EZB: Lagarde verlÀsst Notenbank am 7. Februar 2027
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 16:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEZB-Nachfolge und Personalpaket 2027
- Christine Lagarde fĂŒhrt die EZB seit dem 1. November 2019.
- Ihr regulÀres Mandat hÀtte bis Ende Oktober 2027 gedauert.
- Die Eurostaaten wollen das Nachfolgeverfahren bis zum Jahresende abschlieĂen.
Christine Lagarde beendet EZB-FĂŒhrung im Februar 2027
Christine Lagarde verlĂ€sst die EuropĂ€ische Zentralbank am 7. Februar 2027 und damit fast neun Monate vor dem regulĂ€ren Ende ihrer Amtszeit. Die EZB-PrĂ€sidentin informierte den EZB-Rat und den PrĂ€sidenten des EuropĂ€ischen Rates, AntĂłnio Costa, wenige Stunden vor dem Zinsentscheid ĂŒber ihren RĂŒcktritt.
Lagarde begrĂŒndet Schritt mit Freiheitsrechten
Lagarde begrĂŒndete ihre Entscheidung mit dem Wunsch nach Rede- und Meinungsfreiheit sowie der Möglichkeit, sich auch mit Themen auĂerhalb der Geldpolitik zu befassen. Sie sagte, in der gegenwĂ€rtigen Zeit könne sie nicht neutral bleiben, wie es ihre Rolle als Notenbankerin verlange.
Die Französin fĂŒhrt die EZB seit dem 1. November 2019. Ihre achtjĂ€hrige Amtszeit wĂ€re regulĂ€r bis Ende Oktober 2027 gelaufen. Zuletzt war ĂŒber einen Wechsel an die Spitze des Weltwirtschaftsforums in Davos spekuliert worden.
EZB hÀlt Einlagenzins bei 2,5 Prozent
Der EZB-Rat verschob die dritte Zinserhöhung des Jahres auf seine Sitzung im Dezember. Der fĂŒr Banken und Sparer wichtige Einlagenzins bleibt vorerst bei 2,5 Prozent.
Im Euroraum stieg die Inflation im September auf 3,8 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Das mittelfristige EZB-Ziel von 2,0 Prozent ist damit deutlich ĂŒberschritten. Lagarde verwies auf steigende Energiepreise und Risiken fĂŒr das Wachstum.
Nachfolge vor Frankreich-Wahl im Blick
Die Staats- und Regierungschefs der 21 Eurostaaten mĂŒssen die Nachfolge nun frĂŒher regeln. EU-RatsprĂ€sident Costa kĂŒndigte an, das Verfahren noch am selben Tag einzuleiten.
Bundeskanzler Friedrich Merz erklÀrte, der im EU-Vertrag vorgesehene Besetzungsprozess solle im Kreis der Staats- und Regierungschefs der Eurozone bis zum Jahresende abgeschlossen werden. Dadurch kann die Nachfolge noch vor der französischen PrÀsidentschaftswahl im April 2027 entschieden werden.
Mehrere Spitzenposten werden frei
Als mögliche Kandidaten fĂŒr die EZB-Spitze gelten der frĂŒhere niederlĂ€ndische Zentralbankchef Klaas Knot und der Spanier Pablo HernĂĄndez de Cos, PrĂ€sident der Bank fĂŒr Internationalen Zahlungsausgleich. Auch Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel wird als möglicher Bewerber genannt.
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel wechselt Anfang Januar 2027 zum Internationalen WĂ€hrungsfonds. Im Juni 2027 endet zudem die Amtszeit von EZB-Chefökonom Philip R. Lane. Auf europĂ€ischer Ebene wird deshalb mit einem Personalpaket fĂŒr mehrere Spitzenposten gerechnet.
Lagardes Amtszeit war von Krisen geprÀgt
Lagarde ĂŒbernahm die EZB als erste Frau an der Spitze. In ihrer Amtszeit prĂ€gten die Corona-Pandemie, der Ălpreisschock und die hohe Inflation nach dem russischen Angriff auf die Ukraine die Geldpolitik.
2022 stieg die Teuerung im Euroraum auf fast elf Prozent. Die EZB reagierte mit zehn Zinserhöhungen in Folge. 2026 lieĂ ein Ălpreisschock im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg die Inflation erneut steigen.
Christine Lagardes vorzeitiger Abschied fĂ€llt in eine Phase, in der die EuropĂ€ische Zentralbank gleichzeitig mit höherer Inflation, angespannten AnleihemĂ€rkten und geopolitischen Risiken umgehen muss. Im September lag die Teuerung im Euroraum bei 3,8 Prozent und damit deutlich ĂŒber dem mittelfristigen EZB-Ziel von 2,0 Prozent. Die Notenbank lieĂ den Einlagenzins dennoch bei 2,5 Prozent.
FĂŒr die Nachfolge ist der Zeitpunkt politisch bedeutsam. Die Eurostaaten können die Besetzung nun vor der französischen PrĂ€sidentschaftswahl im April 2027 abschlieĂen. Damit verschiebt sich die Personalentscheidung in ein enges europĂ€isches Zeitfenster, in dem Frankreich und Deutschland besonderes Gewicht beanspruchen dĂŒrften.
Mehrere Personalentscheidungen stehen an
Das Verfahren betrifft nicht nur die EZB-Spitze. 2027 werden weitere Sitze im sechsköpfigen Direktorium frei, darunter der Posten des Chefökonomen. Ein gröĂeres Personalpaket könnte deshalb regionale Interessen, fachliche Profile und institutionelle KontinuitĂ€t miteinander verbinden.
FĂŒr BĂŒrger und Unternehmen bleibt die Geldpolitik der wichtigste praktische Bezugspunkt. Der Einlagenzins beeinflusst ĂŒber Banken die Konditionen fĂŒr Kredite und Sparanlagen. Ein FĂŒhrungswechsel allein Ă€ndert den Kurs nicht automatisch, kann aber die Erwartungen an den Umgang mit Inflation, Wachstum und Finanzmarktrisiken prĂ€gen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR24: âEZB-PrĂ€sidentin Lagarde tritt vorzeitig zurĂŒckâ (29.10.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt den RĂŒcktritt zum 7. Februar 2027 und stellt die frĂŒhere Nachfolgeregelung vor der französischen PrĂ€sidentschaftswahl heraus. Anders als die dpa-Meldung nennt er offiziell keine GrĂŒnde und verweist auf die seit LĂ€ngerem kursierenden Spekulationen ĂŒber Lagardes Zukunft.
Euronews: âEZB hĂ€lt Zins bei 2,5%, Lagarde kĂŒndigt frĂŒhen Abschied bei fast doppelt so hoher Inflation anâ (29.10.2026)
Der Artikel verbindet Lagardes Abschied mit dem unverĂ€nderten Einlagenzins von 2,5 Prozent und der Inflation von 3,8 Prozent. Einen zusĂ€tzlichen Schwerpunkt legt er auf die angespannten französischen StaatsanleihenmĂ€rkte und die Risiken fĂŒr Wachstum und PreisstabilitĂ€t.
Beide BeitrĂ€ge bestĂ€tigen den Termin des RĂŒcktritts und die anstehende Nachfolgeentscheidung. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Schwerpunkt: WĂ€hrend BR24 die politische Personalfrage betont, ordnet Euronews den Abschied stĂ€rker in die geldpolitische und finanzielle Lage ein.
