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EU-Kommissar Tzitzikostas: Deutschlands Infrastruktur zentral fĂŒr Europas Verkehrsnetz

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 09:28 Uhr | presseportal, AD HOC NEWS

BrĂŒssel - Deutschland trĂ€gt nach den Worten von EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas eine große Verantwortung fĂŒr den gesamteuropĂ€ischen Verkehr. Das sagte Tzitzikostas mit Blick auf die Diskussionen bei den Connecting Europe Days in BrĂŒssel, dem wichtigsten Forum der EuropĂ€ischen Kommission fĂŒr Verkehr.

EU-Kommissar Tzitzikostas: Deutschlands Infrastruktur zentral fĂŒr Europas Verkehrsnetz - Bild: presseportal.de
EU-Kommissar Tzitzikostas: Deutschlands Infrastruktur zentral fĂŒr Europas Verkehrsnetz - Bild: presseportal.de

"Deutschland liegt im Zentrum Europas. Daher ist es nicht ĂŒberraschend, dass fĂŒnf der neun europĂ€ischen Verkehrskorridore, die das transeuropĂ€ische Verkehrsnetz (TEN-T) bilden, durch Deutschland verlaufen", fĂŒgte Tzitzikostas hinzu.

Diese Verantwortung reiche ĂŒber die deutschen Grenzen hinaus. Die Modernisierung des deutschen Schienennetzes, digitale Zugsteuerung und wichtige Zulaufstrecken werden entscheidend dafĂŒr sein, dass sich FahrgĂ€ste und GĂŒter zuverlĂ€ssig durch Europa bewegen können, wie Tzitzikostas betonte. Zugleich warnte er, dass auf FahrgĂ€ste und Unternehmen weitere Bauarbeiten und EinschrĂ€nkungen zukĂ€men, bevor die Vorteile der Investitionen sichtbar wĂŒrden.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung von 28. September bis 1. Oktober standen die VervollstĂ€ndigung des TEN-T-Netzes, der Abbau von EngpĂ€ssen, die StĂ€rkung der WiderstandsfĂ€higkeit und der militĂ€rischen MobilitĂ€t sowie die Sicherung von Investitionen in die europĂ€ische Verkehrsinfrastruktur. Die Kommission schlĂ€gt fĂŒr den Verkehr im Rahmen der FazilitĂ€t "Connecting Europe" im Zeitraum 2028 bis 2034 insgesamt 51,5 Milliarden Euro vor.

Werden Deutschlands Infrastrukturprobleme zu denen Europas?

Tzitzikostas forderte schnellere Fortschritte beim TEN-T-Netz zum Nutzen Deutschlands und Europas insgesamt. "Aufgrund der Lage und GrĂ¶ĂŸe Deutschlands ist dort bei den Standards mehr zu tun als in den meisten Mitgliedstaaten", sagte er. Zugleich bedeute das weitverzweigte TEN-T-Netz, dass Deutschland erheblich von europĂ€ischer UnterstĂŒtzung profitieren könne.

Als zentrale Vorhaben nannte er das europÀische Zugsicherungssystem (European Rail Traffic Management System; ERTMS) und das Programm "Digitale Schiene Deutschland" sowie die Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel und den Ausbau von Bahnstrecken in Norddeutschland im Zusammenhang mit der Fehmarnbeltquerung.

Der Ausbau der Bahnstrecken zwischen Hamburg und Hannover soll zusĂ€tzlichen Personen- und GĂŒterverkehr aufnehmen, sobald die Fehmarnbeltquerung in Betrieb geht. Nach Angaben von Tzitzikostas könne dies das Wachstum und die langfristige WettbewerbsfĂ€higkeit der norddeutschen HĂ€fen stĂ€rken.

Bauarbeiten jetzt fĂŒr KapazitĂ€t spĂ€ter

Die notwendigen Investitionen haben politische und praktische Kosten. Die Probleme der Deutschen Bahn sind hĂ€ufig Anlass fĂŒr öffentlichen Unmut bei BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern, wĂ€hrend umfangreiche Bauarbeiten zu weiteren EinschrĂ€nkungen fĂŒhren dĂŒrften.

"Arbeiten am Netz sind unvermeidbar, um die Infrastruktur zu modernisieren und die SchienenkapazitÀt zu erhöhen", gab Tzitzikostas zu bedenken. "Wir können weder die LeistungsfÀhigkeit verbessern noch die wachsende Nachfrage bedienen, wenn wir auf Instandhaltung, Erneuerung und Ausbau verzichten."

Er betonte, die Auswirkungen auf FahrgĂ€ste und Betreiber mĂŒssten dennoch durch eine bessere Planung und Koordinierung begrenzt werden.

Die EU könne nicht jede BeeintrĂ€chtigung durch nationale Bauarbeiten im Schienennetz verhindern, warnte der Kommissar. Neue europĂ€ische Regeln fĂŒr die SchienenkapazitĂ€t sollten jedoch die langfristige Planung und die grenzĂŒberschreitende Koordinierung verbessern. Die Regeln sollen eine bessere Nachfrageplanung ermöglichen und EngpĂ€sse verringern.

Die Verordnung stĂ€rkt zudem den Umgang mit Störungen. Infrastrukturbetreiber mĂŒssen mit Eisenbahnunternehmen und anderen betroffenen Betreibern zusammenarbeiten, um möglichst geeignete Alternativen zu finden. "Das sollte Störungen berechenbarer machen, die KapazitĂ€tsnutzung verbessern und insgesamt ein widerstandsfĂ€higeres Netz schaffen", sagte Tzitzikostas.

Ziviler Verkehr und militÀrische MobilitÀt

MilitĂ€rische MobilitĂ€t war eines der Hauptthemen bei den Connecting Europe Days in BrĂŒssel. "Verkehr ist eine ganz natĂŒrliche Verbindung zu Verteidigung und militĂ€rischer MobilitĂ€t", sagte Tzitzikostas.

Er fĂŒhrte aus, dass der Ansatz der Kommission auf einer dualen Nutzung der Infrastruktur und nicht auf getrennten militĂ€rischen Netzen beruhe. "Es gibt keinen Wettbewerb zwischen militĂ€rischem und zivilem Verkehr; sie bringen sich gegenseitig Vorteile."

"Drohnen in der NĂ€he von FlughĂ€fen sind ein großes Problem fĂŒr den zivilen Verkehr und haben zu mehreren FlugausfĂ€llen gefĂŒhrt", sagte Tzitzikostas mit Blick auf den versuchten Anschlag mit einer Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle. Er fĂŒgte hinzu, dass die EinschrĂ€nkungen erhebliche wirtschaftliche Folgen hĂ€tten.

Als Reaktion auf den Vorfall in Leipzig will die Kommission, dass Mitgliedstaaten und Betreiber großer Verkehrsknotenpunkte mehr zum Schutz kritischer Infrastruktur unternehmen. Die vorgeschlagene Verordnung zur militĂ€rischen MobilitĂ€t wĂŒrde die Mitgliedstaaten verpflichten, strategische Infrastruktur mit dualer Nutzung zunĂ€chst zu bestimmen und anschließend zu schĂŒtzen.

Eine sichere digitale Ebene

FĂŒr digitale Verkehrssysteme gilt derselbe Resilienzgedanke. HĂ€fen, Logistiknetzwerke, Eisenbahnen und die Luftfahrt sind zunehmend auf Daten, Cloud-Dienste und kĂŒnstliche Intelligenz angewiesen.

"Die Digitalisierung wird fĂŒr das europĂ€ische Verkehrssystem immer wichtiger. Wir mĂŒssen sicherstellen, dass die digitale Ebene ebenso zuverlĂ€ssig und widerstandsfĂ€hig ist wie unsere physische Infrastruktur", sagte Tzitzikostas. "Die erste PrioritĂ€t ist ein vertrauenswĂŒrdiger Rahmen fĂŒr den Datenaustausch."

Die Kommission arbeitet mit den Mitgliedstaaten und der Industrie im Rahmen des Digital Transport and Logistics Forum an gemeinsamen Standards und Regeln.

"Im Verkehr können Daten nicht in voneinander getrennten Silos bleiben", sagte Tzitzikostas. Ziel sei es, bestehende Datenökosysteme miteinander zu verbinden, damit Informationen sicher gefunden, abgerufen und geteilt werden könnten.

"Sicherheit muss von Anfang an in diese Systeme eingebaut werden", betonte er. "Je stĂ€rker der Verkehr von vernetzten Systemen, Cloud-Diensten und KĂŒnstlicher Intelligenz abhĂ€ngt, desto wichtiger werden Cybersicherheit, DatenqualitĂ€t, SystemstabilitĂ€t und Notfallvorkehrungen."

Ein gerechter Übergang fĂŒr lĂ€ndliche RĂ€ume

Der Kommissar verknĂŒpfte Verkehrsinvestitionen zudem mit sozialpolitischen Fragen. Der Übergang mĂŒsse auch die Bevölkerung in lĂ€ndlichen RĂ€umen erreichen, von denen viele auf das Auto angewiesen seien, weil der öffentliche Verkehr dort nur eingeschrĂ€nkt zur VerfĂŒgung stehe.

Der Klima-Sozialfonds soll zwischen 2026 und 2032 insgesamt 86,7 Milliarden Euro mobilisieren, um Energie- und Verkehrsarmut zu bekĂ€mpfen. Er soll benachteiligte Haushalte, Kleinstunternehmen und Verkehrsteilnehmer unterstĂŒtzen.

Die nationalen Verwaltungen sollen in Abstimmung mit lokalen und regionalen Behörden festlegen, wer UnterstĂŒtzung erhalten soll und in welcher Form.

"Der Übergang wird nur funktionieren, wenn er gerecht ist", sagte Tzitzikostas. "FĂŒr die Bevölkerung in lĂ€ndlichen RĂ€umen bedeutet Gerechtigkeit echte Alternativen, bezahlbare MobilitĂ€t und gezielte UnterstĂŒtzung fĂŒr diejenigen, die sie am dringendsten benötigen."

Pressekontakt:

Anna-Kaisa ITKONEN
Spokesperson
Phone: +32 2 295 75 01
Mail: anna-kaisa.itkonen@ec.europa.eu

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