anstieg der Zahlen lĂ€sst somit aber auch keine RĂŒckschlĂŒsse darauf zu, ob Diskriminierung in der Gesellschaft tatsĂ€chlich zunimmt. Der Anstieg der Zahlen kann auch damit zusammenhĂ€ngen, dass mehr Menschen von dem Angebot wissen und es nutzen beziehungsweise mehr Menschen den Mut fassen, sich an die Beratungsstelle zu wenden.

Ladendetektiv fischt gezielt schwarzen Kunden heraus

Der Bericht stellt einige BeispielfÀlle von Betroffenen heraus. So wandte sich etwa ein Mann mit schwarzer Hautfarbe an die Antidiskriminierungsstelle. Er war der Schilderung zufolge als Einziger beim Betreten eines Kaufhauses vom Ladendetektiv aufgefordert worden, sich auszuweisen.

Der Detektiv begrĂŒndete das Vorgehen damit, dass es hĂ€ufiger zu DiebstĂ€hlen durch Schwarze gekommen sei. In einem weiteren Fall berichtete eine pensionierte Lehrerin, dass sie nach einer Bewerbung auf eine Vertretungsstelle abgewiesen worden sei, weil das Kollegium jung sei und Ă€ltere Lehrer dort «nicht zurechtkĂ€men».

Antidiskriminierungsstelle hilft bei Ausgrenzungserfahrungen

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes berĂ€t seit 2006 Betroffene auf Basis des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Die Stelle holt auch Stellungnahmen der Gegenseite ein und vermittelt gĂŒtliche Einigungen. Über die Jahre hat sich die Gesamtzahl der Beratungsanfragen immer weiter erhöht.

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