Drohnenfund Wunstorf: Ermittler prĂŒfen Spuren von Sprengstoff
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 19:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach dem Fund von Drohnenteilen nahe dem Bundeswehr-Fliegerhorst Wunstorf prĂŒfen Ermittler verdĂ€chtiges Material, bei dem es sich nach Informationen aus Sicherheitskreisen um Sprengstoffspuren handeln soll.
Untersuchungen noch nicht abgeschlossen
Ob die Spuren der Drohne zuzuordnen sind, wird den Angaben zufolge noch untersucht. Zuvor war berichtet worden, die Drohne könne mit Sprengstoff bestĂŒckt gewesen sein. Das Material sei wenige Meter von den Drohnenteilen entfernt entdeckt worden.
Innenministerium verweist auf Generalbundesanwalt
Die kriminaltechnischen Untersuchungen der Substanz sind noch nicht abgeschlossen. Ein Sprecher des niedersĂ€chsischen Innenministeriums verwies auf Anfrage auf den Generalbundesanwalt in Karlsruhe. Eine Sprecherin der Behörde Ă€uĂerte sich auf Anfrage nicht.
Drohne vermutlich abgestĂŒrzt
Ermittler hatten das schwer zugĂ€ngliche GelĂ€nde in der Region Hannover nach dem Fund in der vergangenen Woche abgesucht. Sie gehen davon aus, dass die Drohne dort abgestĂŒrzt und in mehrere Teile zerbrochen ist. Woher sie stammt, ist weiterhin unklar.
NĂ€he zum Fliegerhorst Wunstorf
Der Fundort liegt rund zwei Kilometer vom Fliegerhorst Wunstorf entfernt, östlich des Gebiets am Steinhuder Meer. Der Standort ist fĂŒr die Bundeswehr von besonderer Bedeutung; dort ist die deutsche A400M-Flotte stationiert.
Parallelen zum Fall Leipzig
Die Ermittler prĂŒfen auĂerdem einen möglichen Zusammenhang mit dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen handelte es sich in Wunstorf nicht um eine handelsĂŒbliche Drohne, sondern um ein Flugobjekt mit eigenen Bauteilen. Es gebe eine gewisse Ăhnlichkeit mit der Drohne vom Flughafen Leipzig/Halle, die dort mit Sprengstoff prĂ€pariert neben ukrainischen Frachtflugzeugen gefunden worden war.
Der Fundort und die Bauweise hatten den Verdacht eines russischen AusspĂ€hversuchs nahegelegt. Im Leipziger Fall ermittelt der Generalbundesanwalt. Die Bundesregierung macht Russland fĂŒr den versuchten Angriff verantwortlich, wĂ€hrend Moskau dies bestreitet.
Möglicherweise lange am Boden
Die zufĂ€llig entdeckte Drohne in Wunstorf lag möglicherweise bereits lĂ€ngere Zeit am Boden. Nach bisherigen Angaben könnte das FluggerĂ€t bis zu zwei Jahre dort gelegen haben. Ein Landwirt soll die Drohne kĂŒrzlich gefunden haben.
Sicherheitsrelevanter Standort
Der Fliegerhorst Wunstorf gehört zu den zentralen Lufttransportstandorten der Bundeswehr. Dort ist die deutsche A400M-Flotte stationiert, die unter anderem fĂŒr strategische Transporte, Evakuierungen und UnterstĂŒtzungsleistungen eingesetzt wird. Ein Drohnenfund in der NĂ€he betrifft deshalb nicht nur ein abgelegenes GelĂ€nde, sondern die Sicherheit kritischer militĂ€rischer Infrastruktur.
Die Ermittler mĂŒssen nun mehrere Fragen voneinander trennen: EnthĂ€lt die gefundene Substanz tatsĂ€chlich Sprengstoff, stammt sie von der Drohne und war das FluggerĂ€t fĂŒr einen gezielten Einsatz vorgesehen? Erst die kriminaltechnische Untersuchung und die Auswertung der Bauteile können diese Punkte belastbar klĂ€ren. Der Fundort rund zwei Kilometer östlich des Fliegerhorsts ist dabei ein wichtiger Bestandteil der Ermittlungen, beweist fĂŒr sich allein aber noch keine Zielrichtung.
Parallelen und politische Folgen
Der Fall fĂ€llt in eine Phase erhöhter Aufmerksamkeit fĂŒr Drohnen im Umfeld kritischer Infrastruktur. Die mögliche Ăhnlichkeit mit dem Vorgang am Flughafen Leipzig/Halle verleiht ihm zusĂ€tzliche sicherheitspolitische Bedeutung. Dort war im August eine mit Sprengstoff prĂ€parierte Drohne neben ukrainischen Frachtflugzeugen entdeckt worden; die Bundesregierung macht Russland fĂŒr den versuchten Angriff verantwortlich, Moskau weist das zurĂŒck.
FĂŒr Anwohner und BeschĂ€ftigte bedeutet der Fund vor allem eine fortdauernde PrĂŒfung des GelĂ€ndes und möglicher Gefahrenstoffe. Politisch dĂŒrfte entscheidend sein, ob sich ein Zusammenhang zwischen den FĂ€llen erhĂ€rten lĂ€sst oder ob die Ermittlungen unterschiedliche Ursachen ergeben. Bis dahin bleiben Herkunft, Zweck und Liegezeit der Wunstorfer Drohne offen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR24: âHybrider Krieg: "Das KalkĂŒl des Kreml geht auf"â (20.09.2026)
Der Bericht ordne den Leipziger Drohnenfall als Teil einer möglichen russischen Strategie hybrider Angriffe ein und lasse einen Sicherheitsexperten die Gefahren eines Drohneneinsatzes gegen mit Kerosin beladene Flugzeuge erlÀutern. Zugleich verweise er auf eine weitere Drohne mit Sprengstoffspuren, deren Ziel bislang unbekannt sei; damit bestÀtige er den sicherheitspolitischen Zusammenhang, behandle aber nicht den konkreten Fund in Wunstorf.
Der Artikel konzentriere sich auf die politische Bewertung der offiziellen Schuldzuweisung im Leipziger Fall und stelle dieser den Umgang der Bundesregierung mit den Nord-Stream-Ermittlungen gegenĂŒber. Er bestĂ€tige damit die zentrale Bedeutung des Leipzig-Verfahrens, setze seinen Schwerpunkt jedoch auf die BegrĂŒndung staatlicher Zuschreibungen und nicht auf technische Einzelheiten des Wunstorfer Fundes.
Beide BeitrĂ€ge stellten die Leipziger Drohne in einen gröĂeren Kontext hybrider Bedrohungen. Unterschiede ergĂ€ben sich vor allem bei der Bewertung der politischen Reaktion; offen blieben weiterhin die Herkunft, die mögliche Bestimmung und die konkrete Zuordnung der in Wunstorf gefundenen Substanz.
