Christine Lagarde, EZB-Nachfolge

EZB-Spitze: Lagarde geht am 7. Februar 2027 frĂŒher

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 11:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Christine Lagarde verlĂ€sst die EuropĂ€ische Zentralbank am 7. Februar 2027 und damit mehrere Monate vor dem regulĂ€ren Ende ihrer Amtszeit. Die Regierungen der Eurostaaten mĂŒssen die Nachfolge nun frĂŒher entscheiden; Deutschland bringt sich mit Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel in Stellung.

EZB-Personal wird frĂŒher entschieden

  • Christine Lagarde informiert EZB-Rat und AntĂłnio Costa ĂŒber ihren RĂŒckzug zum 7. Februar 2027.
  • Ihre regulĂ€re achtjĂ€hrige Amtszeit hĂ€tte erst Ende Oktober 2027 geendet.
  • Joachim Nagel, Klaas Knot und Pablo HernĂĄndez de Cos werden als mögliche Nachfolger genannt.
  • Seit dem 1. November 2019 fĂŒhrt die Französin Christine Lagarde die EZB. (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa
  • Der Abtritt von Lagarde hat wohl auch politische GrĂŒnde, denn auf Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron könnten Rechtspopulisten folgen (Archivbild) - Bild: Markus Schreiber/AP/dpa
  • Die Leitzinsen der EZB beeinflussen etwa die Höhe der Kreditzinsen fĂŒr Unternehmen sowie die Zinsen fĂŒr Sparer. (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa
  • Lagardes VorgĂ€nger Jean-Claude Trichet und Mario Draghi waren je acht Jahre im Amt. (Archivbild) - Bild: Arne Dedert/dpa
Seit dem 1. November 2019 fĂŒhrt die Französin Christine Lagarde die EZB.  (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa Der Abtritt von Lagarde hat wohl auch politische GrĂŒnde, denn auf Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron könnten Rechtspopulisten folgen (Archivbild) - Bild: Markus Schreiber/AP/dpa Die Leitzinsen der EZB beeinflussen etwa die Höhe der Kreditzinsen fĂŒr Unternehmen sowie die Zinsen fĂŒr Sparer. (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa Lagardes VorgĂ€nger Jean-Claude Trichet und Mario Draghi waren je acht Jahre im Amt. (Archivbild) - Bild: Arne Dedert/dpa

Christine Lagarde verlÀsst die EZB im Februar 2027

Christine Lagarde tritt vorzeitig als PrÀsidentin der EuropÀischen Zentralbank ab. Die Französin gibt ihren Posten zum 7. Februar 2027 auf, wie die EZB in Frankfurt mitteilte.

Nachfolge wird frĂŒher geregelt

Lagarde informierte den EZB-Rat sowie den PrĂ€sidenten des EuropĂ€ischen Rates, AntĂłnio Costa, ĂŒber ihren Schritt. Ihre regulĂ€re achtjĂ€hrige Amtszeit wĂ€re bis Ende Oktober 2027 gelaufen.

Nun mĂŒssen die Staats- und Regierungschefs der 21 Eurostaaten die Nachfolge frĂŒher regeln. Der Zeitgewinn ermöglicht es dem scheidenden französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz, die Besetzung noch vor der französischen PrĂ€sidentschaftswahl zu klĂ€ren.

Rechtspopulisten prÀgen den politischen Zeitplan

Lagardes RĂŒckzug kommt nach monatelangen Spekulationen nicht ĂŒberraschend. Im Februar 2026 hatte die Financial Times berichtet, sie wolle sich vor der Wahl in Frankreich im April 2027 zurĂŒckziehen. Als Hintergrund galten Sorgen ĂŒber einen möglichen Wahlsieg eurokritischer Rechtspopulisten um Marine Le Pen.

Im September bestĂ€tigte Lagarde erstmals selbst Überlegungen, bei der EZB einige Monate frĂŒher abzutreten. Macron darf bei der Wahl nicht erneut kandidieren.

Deutschland wirbt um den Spitzenposten

Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel hatte sich fĂŒr die Lagarde-Nachfolge ins GesprĂ€ch gebracht. Deutschland hat in der mehr als 25-jĂ€hrigen Geschichte der EZB noch nie die PrĂ€sidentin oder den PrĂ€sidenten gestellt.

Als Favoriten gelten der frĂŒhere niederlĂ€ndische Zentralbankchef Klaas Knot und der Spanier Pablo HernĂĄndez de Cos, der die Bank fĂŒr Internationalen Zahlungsausgleich fĂŒhrt. EZB-Direktorin Isabel Schnabel, die ebenfalls Interesse an der Nachfolge angemeldet hatte, wechselt Anfang Januar 2027 zum Internationalen WĂ€hrungsfonds nach Washington.

Mehrere Posten werden gleichzeitig frei

Mit Schnabels Wechsel wird eine Stelle im sechsköpfigen EZB-Direktorium frei. Im Juni 2027 endet außerdem die Amtszeit von EZB-Chefökonom Philip R. Lane.

Auf europĂ€ischer Ebene dĂŒrfte deshalb ĂŒber ein Personalpaket verhandelt werden. Vizekanzler Lars Klingbeil betonte zuletzt, Deutschland werde im EZB-Direktorium weiterhin eine Rolle spielen.

Deutsche Kandidatur trifft auf politische HĂŒrde

Als Hindernis fĂŒr einen Deutschen an der EZB-Spitze gilt die FĂŒhrung der EuropĂ€ischen Kommission durch Ursula von der Leyen. Zwei Deutsche an der Spitze zentraler europĂ€ischer Institutionen könnten im politischen Personalpoker schwer durchsetzbar sein.

Der vorgezogene Abgang verschiebt den Zeitplan fĂŒr die Besetzung eines der zentralen Ämter der Eurozone. Die PrĂ€sidentin oder der PrĂ€sident der EuropĂ€ischen Zentralbank prĂ€gt gemeinsam mit dem EZB-Rat die Geldpolitik fĂŒr die 21 LĂ€nder des Euroraums und steht zugleich fĂŒr die institutionelle UnabhĂ€ngigkeit der Notenbank.

Politisch fÀllt die Entscheidung in eine sensible Phase. Frankreich steht vor einer PrÀsidentschaftswahl im April 2027, bei der ein möglicher Machtgewinn eurokritischer Rechtspopulisten die europÀische Personalplanung erschweren könnte. Lagardes Ausscheiden im Februar ermöglicht es den Regierungen, die Nachfolge vor diesem Wahltermin zu regeln.

Personalpaket fĂŒr mehrere SchlĂŒsselposten

FĂŒr Deutschland eröffnet sich erneut die Chance, erstmals die EZB-Spitze zu besetzen. Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel gehört zu den genannten Bewerbern; zugleich gelten der frĂŒhere niederlĂ€ndische Zentralbankchef Klaas Knot und BIZ-Chef Pablo HernĂĄndez de Cos als starke Kandidaten. Deutschland muss dabei berĂŒcksichtigen, dass mit Ursula von der Leyen bereits eine Deutsche die EU-Kommission fĂŒhrt.

Die Nachfolge wird voraussichtlich mit weiteren Personalentscheidungen verknĂŒpft. Isabel Schnabel wechselt Anfang Januar 2027 zum IWF, und im Juni 2027 endet die Amtszeit von EZB-Chefökonom Philip R. Lane. FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bleibt vor allem relevant, dass die Auswahl der neuen Spitze in eine Phase fĂ€llt, in der Zinsen, Inflation und die wirtschaftliche Entwicklung der Eurozone weiterhin stark von der Geldpolitik abhĂ€ngen.

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