Ende der EM-TrĂ€ume: Kevric stĂŒrzt und muss ins Krankenhaus
29.05.2025 - 15:38:53 | dpa.deMit schmerzverzerrtem Gesicht hielt sich Helen Kevric das bandagierte linke Knie. Nach der Landung beim Sprung war die 17 Jahre alte Turnerin gestĂŒrzt und anschlieĂend auf dem RĂŒcken liegen geblieben. Die Stuttgarterin wurde von Bundestrainer Gerben Wiersma und Mannschaftsarzt Rainer Eckhardt aus der Halle getragen. SpĂ€ter wurde Kevric fĂŒr weitere Untersuchungen des verletzten Knies ins Krankenhaus gebracht.Â
Ăber Art und Schwere der Verletzung war zunĂ€chst nichts bekannt. Doch Fakt ist: Ihre Medaillen-TrĂ€ume bei den Heim-Europameisterschaften in Leipzig endeten gleich am ersten GerĂ€t des Mehrkampf-Finales auf dramatische Weise.Â
Kevric hatte sich als Drittbeste fĂŒr das Finale qualifiziert und war mit berechtigten Medaillen-Hoffnungen an den Start gegangen. Ăberdies hatte sie als Beste den Endkampf am Stufenbarren erreicht und damit beste Aussichten, an ihrem SpezialgerĂ€t den EM-Titel zu gewinnen. Zuletzt war dies Elisabeth Seitz 2022 in MĂŒnchen gelungen. Die 31-JĂ€hrige erklĂ€rte kurz vor Beginn des Mehrkampf-Finales ihren RĂŒcktritt und gab bekannt, dass sie Mutter wird.
Knieprobleme halten schon lÀnger an
Knieprobleme hatten Kevric schon seit ihrer Ankunft in Leipzig begleitet. Deswegen hatte sie beim Podiumstraining auf Akrobatikreihen verzichtet und die Ăbungseinheit am Sprung ganz weggelassen. Wiersma hatte dies nur als VorsichtsmaĂnahme bezeichnet. Bei der Qualifikation und dem Gewinn von Silber mit der Mannschaft hatte sie dann einen stabilen Mehrkampf mit einer glanzvollen Ăbung am Stufenbarren gezeigt.Â
«Meinem Knie geht es schon deutlich besser. Wir haben ja extra das Podiumstraining am Boden und am Sprung weggelassen, damit ich heute einsatzbereit bin. Und es hat auch alles gut geklappt», hatte sie anschlieĂend gesagt. Dennoch war ihr linkes Knie bereits vor Beginn der Mehrkampf-Entscheidung getaped.
Schönmeier verzichtet ĂŒberraschend
Einen Tag nach dem Titelgewinn gemeinsam mit Timo Eder (Ludwigsburg) bei der Mixed-Premiere verzichtete Karina Schönmaier ĂŒberraschend auf einen Start im Mehrkampf, fĂŒr den sich die Chemnitzerin als Achte qualifiziert hatte. Laut Bundestrainer Wiersma hat die 19-JĂ€hrige sich freiwillig aus dem Endkampf zurĂŒckgezogen, um den Fokus auf die Einzelfinals am Freitag am Sprung und am Samstag am Boden zu konzentrieren.Â
Am Vorabend mit der Goldmedaille um den Hals hatte es trotz des krĂ€ftezehrenden und nervenaufreibenden Wettkampfes noch anders geklungen. «Ich bin fĂŒr die nĂ€chsten Tage auch gut vorbereitet und habe auch keine Bedenken», hatte der SchĂŒtzling von Heimtrainer Anatol Ashurkov erklĂ€rt. FĂŒr Schönmaier trat Janoah MĂŒller (HaĂloch) an, die sich als 18. eigentlich qualifiziert hatte, aber als drittbeste Deutsche wegen der BeschrĂ€nkung auf zwei Turnerinnen pro Nation zunĂ€chst nicht starten durfte.
Erfolge ĂŒberdecken MissstĂ€nde nicht
Die seit Ende letzten Jahres schweren Zeiten fĂŒr das deutsche Frauen-Turnen und insbesondere fĂŒr Helen Kevric durch die Aufdeckung der MissstĂ€nde in Stuttgart und Mannheim sind durch die jĂŒngsten Erfolge jedoch allenfalls ĂŒbertĂŒncht, aber nicht vergessen. «NatĂŒrlich nicht», betonte Bundestrainer Wiersma. Aber man mĂŒsse auch feiern, wenn man etwas GroĂes erreicht habe. Er sei ziemlich sicher, dass man in den nĂ€chsten Wochen definitiv versuche, die Arbeit an der Situation fortzusetzen.
Seit fĂŒnf Monaten belasten VorwĂŒrfe ĂŒber Missbrauch zunĂ€chst am Kunst-Turn-Forum Stuttgart und spĂ€ter auch am StĂŒtzpunkt Mannheim das deutsche Frauen-Turnen. Mehrere ehemalige und aktive Sportlerinnen hatten unter anderem «systematischen körperlichen und mentalen Missbrauch» sowie katastrophale UmstĂ€nde angeprangert.Â
Zwei Ăbungsleiter wurden freigestellt. Das Landeskriminalamt Baden-WĂŒrttemberg und die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermitteln. Es geht um den Verdacht der Nötigung in mehreren FĂ€llen. Kevric hatte dadurch ihre Heimtrainer verloren und wird seit MĂ€rz von Aimee Boormann sowie bei den EM von LaPrise Harris-Williams betreut.
Der SchwĂ€bische Turnerbund (STB) und der Deutsche Turner-Bund (DTB) sind weiter mit der Aufarbeitung beschĂ€ftigt - dazu wurde Mitte Januar eine Kanzlei aus Frankfurt am Main herangezogen. Beim Landessportverband (LSV) befasst sich ein unabhĂ€ngiges Expertengremium mit den VorwĂŒrfen. Im Juli sollen erste Ergebnisse vorliegen.
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