Deutschland, Nordrhein-Westfalen

Erneut Sabotage am Stromnetz - Polizei prĂŒft Bekennerbrief

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 10:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Reihe von Attacken auf die Energieversorgung in Deutschland setzt sich fort. Nun liefert ein Bekennerschreiben den Ermittlern womöglich neue Hinweise. Beamte untersuchen ein weiteres Umspannwerk.

  • An einem Umspannwerk in Dormagen wurde ein verdĂ€chtiger Gegenstand gefunden. - Bild: Alexander Franz/dpa
    An einem Umspannwerk in Dormagen wurde ein verdÀchtiger Gegenstand gefunden. - Bild: Alexander Franz/dpa
  • SchĂ€den wurden am Umspannwerk in Dormagen nicht festgestellt. - Bild: Jan Ohmen/dpa
    SchÀden wurden am Umspannwerk in Dormagen nicht festgestellt. - Bild: Jan Ohmen/dpa
  • Stunden nach der Attacke in SĂŒdbrandenburg kam es zu einer Störung an einem Umspannwerk in Bergheim in NRW. - Bild: Thomas Banneyer/dpa
    Stunden nach der Attacke in SĂŒdbrandenburg kam es zu einer Störung an einem Umspannwerk in Bergheim in NRW. - Bild: Thomas Banneyer/dpa
An einem Umspannwerk in Dormagen wurde ein verdĂ€chtiger Gegenstand gefunden. - Bild: Alexander Franz/dpa SchĂ€den wurden am Umspannwerk in Dormagen nicht festgestellt. - Bild: Jan Ohmen/dpa Stunden nach der Attacke in SĂŒdbrandenburg kam es zu einer Störung an einem Umspannwerk in Bergheim in NRW. - Bild: Thomas Banneyer/dpa

Nach dem Fund einer verdĂ€chtigen Abschussvorrichtung an einem Umspannwerk in Nordrhein-Westfalen geht die Polizei von einem weiteren Sabotageversuch auf die Energieversorgung aus. SchĂ€den an der kritischen Infrastruktur seien an der Anlage in Dormagen zwischen DĂŒsseldorf und Köln aber nicht entstanden, hieß es.

Damit setzt sich die Serie von Sabotageversuchen auf das Energienetz fort. Zuletzt hatten Unbekannte Stromleitungen in JÀnschwalde in Brandenburg und in Bergheim westlich von Köln angegriffen.

Auch am Freitagmorgen gab es EinsÀtze an weiteren Standorten mit kritischer Energieinfrastruktur: In der NÀhe von Aachen wurde ein Umspannwerk in Weisweiler abgesucht. Es gebe ein Bekennerschreiben, in dem eine weitere Tat dort erwÀhnt werde, sagte ein Polizeisprecher.

In Niedersachsen untersuchten EinsatzkrÀfte zudem das GelÀnde an einem Umspannwerk in Ganderkesee bei Oldenburg. Eine Polizeistreife habe dort eine Feststellung getroffen und weitere KrÀfte angefordert, sagte eine Sprecherin. Weitere Details nannte sie nicht.

SpaziergÀnger entdeckte Abschussvorrichtung

Zu dem Fall in Dormagen seien die Ermittlungen noch ganz am Anfang, betonte die Polizei. Am Donnerstagabend hatte ein SpaziergĂ€nger an dem Umspannwerk mutmaßliche Abschussvorrichtungen entdeckt und die Behörden alarmiert. Die gefundenen Konstruktionen Ă€hneln laut Polizei stark den Abschussvorrichtungen, mit denen Unbekannte in Bergheim Kabel ĂŒber die Oberleitungen geschossen und so mehrere Kraftwerksblöcke lahmgelegt hatten.

Nach Informationen der «Bild» waren an den Abschussvorrichtungen Zeitschaltuhren und KupferdrÀhte befestigt. Die Polizei bewertet den Fall als Sabotagedelikt.

Fahndung nach Bekennerschreiben

Mögliche Hinweise könnte ein Bekennerschreiben liefern, das den Ermittlern vorliegt. Als Verfasser werde ein Mann aus Gevelsberg im Ennepe-Ruhr-Kreis genannt. Nach ihm werde derzeit intensiv gefahndet, sagte der Polizeisprecher. «Ob es sich bei ihm tatsĂ€chlich um einen TatverdĂ€chtigen handelt oder um einen Trittbrettfahrer, muss erstmal geprĂŒft werden», betonte er.

Die Hinweise aus dem Schreiben nehmen die Ermittler aber sehr ernst. Deshalb kam es am Freitagmorgen zu dem großen Einsatz an einem Umspannwerk in Weisweiler bei Aachen. Denn neben den schon bekannten Taten in Bergheim und Dormagen erwĂ€hnte der Mann auch einen Angriff auf die Stromversorgung dort. Ob die Beamten vor Ort verdĂ€chtige GegenstĂ€nde fanden, blieb zunĂ€chst unklar.

Mehrere Medien berichteten, dass in dem Bekennerschreiben als Motiv fĂŒr die Taten der Kampf gegen fossile EnergietrĂ€ger genannt werde. Dazu machte die Polizei keine Angaben.

Bekennerschreiben ging auch an Zeitung

Die «taz» berichtete am Donnerstagabend, sie habe ein Bekennerschreiben zu dem Vorfall in Brandenburg erhalten, das laut Poststempel in Nordrhein-Westfalen abgeschickt worden sei. Nach Angaben der Zeitung stellt sich der Absender als EinzeltÀter dar, der die verwendeten Selbstbauraketen im Detail beschreibt. Er habe als Motiv «unermessliches Leid» genannt, das die Nutzung fossiler Brennstoffe verursache.

Die «taz» wies nach umfassender Recherche ausdrĂŒcklich darauf hin, dass nicht zweifelsfrei geklĂ€rt werden könne, ob der Verfasser des Schreibens auch der TĂ€ter sei. Die Tat in Bergheim werde in diesem Schreiben nicht erwĂ€hnt, betont die Zeitung.

Brandenburg will kritische Infrastruktur besser schĂŒtzen

Als Reaktion auf die Stromnetz-Sabotage nahe dem Kraftwerk JĂ€nschwalde kĂŒndigte das brandenburgische Innenministerium am Donnerstag ein neues Sicherheitszentrum im Land zum Schutz von kritischer Infrastruktur an. Die Angriffe auf das Stromnetz in JĂ€nschwalde sowie in Bergheim zeigten, wie bedroht die kritische Infrastruktur in Deutschland sei und dass sie dringend geschĂŒtzt werden mĂŒsse. «Die Anzeichen verdichten sich, dass beide Attacken Teil eines koordinierten Angriffs auf unsere Energieversorgung sind», sagte Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU). 

Unter kritischer Infrastruktur versteht man all jene Bereiche, deren BeeintrĂ€chtigung oder Ausfall zu VersorgungsengpĂ€ssen, Störungen der öffentlichen Sicherheit und weiteren dramatischen Folgen fĂŒhren kann. Dazu gehören beispielsweise Energie, Informationstechnik, Transport, Verkehr, Gesundheit, Wasser, ErnĂ€hrung, Finanz- und Versicherungswesen, Staat und Verwaltung sowie Medien.

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