Elif Eralp, Berliner Linke

Elif Eralp erklÀrt Angst um Familie mit Behördenrat

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 06:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Berliner Linken-Politikerin erklĂ€rt ihre zurĂŒckhaltenden Äußerungen mit einer gestiegenen Bedrohungslage nach der Wahl. Zugleich nimmt der Streit ĂŒber den Umgang mit Sicherheitsbehörden und die geplante Regierungsbildung zu.

Eralps ErklÀrung und Berlins KoalitionsplÀne

  • Elif Eralp veröffentlichte am Abend ein Video auf Instagram und nahm darin zu den Sicherheitsbedenken Stellung.
  • Sie verwies auf den Rat der Sicherheitsbehörden und erklĂ€rte, ihre Worte deshalb besonders sorgfĂ€ltig abzuwĂ€gen.
  • Die Berliner Linke strebt mit GrĂŒnen und SPD eine Koalition an, gegen die es Vorbehalte auf Bundesebene gibt.
Eralp tritt ihren Kritikern in einer Videobotschaft entgegen. (Archivbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa

Eralp erklÀrt Sicherheitsbedenken mit Behördenrat

Die Berliner Linken-Wahlsiegerin Elif Eralp hat sich gegen Kritik an ihren veröffentlichten Anmerkungen zu einem Interview verteidigt. In einem Instagram-Video sagte sie, nach der Wahl hĂ€tten die Bedrohungen gegen sie zugenommen und sie tausche sich deshalb mit Sicherheitsbehörden ĂŒber die aktuelle GefĂ€hrdungslage aus.

Politikerin spricht von ĂŒberschrittenen Grenzen

Eralp erklÀrte, sie nehme den professionellen Rat der Behörden ernst und wÀge ihre Worte deshalb genau ab. Ihre schriftlichen Anmerkungen seien nicht zur Veröffentlichung bestimmt gewesen; mit der Weitergabe sei die Bitte ihres Teams ignoriert worden.

Sie betonte zugleich, sie gehe keiner politischen Diskussion aus dem Weg und stelle sich jeder Kritik. Grenzen seien jedoch ĂŒberschritten, wenn es um die Sicherheit ihrer Familie und ihre eigene Sicherheit gehe.

Hintergrund des Streits

Eralp hatte dem „Spiegel“ ein Interview gegeben und danach schriftliche Hinweise hinterlassen. Darin ging es nach Angaben des Magazins um ihre Sorge, dass die Sicherheit ihrer Familie gefĂ€hrdet werden könnte, wenn sie sich öffentlich und ausdrĂŒcklich zu einem bekannten PalĂ€stina-Aktivisten Ă€ußert.

Der Mann gehört seit Jahren der Volksfront fĂŒr die Befreiung PalĂ€stinas an, die in der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft ist. Die Anmerkungen wurden offenbar versehentlich zusammen mit dem Interviewtext an das Magazin zurĂŒckgeschickt.

KoalitionsplÀne erhöhen den politischen Druck

Die Linke strebt in Berlin eine Koalition mit GrĂŒnen und SPD an. Politiker auf Bundesebene aus beiden Parteien haben gegen dieses BĂŒndnis Vorbehalte geĂ€ußert.

Eralp erklĂ€rte, in einem Berlin unter ihrer FĂŒhrung hĂ€tten organisierte KriminalitĂ€t, Gewalt, Terrorverherrlichung und jede Form von Menschenfeindlichkeit keinen Platz. Damit verband sie ihre persönliche ErklĂ€rung mit einem politischen Bekenntnis zur BekĂ€mpfung von Bedrohungen fĂŒr die Sicherheit der Stadt.

Der Fall berĂŒhrt zwei Ebenen: den persönlichen Schutz einer Politikerin und die öffentliche Verantwortung einer möglichen kĂŒnftigen Regierungschefin. Bedrohungen, Beleidigungen und Anfeindungen gegen MandatstrĂ€ger können dazu fĂŒhren, dass Sicherheitsbehörden von der Nennung konkreter Personen abraten. Zugleich steht bei Äußerungen ĂŒber organisierte KriminalitĂ€t oder extremistische Netzwerke ein erhebliches öffentliches Interesse im Raum.

Politisch fĂ€llt die ErklĂ€rung in eine empfindliche Phase. Die Berliner Linke strebt gemeinsam mit SPD und GrĂŒnen eine Regierungsbildung an. Dabei geht es nicht nur um Eralps persönliche Sicherheit, sondern auch um die Frage, wie ein kĂŒnftiger Senat Antisemitismus, organisierte KriminalitĂ€t und extremistische AktivitĂ€ten bekĂ€mpfen will.

Koalitionsbildung unter zusÀtzlichem Druck

Die Reaktionen der möglichen Partner zeigen unterschiedliche Akzente: Die GrĂŒnen betonen Vertrauen und gemeinsame politische Schwerpunkte, wĂ€hrend die SPD stĂ€rker auf die Belastbarkeit des Vertrauens zwischen den Fraktionen verweist. Die CDU nutzt den Vorgang, um Zweifel an einer von der Linken gefĂŒhrten Regierung zu formulieren.

FĂŒr Eralp dĂŒrfte entscheidend sein, ob es gelingt, ihre Sicherheitsbedenken mit einer klaren politischen Linie gegen Gewalt, Terrorverherrlichung und Menschenfeindlichkeit zu verbinden. Die Debatte ĂŒber den Umgang mit nicht zur Veröffentlichung bestimmten Interview-Anmerkungen dĂŒrfte dabei ebenso fortwirken wie die anstehenden Entscheidungen ĂŒber Koalitionsverhandlungen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

taz: „Bericht des „Spiegels“: Elif Eralp hat Angst“ (29.10.2026)

Der Beitrag ordnet die internen Anmerkungen als Ausdruck von Eralps Sorge vor möglichen Folgen einer öffentlichen Benennung ein und beschreibt die Reaktionen aus Berliner Parteien. Anders als die aktuelle Stellungnahme steht dort vor allem die Vorgeschichte des veröffentlichten Dokuments im Mittelpunkt.

n-tv: „Berliner SPD und GrĂŒne halten an GesprĂ€chen mit Eralp fest“ (29.10.2026)

Der Bericht konzentriert sich auf die politischen Folgen fĂŒr die angestrebte rot-grĂŒn-rote Koalition. Er beschreibt, dass SPD und GrĂŒne an GesprĂ€chen festhalten, zugleich aber Vertrauen, RegierungsfĂ€higkeit und der Umgang mit Extremismus im Zentrum der Debatte stehen.

Gemeinsam ist den BeitrĂ€gen die Verbindung von Sicherheitsdebatte und Berliner Regierungsbildung. Unterschiede liegen beim Schwerpunkt: WĂ€hrend die taz stĂ€rker die Entstehung und Veröffentlichung der Anmerkungen beleuchtet, rĂŒckt n-tv die Reaktionen der möglichen Koalitionspartner und die politischen Konsequenzen in den Vordergrund.

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