E-Bus-Förderung, Heidi Reichinnek

E-Bus-Förderung: Linke kritisiert KĂŒrzung auf 130 Millionen Euro

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Die Linken-Fraktionschefin fordert eine Abnahmegarantie fĂŒr 10.000 neue Elektrobusse bis 2030 und verbindet die Verkehrswende mit dem Erhalt von IndustriearbeitsplĂ€tzen. Besonders kritisiert sie die geplante Umnutzung des VW-Werks in OsnabrĂŒck.

Fördermittel und OsnabrĂŒcker Werk

  • Die schwarz-rote Koalition bezuschusst die Elektrifizierung des öffentlichen Busverkehrs aktuell mit 403 Millionen Euro.
  • Im Haushaltsentwurf fĂŒr 2027 ist eine Absenkung der Förderung auf 130 Millionen Euro vorgesehen.
  • Reichinnek fordert eine Abnahmegarantie fĂŒr 10.000 neue E-Busse bis 2030.
  • Im VW-Werk OsnabrĂŒck sollen im kommenden Jahr die letzten Autos gefertigt werden.
Haltestelle (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Linke fordert mehr E-Bus-AuftrĂ€ge fĂŒr deutsche Werke

Die Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek kritisiert die PlĂ€ne der Bundesregierung, die Förderung fĂŒr Elektrobusse ab 2027 von 403 Millionen auf 130 Millionen Euro zu senken. Sie fordert stattdessen eine Abnahmegarantie fĂŒr 10.000 neue E-Busse bis 2030 und will damit den öffentlichen Verkehr sowie IndustriearbeitsplĂ€tze stĂ€rken.

Reichinnek kritisiert KĂŒrzung

„Die Menschen brauchen bessere Busverbindungen, die Autowerke brauchen AuftrĂ€ge“, sagte Reichinnek der „Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung“ fĂŒr deren Samstagsausgabe. Die geplante KĂŒrzung bezeichnete sie als „absoluten Irrsinn“ und warf Friedrich Merz und Lars Klingbeil „wirtschaftliche Planlosigkeit“ vor.

Mit einer durchdachten Strategie ließen sich gute und schnelle E-Bus-Verbindungen auf dem Land schaffen und zugleich Tausende IndustriearbeitsplĂ€tze sichern, erklĂ€rte die Politikerin. Sie verlangt deshalb eine staatliche Abnahmegarantie fĂŒr 10.000 neue Elektrobusse bis 2030.

VW-Standort OsnabrĂŒck im Mittelpunkt

Als Beispiel nannte Reichinnek das VW-Werk in OsnabrĂŒck. Dort sollen im kommenden Jahr die letzten Autos vom Band laufen; anschließend ist nach ihren Angaben eine Nutzung des Standorts fĂŒr die Herstellung von Luftverteidigungssystemen vorgesehen.

Reichinnek lehnt eine RĂŒstungsproduktion in dem Werk ab und fordert stattdessen den Bau klimafreundlicher Busse. „Wir wollen Busse statt Waffen“, sagte die Linken-Fraktionschefin.

Haushaltsentwurf sieht weniger Mittel vor

Die Elektrifizierung des öffentlichen Busverkehrs wird von der schwarz-roten Koalition derzeit mit 403 Millionen Euro bezuschusst. Wie aus dem Haushaltsentwurf fĂŒr 2027 hervorgeht, soll die Förderung im kommenden Jahr auf 130 Millionen Euro sinken.

Die geplante Absenkung der E-Bus-Förderung betrifft einen Bereich, in dem Kommunen, Verkehrsunternehmen und Hersteller gleichzeitig vor hohen Umstellungskosten stehen. Elektrobusse benötigen neben dem Fahrzeugkauf hĂ€ufig zusĂ€tzliche Investitionen in Ladepunkte, NetzanschlĂŒsse, WerkstĂ€tten und Schulungen. Sinkende ZuschĂŒsse können deshalb dazu fĂŒhren, dass Beschaffungen verschoben oder zunĂ€chst weiter Dieselbusse eingesetzt werden.

Die im Haushaltsentwurf genannte Reduzierung von 403 auf 130 Millionen Euro wĂŒrde die Bundesförderung deutlich verkleinern. FĂŒr Verkehrsunternehmen mit knappen Budgets erhöht das den Eigenfinanzierungsanteil. Besonders im lĂ€ndlichen Raum ist die Umstellung anspruchsvoll, weil lĂ€ngere Linien, geringe Auslastungen und eine weniger dichte Ladeinfrastruktur die Wirtschaftlichkeit erschweren.

Industriepolitik und öffentlicher Verkehr

Reichinneks Forderung verbindet Klimaschutz, Verkehrspolitik und industrielle BeschĂ€ftigung. Öffentliche Bestellungen können Herstellern planbare Nachfrage sichern; zugleich hĂ€ngt der tatsĂ€chliche Nutzen davon ab, ob Fahrzeuge, Batterien und Komponenten in Deutschland oder Europa gefertigt werden und ob Kommunen die Betriebskosten tragen können.

Die Debatte um das VW-Werk in OsnabrĂŒck verschĂ€rft diesen Zielkonflikt. Eine mögliche Umwidmung des Standorts fĂŒr Luftverteidigung steht dabei fĂŒr eine industriepolitische PrioritĂ€tensetzung, wĂ€hrend Reichinnek eine zivile Alternative mit E-Bussen verlangt. FĂŒr FahrgĂ€ste entscheidet sich die Wirkung letztlich daran, ob Fördermittel in zusĂ€tzliche Verbindungen, kĂŒrzere Wartezeiten und verlĂ€sslich finanzierte Flotten mĂŒnden.

n-tv: „Drastische KĂŒrzung bei E-Bus-Förderung bedroht deutsche Hersteller“ (15.10.2026)

Der Beitrag bestĂ€tigt die im Haushaltsentwurf genannte Absenkung von rund 403 auf etwa 130 Millionen Euro und legt den Schwerpunkt auf die Folgen fĂŒr deutsche Hersteller. Damit ergĂ€nzt er die politische Kritik um die Perspektive der Industrie.

BR: „ÖPNV auf dem Land: Busunternehmer setzt seit Jahren auf Elektro“ (15.10.2026)

Der Bericht zeigt anhand eines Busunternehmens die praktische Seite des Umstiegs im lĂ€ndlichen ÖPNV. Anders als die politische Forderung nach einer Abnahmegarantie konzentriert er sich auf Finanzierbarkeit und betriebliche Erfahrungen.

Übereinstimmend steht die Finanzierung des E-Bus-Hochlaufs im Mittelpunkt. Unterschiede ergeben sich beim Blickwinkel: WĂ€hrend der n-tv-Beitrag die Herstellerfolgen betont, rĂŒckt der BR die Umsetzung bei Verkehrsunternehmen und die Bedingungen auf dem Land in den Vordergrund.

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