Alexander Dobrindt, GdP-Bundeskongress

Dobrindt verteidigt «Chaoten»-Aussage zu Krawallen in Berlin

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 12:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt weist die Kritik an seiner Wortwahl zu den Ausschreitungen zurĂŒck. Beim GdP-Kongress geht es zugleich um die politische Verantwortung fĂŒr Polizei und Verfassungstreue.

GdP-Kongress und Sachsen-Anhalt im Fokus

  • Alexander Dobrindt verteidigte beim GdP-Bundeskongress in Berlin seine Bezeichnung gewaltbereiter TĂ€ter als «Chaoten».
  • Jochen Kopelke wurde am Montag mit rund 89 Prozent als GdP-Bundesvorsitzender fĂŒr vier Jahre wiedergewĂ€hlt.
  • Andy Grote warnte vor einem möglichen Konflikt der Polizei mit einem Dienstherrn, der den Boden von Recht und Gesetz verlĂ€sst.
  • Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) weist beim Bundeskongress der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Kritik an seinen Äußerungen nach den Ausschreitungen vom Wochenende zurĂŒck. - Bild: Fabian Sommer/dpa
  • In den Reden, die beim Bundeskongress der Gewerkschaft der Polizei (GdP) gehalten werden, geht es auch um die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen von Polizistinnen und Polizisten. - Bild: Fabian Sommer/dpa
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) weist beim Bundeskongress der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Kritik an seinen Äußerungen nach den Ausschreitungen vom Wochenende zurĂŒck. - Bild: Fabian Sommer/dpa In den Reden, die beim Bundeskongress der Gewerkschaft der Polizei (GdP) gehalten werden, geht es auch um die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen von Polizistinnen und Polizisten. - Bild: Fabian Sommer/dpa

Dobrindt verteidigt seine Wortwahl zu den Krawallen

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat Kritik an seinen Äußerungen zu den Krawallen bei den Jugendprotesten vom Wochenende zurĂŒckgewiesen. Beim Bundeskongress der Gewerkschaft der Polizei in Berlin sagte der CSU-Politiker, er könne die am Samstag beobachtete Gewaltbereitschaft auf der Straße nicht anders beschreiben.

Streit ĂŒber «migrantische Chaoten»

Dobrindt hatte zuvor von «gewaltbereiten linken Gruppen und migrantischen Chaoten» gesprochen. Nun sagte er, es handle sich um «Chaoten»; anschließend könne man darĂŒber diskutieren, ob sie politisch links oder rechts, islamistisch oder aus einem migrantischen Hintergrund seien.

Wenn Chaoten Polizistinnen und Polizisten angriffen, mĂŒsse es darum gehen, auf der richtigen Seite zu stehen und die PolizeikrĂ€fte zu schĂŒtzen. Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte Dobrindts Einordnung widersprochen; die GrĂŒnen kritisierten, Menschen mit Migrationshintergrund wĂŒrden dadurch als Problem markiert.

Kopelke bleibt an der GdP-Spitze

Die Delegierten bestĂ€tigten GdP-Bundesvorsitzenden Jochen Kopelke am Montag mit rund 89 Prozent fĂŒr weitere vier Jahre im Amt. Der 42-jĂ€hrige Polizeioberrat aus Bremen fĂŒhrt die Gewerkschaft seit 2022.

In einem Deutschlandfunk-Interview zu den besonders gewalttÀtigen Ausschreitungen in Frankfurt am Main rÀumte Kopelke ein, eine pauschale Diffamierung ganzer gesellschaftlicher Gruppen sei verletzend. Zugleich verwies er auf die Schwierigkeit, jene Menschen zu benennen, die auf den Bildern der Ausschreitungen zu sehen seien.

Debatte ĂŒber den Begriff «Talahon»

Der Begriff «Talahon» geht auf den arabischen Satz «Ta'ala hon» zurĂŒck, der «Komm her!» bedeutet. UrsprĂŒnglich als Selbstbezeichnung verwendet, wird er nach EinschĂ€tzung von Antirassismus-Initiativen und Sozialwissenschaftlern zunehmend von rechten Akteuren zur Abwertung junger MĂ€nner mit Migrationshintergrund genutzt.

Grote warnt vor möglichem Verfassungskonflikt

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Hamburgs Innensenator Andy Grote, sprach mit Blick auf das starke Abschneiden der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt von einer ernsten Lage. Die Innenministerkonferenz habe sich damit zuletzt intensiv beschÀftigt.

Keine Polizistin und kein Polizist dĂŒrfe einem Dienstherrn folgen, der den Boden von Recht und Gesetz verlasse, sagte der SPD-Politiker. Der Eid binde die Polizei an die Verfassung und nicht an die politische Macht.

Grote Ă€ußerte die Hoffnung, dass die Polizeibeamten in Sachsen-Anhalt nicht in einen solchen Konflikt gerieten. Sollte es dazu kommen, benötigten sie UnterstĂŒtzung, auch durch Gewerkschaften. Der AfD-Politiker Ulrich Siegmund will sich im Dezember im Magdeburger Parlament zur Wahl des MinisterprĂ€sidenten stellen und benötigt dafĂŒr drei Stimmen aus anderen Reihen.

Die Auseinandersetzung ĂŒber Dobrindts Wortwahl steht im Zusammenhang mit einer breiteren Debatte ĂŒber die Krawalle nach den Jugendprotesten. WĂ€hrend die Demonstrationen zunĂ€chst weitgehend friedlich verliefen, kam es spĂ€ter in mehreren StĂ€dten zu Angriffen auf EinsatzkrĂ€fte, SachbeschĂ€digungen und PlĂŒnderungen. Frankfurt am Main war dabei besonders stark betroffen.

Im Zentrum steht die Frage, wie Sicherheitsbehörden gewaltbereite TĂ€tergruppen beschreiben dĂŒrfen, ohne friedliche Demonstrierende oder Menschen mit Migrationshintergrund pauschal verantwortlich zu machen. Dobrindt betont die Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten und verteidigt eine klare Benennung der TĂ€ter. Kritiker wie Verteidigungsminister Boris Pistorius warnen dagegen vor einer Vermischung von KriminalitĂ€t, politischer Einordnung und Herkunft.

Polizeigewerkschaft zwischen RĂŒckhalt und Abgrenzung

Auch innerhalb der Polizei wird die Debatte nicht ausschließlich sprachpolitisch gefĂŒhrt. GdP-Vertreter verweisen auf die Erfahrungen der EinsatzkrĂ€fte und fordern, Angriffe konsequent zu verfolgen. Zugleich zeigt die Diskussion um Begriffe wie «Talahon», dass Sprache die gesellschaftliche Wahrnehmung von Sicherheitsproblemen prĂ€gen kann.

Eine zusĂ€tzliche politische Dimension erhĂ€lt die Debatte durch den Blick nach Sachsen-Anhalt. Sollte ein AfD-Politiker dort Regierungsverantwortung anstreben, könnte die Polizei vor Fragen nach ihrer Bindung an Verfassung, Recht und Gesetz sowie nach dem VerhĂ€ltnis zu einem möglichen neuen Dienstherrn stehen. Diese Sorge erklĂ€rt, warum der IMK-Vorsitzende Andy Grote die politische Entwicklung ausdrĂŒcklich mit der Arbeit und dem SelbstverstĂ€ndnis der Sicherheitsbehörden verknĂŒpft.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „‚Migrantische Chaoten‘: Polizei kann ĂŒber Dobrindt-Eklat nur den Kopf schĂŒtteln – ‚Wird versucht zu beschönigen‘“ (03.11.2026)

Der Artikel berichtet, die Gewerkschaft der Polizei habe Dobrindts Einordnung der TĂ€tergruppen verteidigt. Zugleich stellt er die Kritik von Pistorius, GrĂŒnen und Linken sowie Warnungen vor pauschalen Zuschreibungen ausfĂŒhrlich gegenĂŒber.

Deutschlandfunk: „Vandalismus Dobrindt: Linksextreme und ‚migrantische Chaoten‘ fĂŒr Gewalt verantwortlich“ (02.11.2026)

Der Beitrag ordnet Dobrindts Äußerungen in die Ausschreitungen und die Folgen fĂŒr Polizei und GeschĂ€fte ein. Er betont zugleich, dass friedliche Demonstrierende nicht mit gewaltbereiten Extremisten gleichgesetzt werden dĂŒrften.

Beide BeitrĂ€ge bestĂ€tigten die zentrale Kontroverse ĂŒber Dobrindts TĂ€terbeschreibung und den Schutz der Polizei. Unterschiede lĂ€gen vor allem im Schwerpunkt: Der eine Artikel beleuchte stĂ€rker die politische Reaktion und den RĂŒckhalt der GdP, der andere die konkreten SchĂ€den, Verletzten und den Ablauf der Ausschreitungen.

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