Elif Eralp rÀumt Fehler in Berliner Linken ein
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 10:13 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp hat Fehler in ihrer Partei eingerĂ€umt und eine interne Aufarbeitung der VorwĂŒrfe zu Antisemitismus und Kontakten ins Clan-Milieu gefordert. Zugleich wies sie den Vorwurf zurĂŒck, selbst antisemitisch zu sein, und distanzierte sich von Ibrahim Ibrahim.
Eralp fordert interne Hausaufgaben
Die aktuellen Angriffe gegen die Linke hĂ€tten zwar eine âzerstörerische Dimensionâ, sagte Eralp. Das könne aber nicht verdecken, âdass in meiner Partei auch Fehler gemacht wurdenâ.
Auf die Frage nach möglichen Botschaften an die Koalitionspartner GrĂŒne und SPD sagte sie: âMir geht es erst mal nicht darum, den anderen etwas zu versichern, sondern dass wir unsere eigenen Hausaufgaben machen.â
Abgrenzung von Antisemitismusvorwurf
Eralp betonte zugleich: âNiemand darf mich eine Antisemitin nennen.â Sie habe âweder jemals in meinem Leben etwas Antisemitisches gesagt noch getanâ.
Nach dem Erfolg der Linken bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus habe sie kaum Zeit zum Feiern gehabt. Bereits am folgenden Tag habe sie Berichte ĂŒber Clankontakte in ihrer Partei und Fotos von Parteifreunden neben Ibrahim Ibrahim lesen mĂŒssen.
Distanz zu Ibrahim Ibrahim
Ăber Ibrahim sagte Eralp: âIch habe mit so jemandem nichts zu tun.â Ibrahim war nach dem Wahltag auf Fotos mit Parteifreunden zu sehen, was innerhalb und auĂerhalb der Partei Kritik ausgelöst hatte.
Bartsch verlangt AufklÀrung von Kocak
Der frĂŒhere Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sieht auch nach dem RĂŒckzug von Ferat Kocak aus dem Innenausschuss des Bundestages weiteren GesprĂ€chsbedarf. Er erwarte, dass Kocak âalles restlos aufklĂ€rtâ, sagte Bartsch, und bezeichnete den Vorgang als âschon alles dubiosâ.
Bartsch bewertete Kocaks Entscheidung zunĂ€chst als richtig, kĂŒndigte aber zugleich eine Beratung in der Fraktion an. Die Linke sei keine antisemitische Partei, sagte er, und stĂ€rkte Eralp sowie die Landesvorsitzenden, die sich klar gegen Antisemitismus positioniert hĂ€tten.
Die ĂuĂerungen Eralps fallen in eine Phase, in der die Berliner Linke nach ihrem Wahlerfolg zugleich mit Fragen zur Regierungsbildung und mit VorwĂŒrfen gegen einzelne Parteimitglieder umgehen muss. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus erreichte die Partei 25,7 Prozent und wurde stĂ€rkste Kraft. Linke, GrĂŒne und SPD wollen zunĂ€chst gemeinsame Linien zu Antisemitismus, organisierter KriminalitĂ€t und dem Umgang mit Rassismus ausloten.
FĂŒr mögliche KoalitionsgesprĂ€che ist entscheidend, ob die Linke aus den VorfĂ€llen verbindliche Konsequenzen ableitet. Die kĂŒnftige Fraktion plant, die Positionierung gegen Antisemitismus in ihrer Satzung festzuschreiben. Zudem hat Ferat Kocak seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestages aufgegeben, nachdem Kontakte zur Familie Remmo öffentlich kritisiert worden waren.
Regierungsbildung unter erhöhtem KlÀrungsdruck
Damit verschiebt sich die Debatte von einzelnen ErklĂ€rungen auf die Frage nach politischen und organisatorischen Standards. Eralps Hinweis auf eigene Hausaufgaben zielt entsprechend auf die innerparteiliche Verantwortung, wĂ€hrend SPD und GrĂŒne auf klare Abgrenzungen angewiesen sind, bevor sie ĂŒber eine gemeinsame Regierung verhandeln.
FĂŒr die Berliner Politik bedeutet das: Der Wahlerfolg verschafft der Linken den Anspruch, die Regierungsbildung zu prĂ€gen, beseitigt aber nicht den KlĂ€rungsbedarf bei Antisemitismus, Kontakten ins Milieu der organisierten KriminalitĂ€t und dem Umgang mit umstrittenen Akteuren. Die kommenden GesprĂ€che werden zeigen, ob gemeinsame Regeln und personelle Konsequenzen aus Sicht der möglichen Partner ausreichen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
rbb24: âLinke-Politiker Kocak gibt Sitz im Bundestags-Innenausschuss aufâ (30.09.2026)
Der Beitrag stellt Kocaks RĂŒckzug aus dem Innenausschuss und dessen eigene Fehler eingerĂ€umt dar. Damit beleuchtet er vor allem die personelle Konsequenz des Konflikts, wĂ€hrend Eralps aktuelle Aussagen stĂ€rker die innerparteiliche politische Verantwortung und die KoalitionsfĂ€higkeit der Berliner Linken betreffen.
Deutschlandfunk: âGesprĂ€che ĂŒber Regierungsbildung in Berlin beginnenâ (01.10.2026)
Der Deutschlandfunk ordnet die Debatte in den Start der GesprĂ€che von Linken, GrĂŒnen und SPD ein. Im Mittelpunkt stehen dort gemeinsame Vereinbarungen zu Antisemitismus, organisierter KriminalitĂ€t und Rassismus; offen bleibt, ob die geplanten GesprĂ€che den Weg zu formellen Sondierungen freimachen.
Die BeitrĂ€ge stimmen darin ĂŒberein, dass die Berliner Linke nach dem Wahlerfolg konkreten KlĂ€rungsdruck bewĂ€ltigen muss. Unterschiede ergeben sich beim Schwerpunkt: WĂ€hrend rbb24 die Konsequenz im Fall Kocak hervorhebt, rĂŒckt der Deutschlandfunk die Regierungsbildung und die Bedingungen der möglichen Partner in den Vordergrund.
