Dusel: Viele Akademiker mit Behinderungen ohne Job
Veröffentlicht am: 02.01.2024 um 08:43 Uhr | dpa.deDer Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, JĂŒrgen Dusel, hat kritisiert, dass Tausende von Akademikern mit BeeintrĂ€chtigungen keine Arbeit bekommen. «Das hat mit Vorurteilen zu tun», sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Wir haben Tausende von Akademikern mit Behinderungen, die keinen Job kriegen in Deutschland.» Das könne das Land sich ĂŒberhaupt nicht mehr leisten.
«Es gibt keinen Job in Deutschland, ich wĂŒsste wirklich keinen, der nicht durch einen Menschen mit einer schweren Behinderung gut besetzt werden kann, wenn die Voraussetzungen stimmen», sagte Dusel. Nach Angaben der Bundesagentur fĂŒr Arbeit waren rund 8700 Schwerbehinderte mit einer akademischen Ausbildung im November 2023 arbeitslos. Die Chance Schwerbehinderter auf Arbeit hĂ€ngt demnach auch mit der Art der BeschĂ€ftigung zusammen. Unter den Angestellten unterscheidet die Behörde zwischen Helfern, FachkrĂ€ften, Spezialisten und Experten. WĂ€hrend mehr als 92.000 Helferinnen und Helfer mit BeeintrĂ€chtigung im vergangenen November erwerbslos waren, waren es unter den Expertinnen und Experten etwa 6700.
Laut Dusel sind Menschen mit schweren Behinderungen hÀufiger arbeitslos und auch deutlich lÀnger als Menschen ohne Behinderung. Letzteres zeigen auch die Daten der Bundesagentur: Arbeitslose traten 2022 im Durchschnitt nach 23,4 Wochen wieder einen neuen Job an, bei schwerbehinderten Menschen dauerte dies 30,5 Wochen.
Unterschiedliche Nettovermögen
Diese Schieflage fĂŒhre auch zu einer ökonomischen Ungleichheit: Dem dritten Teilhabebericht der Bundesregierung ĂŒber die Lebenslagen von Menschen mit BeeintrĂ€chtigungen zufolge kann ein groĂer Teil der Menschen mit BeeintrĂ€chtigung (43 Prozent) kein Geld sparen oder zurĂŒcklegen. Bei Menschen ohne BeeintrĂ€chtigungen seien es hingegen nur 28 Prozent. AuĂerdem unterscheide sich das Nettovermögen von Menschen mit BeeintrĂ€chtigungen (im Durchschnitt 91.150 Euro) zu dem von Menschen ohne BeeintrĂ€chtigungen (im Durchschnitt 118.063 Euro).
«Sicherlich ist es so, dass Familien, in denen behinderte Kinder leben - und das sind dann oftmals alleinerziehende MĂŒtter - ein höheres Armutsrisiko haben», ergĂ€nzte Dusel.
